DH-Mountainbiking ohne Bremsen mit Aaron Chase

POV-Edit: Aaron Chase fährt den berühmten Hellion-Trail – auf ziemlich spektakuläre Art und Weise...
Von Scott Hart

Aaron Chase, ein Meister des Downhill-Mountainbikings, hat kürzlich das undenkbare gewagt: Er stattete dem Highland Mountain Bike Park in den USA einen Besuch ab, um dort den berühmten Jump-Trail „Hellion“ zu fahren, ohne auch nur ansatzweise zu bremsen. Das ist übrigens im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen, denn bevor sich Chase mit seinem Bike in den Abhang warf, montierte er die Bremsen und die Kette einfach ab.

Was bleibt da noch viel zu sagen, außer: Dieses Video musst du gesehen haben!

Wir haben uns mit Chase getroffen, um dahinter zu kommen, welche Teufel ihn dabei geritten haben, den berühmtesten High-Speed-Trail Amerikas anzugehen, ohne die Möglichkeit zu haben, seinen Speed zu kontrollieren.

Ich habe mich dazu entschlossen, die Bremsen abzunehmen und mich dem Trail ganz hinzugeben.

Aaron Chase

RedBull.com: Wie bist du auf diese verrückte Idee gekommen?

Aaron Chase: Ich liebe den Hellion-Trail und ich bin ihn so oft gefahren, dass ich irgendwann versucht habe, von oben bis unten nicht zu bremsen. An zwei Abschnitten war das aber zu Beginn nicht möglich. Irgendwie habe ich dann aber doch einen Weg gefunden, auch an diesen Stellen drüber zu kommen. Das hat echt mordsmäßig Spaß gemacht – auch ein paar meiner Kumpel haben sich einen Kick daraus geholt. Also habe ich mich dazu entschlossen, mich dem Trail ganz hinzugeben, die Bremsen abzunehmen und es wirklich zu machen.

Wer folgt dir im Video mit der Kamera?

Ein Kumpel namens Alec Daigle. Er ist einer der Kontrolleure des Highland Bike Parks und auch Ersthelfer – also war er der perfekte Mann, der sich für jede Situation bereithalten musste…

Es gab ganz klar einige Abschnitte, wo ich mir dachte: Jetzt mache ich besser keinen Fehler.

Aaron Chase

Welcher Moment hat dich am meisten eingeschüchtert, nachdem du die Bremsen abgenommen hast?

Das war der Start. Sobald du denn einmal geschafft hast, bleibt dir gar nichts anderes übrig, als den ganzen Run durchzuziehen. Du fährst ja ohne Bremsen, da gibt es dann keinen Weg mehr zurück.

Welches Terrain war unter diesen Voraussetzungen am furchteinflößendsten?

Am Ende einiger langer High-Speed-Berms standen riesige Bäume, nicht einmal einen Meter neben dem Trail. Da musste ich mir echt Gedanken darüber machen, wie ich da am besten wieder „raus“ komme, sollte etwas schief gehen…

Wie hättest du dich ohne Bremsen gerettet?

Ich habe mir jede nur mögliche Option überlegt – so etwas, wie: Wenn ich zu schnell werde, versuche ich eher, mich hinter das Bike fallen zu lassen, als zur Seite. Es gab ganz klar einige Abschnitte, wo ich mir dachte: Jetzt mache ich besser keinen Fehler.

Ich habe mehr Schutzausrüstung getragen, weil ich wusste: Wenn etwas schiefgeht, dann geht es so richtig schief.

Aaron Chase

Irgendwelche anderen Rettungsmethoden, die du dir zuvor mental zurechtgelegt hast?

Ich habe mir auch überlegt, was ich mache, wenn ich ins Trudeln gerate und langsamer werden muss. Da habe ich mir gedacht, ich könnte beide Füße auf den Boden drücken und das Bike zu mir ziehen – ähnlich, wie ein Kind auf einem Strider-Bike anhält. Diese Technik funktioniert aber nur, wenn du eine gerade Line fährst.

Hast du irgendwelche anderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen?

Ich habe mehr Schutzausrüstung getragen, um vorbereitet zu sein – weil ich wusste: Wenn etwas schiefgeht, dann geht es so richtig schief. Ich habe daran gedacht, was ich tun würde, wenn ich um eine Kurve fahre und der Trail irgendwie behindert wird – durch einen gecrashten Rider, irgendwelchen Trümmern auf der Strecke oder so etwas – und mich über die Rückseite des Bikes fallen zu lassen, war dafür meine letzte und einzige Option.

Welche anderen Fahrtechniken hast du verwendet, um deinen Speed zu regulieren?

Der Hellion Trail – oder alle Trails eigentlich – wurde nicht dazu gebaut, um ihn ohne Bremsen zu fahren. Also gibt es da ein paar Abschnitte, an denen du an den Sprüngen vorbei- oder am äußersten Rand der Strecke fahren musst, um weiches Terrain zu finden, das dich wieder etwas langsamer macht. Auf längeren Geraden bin ich auch Slalom gefahren, um nicht zu langsam zu werden. Manchmal musste ich mich auch darauf konzentrieren, das Bike auf die Noppen an der Seite der Reifen zu lehnen – weil du dich auf Teile der Strecke begibst, die du normal nicht fahren würdest, wenn du Bremsen hast. Und auch vor Sprüngen musste ich das Bike drei, vier Mal nach rechts drehen, um darauf zu achten, nicht mit zu viel Speed in den Jump zu gehen.

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