V-Max: Der Speedbike-Weltrekordhalter im Interview

167,7 km/h auf dem Downhill-Mountainbike? Max Stöckl über das Projekt V-Max und den Hang zum Speed.
Topspeed: 167 km/h!
Topspeed: 167 km/h! © Philip Platzer / Red Bull Content Pool
Von Thomas Wernhart

Max Stöckl hat sich mit seinem Team aufgemacht, um den Weltrekord im Speedbiking einzustellen und die Reise führte die Crew nach Chile. 11.000 Kilometer von der Heimat entfernt fand Max die richtige Piste, um sein Bike auf die Höllengeschwindigkeit von über 167 km/h zu beschleunigen und den alten Rekord zu knacken. Zwei Jahre Vorbereitungen liefen in diesen 20-Sekunden-Lauf, doch jeder einzelnen Tag war es wert. Und so bekommt Max einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde und die Atacamawüste etwas Wasser im Form von Freudentränen.

Max, wie bist du zum Speedbiking gekommen?
Max Stöckl: Das erste richtige Speedbiking-Event war für mich im Jahr 1995, also vor mehr als 20 Jahren. Eigentlich ein totaler Zufall, damals bin ich noch nicht Downhill gefahren, sondern Cross Country und im Winter zum Spaß ein bisserl über die Skipiste. Irgendwann habe ich ein Plakat gesehen vom Red Bull Speed Weekend in Hintertux und habe direkt den Organisator angerufen. Der meinte, ich kann gern vorbeikommen und so habe ich zum ersten Mal die Szene kennengelernt. Ich bin natürlich mitgefahren und aufgrund mangelnder Erfahrung hat es mich gleich mehrere Male überschlagen. Naja, dabei habe ich Blut geleckt und meinen Hang zum Speed entdeckt.

Wie ist das Projekt V-Max entstanden?
Die Idee zu dem Projekt ist nach Trip nach Nicaragua 2011 entstanden, weil ich dort mit dem Speed unzufrieden war. Dieser Lauf war nicht „lustig“ genug, es war keine richtige Herausforderung. Als ich aus Nicaragua wieder zuhause war, habe ich gleich angefangen, nach einem neuen Berg zu suchen. Schließlich haben wir diesen hier in Chile gefunden.

Markus in Nicaragua 2011. © Andreas Ehrensberger / Red Bull Content Pool

Was war das Ziel des Projekts Vmax?
Eigentlich ganz einfach: Ich wollte wieder einmal richtig schnell Rad fahren!

Es soll ein Rad bleiben und kein Motorrad ohne Motor.

Was war dir bei der Umsetzung dieses Rekordes wichtig?
Meine Vorstellung vom Downhill-Mountainbiken ist, dass alles käuflich erwerbbar sein soll. Das heißt, ich will keine Spezialteile am Rad haben. Es soll ein Rad bleiben und kein Motorrad ohne Motor. Das ist mein Zugang zu dem Ganzen – in „V-Max: Die Anatomie des Weltrekord-Bikes“ seht ihr, welches Bike diesen Rekord möglich gemacht hat.

Worauf kommt es an, wenn man so einen Rekord in Angriff nimmt?
In erste Linie ist die Ausrüstung wichtig und natürlich ist die Sicherheit ein großes Thema. Mit dem Airbag und wie dem Aufbau des Helms haben wir uns intensiv beschäftigt, um im Notfall möglichst sicher unterwegs zu sein. Natürlich kommt es auch stark auf die Location an. Der Untergrund, die Neigung des Hanges und die Seehöhe, die ja den Luftwiderstand bestimmt, spielen eine große Rolle. Wenn man alle Faktoren aufzählen will, kommt man sicher auf über zwei Dutzend.

Was war die Herausforderung für dich persönlich vor Ort von V-Max?
Man kann bei keinem Startpunkt vorher genau wissen, was passieren wird. Man tastet sich behutsam Schritt für Schritt heran. Zunächst etwas langsamere Läufe, um den Auslauf kennenzulernen und auszuloten, wo man hinfahren muss, um die gröbsten Wellen zu vermeiden. Dann steigert man die Geschwindigkeit und sobald man sich sicher fühlt, fährt man von ganz oben und lässt es laufen. Der Clip „V-Max: Der Kampf gegen die Physik“ zeigt glaube ich sehr gut, was hier auf mich zu kam.

Der Weg zum Weltrekord. © Philip Platzer / Red Bull Content Pool

Wie fühlt es sich an, den Rekord geschafft zu haben?
Geil! Ich kann es nicht beschreiben, da fehlen mir immer noch die Worte. Es ist echt ein richtig geiles Gefühl! Ganz oben, wenn du am Start stehst – auch wenn du genau weißt, es wird jetzt vielleicht nur 10-15 km/h schneller, als im letzten Trainingsrun – ist es ein sehr bewegendes Gefühl- Du stehst am Gipfel, schaust hinunter und spürst, wie das Adrenalin durch deinen Körper pumpt und unten angekommen, ist man einfach völlig überwältigt. Wir haben zwei Jahre auf diesen Tag hingearbeitet, um auf diesem Berg zu stehen, da kommen sehr viele Emotionen in einem hoch!

Wie kann man die Fahrt auf einem Mountainbike mit 167,7 km/h am besten beschreiben?
Es ist total anstrengend, obwohl die Fahrt nur 20 Sekunden gedauert hat. Wenn man sich den Luftwiderstand vorstellen möchte, also was die Luft bei dieser Geschwindigkeit mit einem macht, muss man nur einmal bei 170 km/h die Hand aus dem Autofenster halten. Was du in dem Fall nur an der Hand spürst, spürt man auf dem Rad am gesamten Körper. Obwohl ich jetzt mit meinen 1,90m kein mickriger Zeitgenosse bin, ist das auch für mich physisch nicht ohne.

Was war das Besondere an dem Gesamtprojekt „V-Max“?
Für mich war das gesamte Projekt ein sehr vielschichtiges. Es reizt mich nicht, irgendwo in Frankreich eine Speed-Skipiste runterzufahren. Ein wichtiger Punkt ist hierbei bestimmt auch das Abenteuer. Wir reisen auf einen anderen Kontinent, fahren zig Stunden lang in die Wüste hinaus, schlafen im Zelt direkt an dem Berg, der uns so viel Kraft und Emotionen beschert und das alles im Kreise einer super Truppe.

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