Missverständnis Nintendo Switch

Warum wir noch immer die falschen Fragen stellen.
Switch kommt in zwei Farb-Varianten
Switch kommt in zwei Farb-Varianten © Nintendo
Von Alexander Amon

Die Nintendo Switch musste nach der Ankündigung viel einstecken. Zu kleine Controller aka Joy-Cons, der Online-Dienst nicht zum Start und der für viele zu hohe Preis für Gerät und Zusatzhardware haben für Gegenwind gesorgt. Vielleicht ist die Kritik zum Teil aber nicht gerechtfertigt, weil viele Gamer die falschen Erwartungen an die neue Nintendo Konsole haben. Ein Versuch der Aufklärung.

Ist der Preis zu hoch?

In vielen Kommentaren liest man immer wieder Kritik am aktuell ausgeschriebenen Preis von rund 330 Euro. Die Frage ist doch: was haben wir erwartet? Der Preis ist vergleichbar mit dem der Wii U zum Start im Jahr 2012. Diesmal haben wir allerdings ein gutes Display und eigens entwickelte, abnehmbare Controller – Joy-Cons genannt. Klar, bekomme ich die drei Jahre alte PlayStation 4 Slim schon um rund 250 Euro und die Xbox One Angebote im Weihnachtsgeschäft waren ebenfalls preislich attraktiver, aber alleine die Entwicklung der Joy-Cons hat sicher ausreichend Geld verschlungen, dass Nintendo schon ein paar Konsolen verkaufen muss, bis sie wieder im Plus sind.

Gut, die Zusatzhardware ist auch preislich gesalzen, aber zum Start ist das ja noch kein Thema und vielleicht wird ja von Seiten der Japaner noch angepasst. SD-Speicherkarten gibt es in jedem Fall schon günstig von diversen Herstellern. Zuschlagen, so lange das noch der Fall ist. Die richtige Frage lautet also: „Sind wir doch froh, dass Nintendo nicht mehr verlangt, nicht wahr?“

Die Hardware ist völlig neu.
Die Hardware ist völlig neu. © Nintendo

Stationäre oder tragbare Konsole?

Manche erwarten sich eine stationäre Konsole, die mit PS4 und Co. technisch mithält, die anderen einen Handheld, der diese Erfahrung tragbar macht. In Wirklichkeit ist es eine neue Nintendo-Konsole und Nintendo hat sich selten mit neuer Hardware nach vorne gespielt. Klar, es ist ein mobiler Chip, der da in der Switch arbeitet, der sonst für Tablets genutzt wird (ARM Cortex-A57-Prozessor), aber am Ende des Tages brauchen wir für Mario Kart keine 8K. Die 60 Frames pro Sekunde habt ihr in den meisten Fällen, was ja in vielen „High End“ Games auch noch nicht der Fall ist.

Nintendo kommuniziert die Switch als stationäre Konsole, die man auch mitnehmen kann. Sieht man sich die erwartete Akkuleistungsdauer von 3-6h an, dann trifft das auch zu – obwohl auch die meisten Smartphones bei Dauerbelastung nach dieser Zeit spätestens den letzten Atemzug machen. Tatsächlich bekommt man ein All-in-One Gerät, das beste aus allen Nintendo-Geräten in einer Konsole vereint. Die richtige Frage lautet also: „Warum gab es die Switch nicht schon früher?“

Schwaches Spiele Line-up?

Jede Konsole hat zum Start keine große Auswahl an Titeln. Das war schon immer so. Nun muss sich die Switch Anfang März allerdings nicht mit dem schwachen Start Line-up anderer Konsolen messen, sondern mit einem geilen Spielekatalog der PS4 bzw. Xbox One, der sich in den letzten drei Jahren aufblasen konnte. Zelda oder Mario Kart werdet ihr dort trotzdem nicht finden und ganz ehrlich, wann gab es zum Start einer Konsole schon mal ein geiles Zelda? Ach ja, bei der Wii 2006. Immerhin kein schlechtes Omen, nicht wahr?

Der Rest der Auswahl ist allerdings wirklich bescheiden bzw. preislich fragwürdig, allen voran Bomberman R für 50 Euro. Dennoch, Nintendo sorgt im Schnitt pro Monat für einen guten Titel (Mario Kart, Arms, Splatoon, Skylanders, FIFA 18, Fire Emblem Warriors, usw.) und mehr können oder wollen sich die meisten Gamer ohnehin nicht leisten. Und Super Mario Odyssey wird mit Sicherheit ein Highlight. Versprochen. Ihr wisst was jetzt kommt. Die richtige Frage in diesem Fall: „Wann erscheint endlich Super Mario Odyssey?“

Der Hype-Starttitel Zelda
Der Hype-Starttitel Zelda © Nintendo

Warum sollte die Konsole ein Erfolg werden?

Nach der Wii U haben viele von uns Bauchschmerzen, die primär von der Unsicherheit rühren, dass die Switch ein ähnliches Schicksal erwartet – ein nicht sehr erfolgreiches. Die Switch hat allerdings einige Vorteile gegenüber der Wii U.

1. Die Erwartungshaltung auf Kunden-Seite ist geringer. Nach der Wii wollten alle wieder eine „Hardcore“-Konsole, die sich direkt mit der Konkurrenz messen kann. Das haben wir jetzt aufgegeben. Nintendo spielt eine eigene Liga, wo sie sich nur selber schlagen können. Keiner rechnet mehr mit großen Third-Party-Titeln, dennoch wird es wieder Support von EA und Ubisoft geben. Wie lange? So lange Leute auch Spiele abseits von Mario und Zelda kaufen. Die Macht des Kunden. Vergesst das nicht.

2. Nintendo hat dazugelernt. So hoffen wir zumindest. Die Online-Funktionalität auf der Wii U war aus der ... sagen wir es diplomatisch: HÖLLE! Klar, scheinbar ist der Online-Dienst auf der Switch noch nicht ganz fertig bzw. noch nicht so einsatzfähig, dass sich Nintendo vom Start weg Geld verlangen traut, aber auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn es am Ende läuft und man bequem alte Nintendo-Spiele auf die Switch laden kann, sind alle happy.

Die Zukunft heißt Mario
Die Zukunft heißt Mario © Nintendo

3. Der Nintendo-Faktor: Zwar hoffen wir auch, dass uns Microsoft im Sommer mit der Scorpio richtig überrascht, aber in der Vergangenheit war in erster Linie Nintendo für unerwartete Geschichten gut. Ein neues Metroid ankündigen, eine starke Virtual Console – oder wieder eine Spielerei wie die amiibos, diesmal vielleicht auch mit einem größeren spielerischen Nutzen?

Die Qualitätskontrolle in Kyoto ist noch immer eine der besten der Welt und wenn die Switch es schafft eine Balance aus Family-Entertainment (Wii-Faktor) und Fan-Service (Gamecube-Faktor) zu schaffen, dann gibt es eigentlich keinen Gamer, der nicht Zielgruppe sein könnte. Wenn dann auch noch ein paar Mobile Games richtig abheben, siehe Pokémon Go, dann erreichen die Japaner sogar die Kids, die Nintendo bis jetzt nur aus dem Spielezimmer der Eltern kannten. Und das muss ja schließlich der Anspruch von Nintendo sein. Unterhaltung für die ganze Familie.


So bleibt noch eine letzte Frage zu stellen: „Warum sollte die Konsole kein Erfolg werden?“

 

Alexander Amon ist leidenschaftlicher Gamer, Ressortleiter auf dieser Seite und auf Twitter unter dem Namen consalex zu finden.

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