Im Tandem-Kajak (!) einen Wasserfall runter

Begleite Nouria Newman und Mike Roy bei ihrem Abenteuer auf dem Waikato River in Neuseeland.
Von Nouria Newman / Astrid Heinz

Neuseeland ist das Land der Wasserfälle! Touristen lieben es, sie zu bestaunen, Kajaker bevorzugen es, sie zu befahren.

Die Profi-Kajakerin Nouria Newman hat im Winter drei Monate in Neuseeland verbracht und sich zwischendurch einer kleinen Challenge gestellt: Im Tandem-Kajak, gemeinsam mit Mike Roy, die Huka Falls runter.

Eine gut zugängliche Naturgewalt …

Die Huka Falls sind eine echte Touristenattraktion in Neuseeland und dementsprechend gut zugänglich. Der anfangs 100 Meter breite Fluss zwängt sich dabei in einen schmalen, nur 15 Meter breiten Canyon und spült durchschnittlich 140.000 Liter pro Sekunde über die einzelnen Stufen, um schließlich 11 Meter tief über die Klippe zu stürzen.

Without doubt my favorite Park and Huck. Stoked I got to run Huka Falls one last time before heading back to France.

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… technisch eine große Herausforderung

Die Wasserfälle galten lange als unbefahrbar, doch im Jahre 1981 waren die Kajakfahrer Greg Oke und Nick Kerkham bei niedrigem Wasserstand erstmals erfolgreich. „Wenn du erst mal im Canyon bist, gibt es kein Zurück“, so Nouria. Auch wenn der Wasserfall „nur“ 11 Meter hoch ist – die Stromschnellen sind keinesfalls zu unterschätzen.

Das Projekt mit Mike Roy

Nouria berichtet: „Mike ist einer meiner besten Freunde und ein Mensch, dem ich wirklich vertraue. Im Wasser und an Land. Er war es auch, der nach einem schweren Autounfall in British Columbia für mich da war und mich in schweren Zeiten unterstützt hat.“

„Als ich ihm zum ersten Mal von meiner Idee mit den Huka Falls erzählt habe, wusste ich nicht, ob es eine gute Idee ist. Weil das ist schon für einen alleine eine große Herausforderung. Ein Tandem-Kajak ist länger, schwerer und damit noch schwieriger zu manövrieren.“

„Er hat aber keine Sekunde gezögert und sofort zugesagt. Wir haben dann in einem geborgten Tandem-Kajak auf dem Kaituna River trainiert. Dann haben wir uns an die Troutpool Falls gewagt. Einen kleineren Wasserfall, der technisch aber auch recht anspruchsvoll ist.“

Sich aufeinander verlassen

„Kajaken wird meistens als Individualisten-Sport wahrgenommen, im Extremsport brauchst du aber immer ein Team, um erfolgreich zu sein. Man muss sich aufeinander verlassen können. Egal ob es um den richtigen Einstieg, die Einschätzung zur Line oder um Sicherheitsmaßnahmen geht. Auch wenn du alleine im Boot sitzt, so ist immer ein ganzes Team dabei.“

„Wenn du dich dann im Tandem in die Stromschnellen begibst, erreicht das noch einmal eine andere Dimension. Im selben Boot sind perfekte Koordination und blindes Vertrauen unverzichtbar“, so die Profi-Kajakerin.

Ein Ziel, zwei Versuche

„Wir haben zwei Anläufe gebraucht, weil beim ersten Mal hatten wir Probleme damit, unsere Paddel zu synchronisieren. Wir haben es zwar geschafft, es war aber nicht die perfekte Line. Statt einem netten ‚Boof’ – so nennt man es, wenn man über einen Wasserfall springt, sind wir nur runtergeplumpst. Mit dem 120 Kilo schweren Boot war der Aufprall dann recht heftig.“

„Vor unserem zweiten Versuch ist der Wasserpegel dann gestiegen – von 80 auf 115 Kubikmeter pro Sekunde. Dadurch sind auch die Stromschnellen schwieriger geworden. Wir waren nervös, gleichzeitig aber sehr konzentriert und vor allem auch motiviert, den perfekten Run zu schaffen.“

Und jetzt?

„Jetzt bereite ich mich auf die französische Slalom-Team-Selection vor. Ich habe noch andere Projekte am Laufen, aber da hängt alles von meiner Leistung, Zeit und den Wasserständen ab. Ich möchte mich außerdem nie nur auf eine Disziplin beschränken. Ich liebe Wettbewerbe, geht aber genauso gerne mit Freunden kajaken oder auf Expeditionen“, so die Französin.

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