Kenny Belaey und Tom Oehler im Wunderland

Die seltsamsten und obskursten Hindernisse, die es je gab – das ist die Red Bull Fantasy Line.
Red Bull Fantasy Line: Kenny Belaey, Thomas Oehler © Ryan Taylor/Red Bull Content Pool
Von Scott Hart

600 Glasfaserstatuen verteilt auf 36.000 m2 – das ist die Red Bull Fantasy Line. Kein Wunder, dass sich Sparta in Wisconsin selbst als die Hauptstadt für Biking in den USA bezeichnet. Vor dem konnten auch zwei der besten Trial-Biker der Welt nicht Halt machen: Kenny Belaey und Tom Oehler.

Im Video unten kannst du dir ansehen, wie sich die beiden den wohl seltsamsten Hindernissen annehmen, die es gibt.

Mit ihren Bikes springen sie von den Lippen eines Fisches, fahren über den Rücken eines Elefanten und zeigen zwischen den Flügeln eines Adlers ihre Skills. 

Wenn du von einem kleinen Pferd auf ein großes springst, dann darf dir kein Fehler passieren. Der Höhenunterschied ist einfach Wahnsinn.

Kenny Belaey

Die meisten Leute sehen die Glasfaser-Statuen eher als Landschaftsdekoration, während sich Belaey und Oehler über einen Spielplatz voller neuer Möglichkeiten freuen. Die Features sind wahrhaft einzigartig. Gebaut wurden sie von Fast Corp, einem Hersteller mit Sitz in Sparta, der seine Statuen an den Straßenrändern in ganz Amerika verteilt.

Wir haben uns Belaey und Oehler auf ihrer Odyssee durch Fantasieland von Sparta angeschlossen. Sie erklären uns, wie sie Red Bull Fantasy Line möglich machten.

RedBull.com: Wie habt ihr von diesem Projekt gehört?

Belaey: Es ist jetzt fast ein Jahr her, seitdem wir damit begonnen haben, darüber zu sprechen. Ich hatte zuvor eine E-Mail von Red Bull bekommen mit der Anfrage, ob ich gemeinsam mit Thomas Oehler ein Video auf verdammt coolen Hindernissen drehen will.

Oehler: Nachdem ich einige Fotos von all diesen Statuen gesehen hatte, habe ich weiter danach gegoogelt. Da wurde das ganze Projekt nur umso interessanter. Ich wollte dort unbedingt fahren.

Nachdem wir die Line gefahren sind, waren wir echt froh darüber, dass nichts kaputtgegangen ist – weder an dem riesigen Fisch, noch an einem von uns beiden.

Tom Oehler

Worüber habt ihr euch während der Planung am meisten Sorgen gemacht?

Oehler: Das waren vor allem Sicherheitsfragen. Wir wussten nicht, wie stabil die Figuren und wie tief verankert sie sind. Wir hatten die Sorge, dass sie eventuell kippen könnten, wenn man mit dem Bike darauf herumspringt. Auch die Glasfaser-Oberfläche gab uns zu denken, da es ja sein konnte, dass sie an manchen Stellen zu rutschig ist, um mit einem Bike darauf zu fahren.

Belaey: Wir hatten die Sorge, dass wir die Statuen nicht so hinbekommen würden, sodass sie fahrbar sind. Am Ende hatten wir aber ein paar Jungs vor Ort, die das übernommen und die Lines vorbereitet haben.

Was war während eurer Fahrt über diese Konstruktionen am schwierigsten wegzustecken?

Oehler: Die Verankerungen, die die Statuen stabil halten, waren echt nervig zu fahren, da sie oft an den seltsamsten Stellen herausragten. Da mussten wir dann mit Holz arbeiten, um das Ganze auch fahrbar zu machen.

Belaey: Für mich war es der Umstand, dass sie sich immer ein bisschen bewegten – auch, nachdem wir sie bearbeitet hatten. Wir konnten also nicht überall fahren, wo wir wollten. Einige der Figuren waren echt riesig! Außerdem wollten wir sie nicht zu oft benutzen, um nichts zu riskieren. Wir mussten uns deshalb echt zusammenreißen und unser Bestes geben, um oben auf ihnen landen zu können.

Ich hatte nur ein Holzstück, das in etwa so groß war wie mein Reifen, von dem ich nur auf meinem Hinterrad stehend wegspringen musste.

Kenny Belaey

Wie schwierig war es, die Line zu arrangieren?

Oehler: Um die großen Statuen so zu platzieren, wie wir das wollten, brauchten wir ca. eineinhalb Tage. Wir haben damit begonnen, Figuren auszuwählen und wussten zu Beginn nicht wirklich, wie wir die ganzen Einzelstücke zu einem Ganzen verbinden sollten. Dann holten wir uns einen Gabelstapler und begannen die Line zu formen. Sobald dann alles stand, war alleine der Anblick echt atemberaubend.

Belaey: Das Ganze war ziemlich improvisiert. Wir haben einfach mit dem gearbeitet, was wir zu Verfügung hatten. Nachdem das geschafft war, trafen wir die Abmachung, dass Tom eher die schnelleren und flüssiger zu fahrenden Lines übernahm, während ich mich denen annahm, die eher den Trials-Competition-Style forderten. Wir wollten zwei unterschiedliche Stile im Video kombinieren.

Welches Feature war am schwierigsten zu fahren?

Belaey: Ich glaube, das war der Sprung vom kleinen auf das große Pferd. Da durfte dir kein Fehler passieren, da der Höhenunterschied dermaßen groß war. Außerdem hatte ich nur ein Holzstück, das in etwa so groß war wie mein Reifen, von dem ich nur auf meinem Hinterrad stehend wegspringen musste.

Oehler: Für mich war es die große Line auf dem Fisch. Er war wackelig, besonders vorne auf dem Mund – der hat sich richtig bewegt! Die ersten paar Versuche waren da nicht wirklich zufriedenstellend… Nachdem wir die Line gefahren sind, waren wir echt froh darüber, dass nichts kaputtgegangen ist – weder an dem riesigen Fisch, noch an einem von uns beiden.

Was war die seltsamste Konstruktion, die ihr vor diesem Projekt gefahren seid?

Oehler: Das war, als ich für acht Monate meinen Wehrdienst in Österreich abgeleistet habe. Da habe ich die Chance einfach ergriffen und bin auf einem Panzer gefahren. Auch kleinere Boote mussten schon herhalten. Das war echt schwierig, weil sie sich die ganze Zeit nach allen Seiten hin bewegten. Auch meine Fahrt auf Eisblöcken war eine ganz eigene Erfahrung. Spikes aus Metall in meinen Reifen war ich einfach nicht gewöhnt.

Belaey: Bei mir war das definitiv das Slackline-Projekt „Balance“. Es war nicht nur die Höhe eine Herausforderung, sondern auch das Fahren auf einer Slackline selbst.

Was steht als nächstes an? Gibt es schon irgendwelche weitere Projekte, die ihr in Angriff nehmen wollt?

Belaey: Für 2017 ist bereits ein weiteres Projekt geplant, aber dazu will ich jetzt noch nichts sagen… Normalerweise lasse ich mich einfach auf den Flow ein. Wenn ich irgendetwas in Magazinen, im Fernsehen oder im Internet sehe, das mich inspiriert oder fasziniert, dann mache ich einfach und beginne zu planen.

Oehler: Immer, wenn ich in einem Flugzeug sitze und auf den Abflug warte, werfe ich einen Blick aus dem Fenster und sehe all die coolen Maschinen vor dem Terminal – das Gepäckförderband zum Beispiel. Ich muss es nur irgendwie schaffen, an der Security vorbeizukommen…Generell habe ich aber noch einige abgeschiedene Orte in petto, die ich erkunden möchte.

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