Ich kam, sah und versagte!

Der POV auf die Red Bull Fuxjagd. Durch die von Nervosität getrübten Augen eines Verlierers.
Stehend machte ich noch eine gute Figur © Oliver Jiszda
Von Bernhard „blumi“ Blum

Das außergewöhnliche Fixie-Rennformat hat mich von zwei Dingen überzeugt: Erstens, dass es fantastisch für die Entwicklung einer Randsportart ist, wenn ein professionell organisierter Event geboten wird. Zweitens, dass ich eben bei genau solchen professionell organisierten Events nichts verloren habe. Oder eben doch verloren habe. Denn die Dämonen meiner Kindheit, die mich schon vor 30 Jahren dem BMX-Rennsonntag entgegen fürchten haben lassen, schlummern immer noch in mir und grinsen hämisch, denn wieder einmal haben sie mir bewiesen, dass ich sie wohl nie los- oder ihnen zumindest Herr werde. So kam es, dass ich nicht mit Selbstbewusstsein, Mut und vollem Commitment ins Rennen ging, sondern vor lauter Zittern kaum den Lenker gerade halten konnte. Es ist dennoch keine Ausrede dafür, im Finale zu langsam zu sein, wenn auch nur um 12 Hundertstel, die eben mit Passion, Kraft und Feuer leicht rauszuholen gewesen wären.

Die Kamera läßt es schnell aussehen - dank Filter © Philipp Greindl

The land of competition
Schon die Anreise zum Lusthaus ist gezeichnet von meiner, sagen wir mal, angespannten Stimmung. Körperlich fühle ich mich schlaff, was auch nachvollziehbar ist, nachdem meine Aufregung mich nur 3 Stunden Schlaf finden hat lassen. Dennoch will ich die Fahrt nutzen, um da und dort einen Sprint einzulegen, damit ich für die circa 2 Minuten Quali-Dauer zumindest eingefahren bin. Zum Aufwärmen ist es zu früh und dafür, Sprints zu trainieren, zu spät. In meinem Job als Radbote fahre ich manchmal über 100km, teilweise auch auf Druck. Aber ich muss meine Kräfte über einen längeren Zeitraum als über ein paar Minuten aufteilen und so kommen am Hinweg zum Lusthaus schon die ersten Zweifel, die ich mir aber noch nehmen konnte. Denn am Tag davor war ein Videodreh, bei dem mein Kumpel, der Skid King Christopher Walzl, und ich versucht haben, eine gute Figur für die Kamera zu machen. Am gemeinsamen Heimweg hat es - zumindest inmitten des Fließverkehrs - so ausgesehen als wäre ich schnell. Schneller als er und vermutlich auch für das Rennen schnell genug.

Christian Striedner war schnell - auch ohne Filter © Bernhard Blum

Policy of truth
Vor Ort kommt dann der Moment der Wahrheit. Die Streckenführung ist tatsächlich beinahe ident zum letzten Jahr. Das heißt, man hätte trainieren können, man hätte auf den Wettbewerb abgestimmt trainieren können. Ein Blick über das schon fast vollständige Starterfeld rund um das Lusthaus zeigt auch, dass das Setup der meisten perfekt abgestimmt ist. Der Regen des Morgens ist verzogen und die Strecke trocknet auf. Ich unterhalte mich mit Christian Striedner, einem Grazer Kollegen von mir und mein persönlicher Favorit, über die richtige Reifenwahl. Ein relevantes Thema, denn neben uns taucht gerade Greg Falski auf, ein eMTB-Profi, der sein Freestyle-Fixie mit dicken und daher nicht regelkonformen Reifen durch den Kurs jagen will. Von Beginn an fühle ich mich etwas zerrissen. Einerseits bin ich hier, um zu performen, andererseits ist es auch part of the job, für meine journalistische Tätigkeit gleich mal den geladenen Red Bull Profi Addison Zawada kennenzulernen. Supernetter Typ und wie ich schon von meiner Recherche weiß, großartiger Radfahrer. Ich kann die Stimmung vor Ort nicht objektiv beschreiben, doch die Leute von Lomo haben sie mit ihren Snapshots hautnah eingefangen, wie die Slideshow zeigt!

Die Schnellsten fuhren eine idente Fahrlinie © Bernhard Blum
Die Schnellsten fuhren eine idente Fahrlinie © Bernhard Blum

Born to lose
Die Zeit vor meinem Qualifikationslauf verbringe ich vorwiegend damit, nervös zu sein und mich auf irgendeine Weise abzulenken. Die vermeintlich ideale Fahrlinie habe ich mir gleich bei der ersten Umrundung des Rundkurses überlegt. Sie tatsächlich so zu fahren, schaffe ich, nachdem ich vom Rennleiter mit Glückwünschen in meinen Vorlauf geschickt werde, aber nicht. Ich fahre verhalten und nicht schnell genug. Mir dessen bewusst, steige ich nach den 4 Runden eigentlich erleichtert vom Rad, denn eines ist mir klar: ich werde nicht mehr fahren müssen. Daher konzentrierte ich mich zumindest ab dann auf die anderen Fahrer und deren Qualitäten bzw. Schwierigkeiten. Addison hat seinem Ruf alle Ehre gemacht und wurde nach zwei kapitalen Stürzen in den 4 Qualifikationsrunden in den Vorfinalläufen immer schneller. Aber auch sein Konkurrent im Finallauf, Sebastian Körber, beherrschte es, total smooth, ohne Sprint-Skid-Attacken, die Kraft und letztlich auch Zeit kosten, durch den Kurs zu kommen . Das hohe Leistungsniveau der Fahrer schon ab den Achtelfinal-Läufen hat mich dann schlussendlich auch beruhigt. Denn ich wusste, dass ich, selbst ohne weiche Knie, nicht recht viel weiter gekommen wäre. Dieses Jahr wohlgemerkt, denn nächstes Jahr wird nicht nur mein Rad, sondern werde auch ich perfekt vorbereitet sein.

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