Mit dem Tandem um die Welt: Wir nehmen dich mit!

Triff die Männer die aufgebrochen sind, um einen neuen Weltrekord aufzustellen. Auf einem Tandem.
Profile of George Agate and John Whybrow, The Tandem Man
Das sind George (li.) und John (re.) © The Tandem Men
Von Matt Maynard / Astrid Heinz

George Agate (23) und John Whybrow (24) haben einen Plan: Die britischen Abenteurer wollen mit ihrer Tandem-Erdumrundung ins Guinness Buch der Rekorde. Vor sieben Monaten haben sie sich in Canterbury (GB) auf den Weg gemacht und seither 16.000 Kilometer zurückgelegt. In der Türkei sind sie an Delphinen vorbeigeradelt, in Indien wie Außerirdische bestaunt worden und in Österreich haben sie einen Topspeed von 85 km/h erreicht. Zwischendurch haben wir uns mit ihnen getroffen, um mehr über diesen außergewöhnlichen Trip zu erfahren.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, die Welt auf einem Tandem zu umradeln?

Canterbury ist Start und Ziel der Reise
Canterbury ist Start und Ziel der Reise © The Tandem Men

John: Während wir auf der Kent University alles auf die lange Bank schieben, haben wir uns die Seite der Guinness Word Records angeschaut. Wir wollten auch einen Rekord aufstellen, wussten aber, dass wir nie so schnell sind, wenn wir Solo fahren.

Mir wurde klar, dass noch nie jemand auf einem Tandembike um die Welt gefahren ist.

John

Als wir dann John Bishops Serie (Britischer Comedian, Anm.) gesehen haben, wo es um Radeln in Australien geht, hat sich dann alles irgendwie verselbständigt. Eigentlich wollten wir nur von Canterbury in England nach Canterbury in Neuseeland fahren.

George: Und dann dachten wir, wenn wir schon die halbe Strecke um die Erde fahren, können wir die ganze auch gleich nehmen.

Und wie ist es so, auf dem Tandem um die Welt zu fahren?

George Agate and John Whybrow, The Tandem Men, in Australia
Posing: So viel Zeit muss sein © The Tandem Men

John: Ich sitze vorne und bis sowas wie der Kapitän. Ich achte darauf, wohin wir fahren und darauf, dass wir keinen Unfall bauen.

George: Ich bin so eine Art Anheizer. Ich sitze hinten, mache Spaß und singe. Am Ende des Tages schwärme ich oft noch von einer tollen Aussicht. Solche Dinge nimmt John oft gar nicht wahr, weil er zu konzentriert ist.

John: Das stimmt leider. Aber mir ist es lieber, vorne zu sein. George schenkt mir dabei sein blindes Vertrauen.

Wie anstrengend ist ein Tandem-Weltrekord?

Ein Tandem bringt definitiv Herausforderungen
Ein Tandem bringt definitiv Herausforderungen © The Tandem Men

George: Wir haben den Trip 18 Monate lang geplant. Sich um die Visas kümmern, alles zu organisieren, was wir brauchen und das Bike zu pimpen – das war wie ein zweiter Job. Wir haben uns selbst das Ziel von 300 Tagen gesetzt. Da haben wir einerseits Zeit, auch ein bisschen was zu sehen, andererseits ist es aber trotzdem noch ein anständiger Rekord.

Wir wollen, dass andere Leute das auch probieren und unseren Rekord brechen.

George

John: Vor dem Start sind wir gemeinsam nie mehr als 80 Kilometer gefahren. Am Anfang haben wir dann rund 640 Kilometer pro Woche zurückgelegt. In den letzten Wochen waren es sogar 1.045 bis 1.125 Kilometer pro Woche. Das Ziel, einen ordentlichen Rekord aufzustellen, spornt uns an, um 5 Uhr morgens bei Regen das Zelt zu verlassen und keinen freien Tag zu nehmen. Aber egal, in welcher Zeit wir es schaffen, im Guinness Buch der Rekorde landen wir auf jeden Fall, weil es vor uns einfach noch niemand getan hat.

In welchem Land habt ihr das meiste Aufsehen erregt?

The Tandem Men get caught up in a festival during their trip
Chaos bei einem Festival in Indien © The Tandem Men

John: Das war ohne Zweifel in Indien. Wir hatten eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo und 10 Minuten später standen 15 Männer um uns herum und starrten uns an, ohne ein Wort zu sagen. Ich bin nicht der beste Mechaniker und das hat mich ganz schön unter Druck gesetzt.

Wir haben schon gescherzt, dass wir auf mindestens 1.000 indischen Profilbildern auf Facebook sind.

John

George: Ja, Indien war echt verrückt. Es ist nicht einmal vorgekommen, dass sich der Kellner das Tagebuch geschnappt hat und versucht hat zu lesen, während wir noch damit beschäftigt waren, den Tag zu reflektieren. Die Leute sind um unsere Tische geschlichen und haben uns zugeschaut, wie wir in unseren Lycras essen. Es war auch nicht ganz ungefährlich, wenn Leute quasi im vorbeifahren Selfies knipsten.

Welche waren die unglaublichsten Orte bis jetzt?

The Tandem Men bed down for the night in their tent during their trip
Fünf-Stern-Unterkunft © The Tandem Men

George: Mir hat die Türkei und die Küste am Schwarzen Meer besonders gut gefallen, wo Delphine neben uns im Wasser geschwommen sind. Die alten Männer haben nachts in den Teehäusern Rummy gespielt und uns eingeladen. Auch wenn wir uns gar nicht verständigen konnten, fühlten wir uns sehr willkommen. Mit grauenhaften Google-Übersetzungen haben wir versucht, ihre Fragen zu unserem Trip zu beantworten.

John: Australien war auch großartig, mit Emus und Kängurus neben uns. Aber mein Lieblingsort war Thailand. Dort waren wir nach Indien. (Guinness World Records erlaubt Radfahrern Verbindungsflüge, Anm.) Auf den Highways von Bangkok läuft alles wie am Schnürchen. Da kann man die Westküste schön dahinradeln. Und übernachtet haben wir meistens am Strand.

Mögt ihr euch noch, nach sechs Monaten auf der Straße?

The Tandem Men stop in front of some Sunflowers during their trip
Sonnenblumen-Idylle © The Tandem Men

John: Gefährlich wird es, wenn man hungrig oder müde ist. Das versuchen wir einfach zu vermeiden. Ich bin derjenige, der abends meistens kocht. Dieses Projekt verbindet uns so sehr, dass es eigentlich kein Problem ist, kleine Differenzen beizulegen. Wir kannten uns schon vor dem Trip sehr gut, aber ein Tandem zu teilen, ist definitiv eine neue Stufe der Freundschaft.

George: Das ist wahr. Meine Freundin ist sogar schon etwas eifersüchtig, weil ich so viel Zeit mit John verbringe.

The Tandem Men bring out an interested crowd in India during their trip
Ein Tandem bringt in jedem das Beste zum Vorschein © The Tandem Men

Via TheTandemMen.com kannst du das Projekt live verfolgen! Via Facebook und Twitter kannst du in direkten Kontakt zu John und George treten. Die Burschen widmen ihr Projekt übrigens einem guten Zweck und unterstützen die britischen Charities Porchlight Canterbury, Great Ormond Street und Water Aid.

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