Jamnica Enduro - Gute Mine zum noch besseren Spiel

Atemberaubende Trails im ehemaligen Bergbau-Gebiet in Slowenien.
Sattes grün und perfekte Trails in den Wäldern
Sattes grün und perfekte Trails in den Wäldern © bikefex
Von Rene Sendlhofer-Schag / www.bikefex.at

Vor vielen Jahren - wer zählt schon - habe ich von einem kleinen und äußerst abgelegenen Bike-Spot in Slowenien gelesen. Nahe der österreichischen Grenze versteckt sich angeblich ein uriges Hotel mit einem eigens angelegten Single-Trail-Park rund um den Hof selbst. Auf der Karte war das Gebiet kaum auffindbar, Onkel Google wusste damals ebenfalls nicht viel mehr und lieferte nur wirres Zeug als Suchergebnis.

Nach und nach tröpfelten allerdings mehr Informationen durch, darunter auch mal ein paar Fotos der Wege und vom Abendessen. Ich geb’s zu, das Essen war dann ausschlaggebend für einen Roadtrip. Und was hier nun nach einer spektakulären sowie wochenlangen Reise klingt, ist lediglich eine 90 minütige Autofahrt von Graz entfernt.

Schmale Singletrails führen durch die Wälder
Schmale Singletrails führen durch die Wälder © bikefex
Hier ist man fast immer einsam unterwegs..
Hier ist man fast immer einsam unterwegs.. © bikefex

Hinter der Petzen musst du fetzen

Öko-Hotel Koros nennt sich das Kleinod welches von Dixi und seinem Sohn Anej in liebevoller Arbeit aufgebaut wurde. Regionale Speisen von den Bauernhöfen herum, ein einfaches und rustikales Ambiente und die Herzlichkeit der ganzen Familie laden zum Verweilen ein. Ankommen, auspacken, wohlfühlen. Und natürlich Biken.

Der riesige Hof beherbergt neben der 40 kg schweren Luna, dem Haushund, eine Bike-Garage, Werkstatt sowie ausreichend Leihbikes für alle Genres. Doch bevor man in die Geheimnisse hier vor Ort eingeführt wird, heißt es erstmal anstoßen. Ein Schnapserl zum Einstand, nun kann nichts mehr schief gehen. Außer wir vielleicht - ganz ohne Frühstück.

Prächtiges Farbenspiel nach einem kurzen Regenguss
Prächtiges Farbenspiel nach einem kurzen Regenguss © bikefex
Das Hotel und die „internationale Terrasse“.
Das Hotel und die „internationale Terrasse“. © bikefex

Tourismus im Aufbau

Seit dem 17. Jahrhundert wurden in der Gegend Jamnica, Prevalje und Mezica im nördlichen Slowenien, unweit von Bleiberg, fleißig Stollengänge in den Berg gesprengt. Der Abbau von Blei und Zink war die Haupteinnahmequelle der Region. Im Jahre 1994 wurde die Tätigkeit eingestellt - seither befindet sich lediglich noch ein Museum im Tal welches von den Relikten des Bergbaus zeugt und die Bevölkerung setzt nun gemeinschaftlich auf Tourismus.

Die Insgesamt mehr als 300 Eingänge in die Stollengänge verbinden nahezu 1.000 km unterirdische Höhlen. In einigen davon kann man Wandern, Kanufahren oder sogar Biken. Doch diese zahlreichen Ein- und Ausgänge bieten gerade dem Biker noch einiges Mehr: Sie wurden über 400 Jahre lang nur über kleine Wanderwege erreicht. Dieses große Netz an Steigen führt von den einsamen Bauernhäusern zu den Stollen, zu zahlreichen Kapellen und in die Täler. Was früher als Versorgungsweg diente, ist nun Spielplatz für MountainbikerInnen.

Die Region lebt vom Tourismus
Die Region lebt vom Tourismus © bikefex

In mühevoller Arbeit haben die Locals hier ein unglaubliches Netz an Bike-Strecken für alle Genres und Könner-Stufen geschaffen. Ein wahrhaftes Bike-Eldorado. Die urigen und weitgehend unberührten Wälder mit sattem grün und üppiger Vegetation - Heidelbeersträucher überall - werden lediglich durch die schmalen Singletrails unterbrochen. Hier findet man naturbelassene Wege und gebaute Streckenabschnitte. Wie geschaffen für das jährlich stattfindende Black-Hole Enduro Festival und das dazu gehörige Rennen rund um’s Hotel.

Singletrails vor der Haustüre

Täglich grüßt das Murmeltier: Aufstehen, Frühstücken, Biken, Abendessen, Sauna, Schlafen. Und das alles direkt vor der Haustüre. Man muss hier in Jamnica nicht mal weit weg. Direkt am Hotel starten mehrere Strecken und gut 200 Hm über und unter dem Hotel sind zahlreiche weitere Tracks angelegt. Perfekt für die ganze Familie … wer abends noch eine kleine Runde drehen möchte, ist maximal 30 Minuten unterwegs und hat lediglich beim Start die Qual der Wahl wo’s hingehen soll.

Erdige Wege können zum natürlichen Feind werden
Erdige Wege können zum natürlichen Feind werden © bikefex
Die Natur hat hier ihren angemessenen Platz
Die Natur hat hier ihren angemessenen Platz © bikefex

Wenn die Beine nicht mehr ganz so fit sind, biegt man auf halber Strecke ab und kurbelt gemütlich die Forststraße wieder bergauf. Oder bleibt im Wald und nutzt den Uphill-Trail im Slalom durch das Dickicht. Muss man probiert haben.

Glück auf

Vor dem Hotel befindet sich eine alte und knarrige Holzterrasse. Die breite Stiege, die zum Eingang führt, ist Treffpunkt für alle Gäste. Hier gesellen sich laut Anej jährlich Besucher aus über 36 Nationen um die Treppen und genießen bei einem bunten Sprachenmix das ein oder andere kühle Laško.

Während wir am ersten Abend den Tag Revue passieren lassen, rätseln wir, welcher Berggipfel sich südlich des Hotels erhebt. Als Dixi uns erklärt, dass dies „Peca Mountain“, also die Petzen sei, mussten wir erst mal die Karte auspacken um ihm zu glauben. Wir sind in Slowenien, das ist bekanntlich südlich von Österreich und dennoch schauen wir auf die Nordhänge der Petzen. Jamnica und die Region ziehen einen Keil in die Grenze Österreich-Slowenien - bei der Anreise fällt das nicht auf. Hier sorgt es für Verwirrung und großes Gelächter.

Die Petzen, von Norden aus gesehen. Verwirrung pur.
Die Petzen, von Norden aus gesehen. Verwirrung pur © bikefex

Wir beschließen daher, den nächsten Vormittag am Petzen Flow-Country-Trail zu verbringen und möchten das Hotel erspähen. Nachmittags zeigte uns Anej die Underground-Trails durch das ehemalige Bergwerk. Mountainbiken unter der Erde, eine etwas gruselige aber einzigartige Erfahrung. Mit Sonnen ähnlichen Stirnlampen bewaffnet bahnen wir uns unsere Wege durch das unterirdische Labyrinth, bis wir nach gut einer Stunde geblendet wieder ans gleißende Tageslicht kommen.

Fast jede Ecke zaubert ein freudiges Grinsen
Fast jede Ecke zaubert ein freudiges Grinsen © bikefex

Shuttle Service inkludiert

Der letzte Tag verspricht Gutes. Sonne, viele Tausend Tiefenmeter Trails und mehrmalige Shuttles bergauf. Enduro-Fun vom Feinsten. Mit Bussen und großen Bike-Anhängern werden die Gäste durch die Gegend kutschiert. Bei den oftmals holprigen Forststraßen mussten wir auch schon mal in Anejs Pick-Up umsteigen um überhaupt rauf zu kommen. Offroad- Abenteuer auf 2 und 4 Rädern.

Eine Teilstrecke des Black-Hole Enduro Rennens.
Eine Teilstrecke des Black-Hole Enduro Rennens. © bikefex

Über schmale Grate, dichte Wälder und verlassene Bergwerks-Schottergruben führen die Trails durch die verschiedensten Orte. Kleine Bars und Eisdielen säumen den Weg und eigenen sich optimal um sich bei knapp 36°C von Innen zu kühlen. Alle Strecken sind grundsätzlich auch per Muskelkraft zu erreichen. So kann man sich hier in wenigen Tagen bei einem Kurzurlaub einen Überblick verschaffen oder länger bleiben und die Gegend ein wenig langsamer erkunden.

Platz und Möglichkeiten gibt es hier genug, für Jung und Alt, für weniger Geübte sowie für Profis.

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