Weltumsegelung: Das kann die El Toro

Im „Tech Talk“ verrät Extremsportler Christian Schiester, wie er sein Boot umgebaut hat.
Wer hoch hinaus will, muss selbst Hand anlegen.
Wer hoch hinaus will, muss selbst Hand anlegen. © Harald Tauderer
Von Felix Kozubek

 Christian Schiester. Dieser Mann wurde als Ultrarunner weltbekannt. Keine Wüste, kein Dschungel, keine Grenze konnte diesen Mann aufhalten. Der Gipfel, sein nonstop 260 Kilometer-Run quer durch die Sahara. Doch irgendwann kam der Moment, als sich der Extremsportler die Sinnfrage stellte. Soll es das gewesen sein? 160.000 Kilometer hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits in den Beinen. Oder anders gesagt. Er war vier Mal um die Welt gerannt. Doch was sollte folgen? Weitere vier Mal um die Welt? Ein Zufall brachte ihn auf einen neuen Weg. Ein neues Ziel war geboren. Aus dem Dauerläufer wurde ein Dauersegler. Damit das gelingt, braucht es nicht nur eine völlig neue Einstellung zum Leben, sondern auch die nötige Ausrüstung. Der Tech Talk mit Christian Schiester.

Absolute Freiheit. Mit dem Boot zur einsamen Bucht.
Absolute Freiheit. Mit dem Boot zur einsamen Bucht © Harald Tauderer

Christian, wie wurde aus dem Dauerläufer eigentlich der Dauersegler?
Im Jahr 2001 bin ich mit dem Wohnmobil nach Griechenland gefahren und habe von einem Freund ein Schlauchboot ausgeliehen. An der Bucht waren sehr viele Menschen. Deshalb habe ich mir das Boot geschnappt und bin zur nächsten Bucht. Da waren nur noch zehn Menschen. Dann bin ich weiter zu nächsten. Dort war ich alleine. Da habe ich realisiert. Ok, dieses Boot gibt mir die Möglichkeit mit der Natur alleine zu sein. Das bedeutet Freiheit. Seitdem hat mich dieser Gedanke nicht mehr losgelassen.

Wie ging es dann weiter?
Seit diesem Erlebnis habe ich bei vielen meiner Rennen darüber nachgedacht und mir die Frage gestellt, wie lange willst du noch laufen und was kommt danach? Das Segeln war eine Möglichkeit Freiheit, völlige Freiheit zu erleben und meine Fähigkeiten in einer anderen Sportart einzusetzen. Ich habe mir dann mein erstes Boot gekauft. Das war nur viereinhalb Meter lang. Damit habe ich in der Lagune von Grado geübt. Später ging es dann mit einem doppelt so langen Boot in Kroatien weiter, mit dem ich bei einer Charity-Veranstaltung später sogar gesunken bin.

Christian Schiester hat sich alles selbst beigebracht.
Christian hat sich alles selbst beigebracht © Harald Tauderer

Kommen wir zur technischen Seite. Wann hast du dein Boot gekauft, das du heute fährst und wieso genau dieses?
Mein jetziges Boot – die El Toro - habe ich im Rohzustand im Herbst 2010 in Griechenland von einem alten Griechen gekauft. Klar, mit viel Geld hätte ich mir ein fertiges Boot kaufen können. Das wäre deutlich einfacher gewesen. Immerhin bin ich kein Techniker. Aber ich bin der Meinung, man sollte gemeinsam mit seinem Boot stark werden. Die El Toro wiegt 34 Tonnen und misst knapp 18 Meter. Ich war auf der Suche nach einem Boot das einzigartig ist und sehr stabil ist. Moderne Boote setzten meist auf Leichtigkeit und Schnelligkeit. Aber ich hatte keine Lust auf einem Joghurtbecher am offenen Meer zu segeln. Deshalb fiel die Entscheidung auf dieses Boot.

Wie viel Zeit hast du in den Umbau deines Bootes investiert? Und wie bist du vorgegangen?
Schritt eins war das Kennenlernen. Dafür bin ich 4.000 Seemeilen mit dem neuen Boot quer durch Griechenland gesegelt. Danach ging es darum Unabhängigkeit zu schaffen. Ein Küstensegler denkt von Hafen zu Hafen, fährt von Steckdose zu Steckdose und von Wasserhahn zu Wasserhahn. Ich wollte autark sein und lange Zeit auf dem offenen Wasser segeln. Ich habe extra 17 Bücher gelesen und mit alten Seglern gesprochen. Daraufhin haben wir das Boot ausgehöhlt und völlig neu mit Windgenerator, Stromgenerator, Solaranlage und Wasseraufbereitung ausgestattet. Alleine in den Wintermonaten, wenn das Boot an Land liegt, habe ich in den vergangenen sieben Jahren circa 7.000 Arbeitsstunden investiert. Nochmal so viele Stunden haben Mechaniker daran gearbeitet.

read more about
Zur nächsten Story