OpenIV bringt Liberty City zu GTA V

Wir treffen das Team, das eine der größten Spielwiesen der Videospielwelt noch größer macht.
Schöne neue Welt
Schöne neue Welt © OpenIV / Rockstar Games
Von John Robertson / Alexander Feleki

Zwischen der Ukraine und Russland verteilt, verbringen sechs passionierte Programmierer ihre Freizeit mit dem Aufbau, der Instandhaltung und vor allem der Erweiterung ihres Modding-Tools OpenIV. Das Tool erlaubt PC-Spielern eigene kreative Spielinhalte in Rockstar Spiele zu integrieren, welche auf der Rockstar Advanced Game Engine (RAGE) basieren, beispielsweise Max Payne 3, GTA IV und jüngst GTA V.

Die Modding-Community rund um GTA IV und V verwendet OpenIV, um zahlreiche Neuerungen in den Spielwelten zu schaffen. Die Kreationen beinhalten so ziemlich alles, was das Spielerherz begehrt, von genauestens einstellbaren In-game Kameras über steuerbare Flugzeugträger, selbst ein akkurates Spieler-Model von Lionel Messi ist vorzufinden.

© OpenIV

Das OpenIV Team arbeitet derzeit an ihrem größten Update für die Plattform, welches unsere Wahrnehmung von GTA V grundlegend verändern wird. Darüber hinaus wird es das Ausmaß von Open-World Spielen in neue Dimensionen führen.

Die Entwicklung des Modding-Tools begann 2008 unter der Führung des Software-Entwicklers Yuriy Krivouchko. Das derzeitige Ziel von OpenIV ist, Liberty City aus GTA IV zur Gänze im GTA V Bundesstaat San Andreas zu integrieren. Die virtuellen Nachstellungen rund um New York City und Kalifornien sollen ohne Amerikas trennende Kornkammer zu einem Guß verdichtet werden.

Liberty City wird kein bestehendes Areal von San Andreas ersetzen, sondern auf einer eigenen Insel Platz haben. Weltenbummler werden zum Flugzeug beziehungsweise Boot greifen müssen, um zwischen den Gebieten hin und her zu reisen. Schon in diesem Frühling soll der Zugang für Spieler und Modder bereitgestellt werden. Krivouchko hofft, dass die zusätzliche Landmasse Modder zu neuen Inhalten inspirieren wird, welche jedoch für Fans der Serie auf vertrautem Boden stattfinden werden.

Bald kann man in GTA V durch Liberty City cruisen
Bald kann man in GTA V durch Liberty City cruisen © OpenIV / Rockstar Games

„Wir selbst sind keine Modder, doch stellen wir der Community passende Tools zur Verfügung“, erklärt Krivouchko. „Mit dem Liberty City-Mod wollen wir eine Basis für neue Mods schaffen. So können Menschen die Stadt mit eigenen Missionen und Aktivitäten ausfüllen. Darüber hinaus hoffen wir, dass das neugewonnene Areal weitere Möglichkeiten für GTA Video-Regisseure liefern wird.“

Obwohl GTA IV und V auf der RAGE-Engine laufen, gibt es Unterschiede im Dateiformat zwischen den beiden. In der Zeitspanne zwischen ihren Veröffentlichungen erfuhr die Engine zahlreiche Veränderungen, die verhindern, dass Daten ohne weiteres integriert werden können. „Man kann nicht einfach die Dateien nehmen, welche Liberty City’s physische Struktur ausmachen und sie in GTA V einpflanzen“, fährt Krivouchko fort.

Ein Großteil der Arbeit besteht im Konvertieren der Dateien, sodass sie von den beiden Versionen der RAGE-Engine gelesen werden können. Weiters muss das OpenIV Team sicher stellen, dass die Kreationen der Modder von GTA IV und V verstanden werden. Dies verlangt tiefes Verständnis über die zugrunde liegenden Strukturen beider Spiele aufseiten der Entwickler, stellt jedoch kein unüberwindbares Problem dar, da alle OpenIV Mitglieder als Software Entwickler arbeiten.

Erhöhter Flugverkehr zwischen LC und SA
Erhöhter Flugverkehr zwischen LC und SA © OpenIV / Rockstar Games

„Oft müssen wir neue Dinge über Spielentwicklung lernen, um unser OpenIV Tool mit weiteren Features zu versorgen“, beschreibt Krivouchko den Entstehungsprozess. „Beispielsweise mussten wir lernen, wie das Animationssystem funktioniert und können nun eigene Cut-scenes in GTA V schaffen und deren Animationen bearbeiten. Solche Features hätte ich nie für möglich gehalten als wir mit der Arbeit an OpenIV begannen.“

Bislang unterstützt Rockstar die Modder-Gemeinschaften ihrer Spiele, solange sie den Multiplayer-Modus nicht unfair gestalten. Doch ein so großes Unterfangen – den Großteil eines Rockstar Spiels in ein anderes zu übertragen – fand bisher nicht statt. Das Liberty City Projekt ist zwar seit einigen Wochen publik, doch hat Rockstar weder mit den Entwicklern Kontakt aufgenommen noch ihre Zustimmung bekannt gegeben.

„Wir versuchen es ihnen schwierig zu machen, den Stecker zu ziehen“, erzählt Krivouchko und argumentiert, dass GTA IV und V im Besitz der Spieler sein müssen, um den Mod nützen zu können. Somit kommt es nicht zu einer ungesetzlichen Verteilung von Rockstars geistigem Eigentum, da die Inhalte schon vorher erworben werden müssen. OpenIV ist lediglich die Verbindung, die es erlaubt, dass beide Spiele miteinander kommunizieren können.

Auf die Frage, warum das Team soviel Arbeit und Zeit in ein Projekt steckt, das kaum finanzielle Früchte tragen wird, erhalten wir eine an der Wohltat orientierte Antwort. „ Das Konvertieren der Landschaft von einem Spiel in das andere ist eine riesige Aufgabe, doch ermöglicht uns diese Herausforderung GTA V besser zu machen. Tausende Menschen rund um den Globus verwenden unser Programm täglich, um neue Inhalte zu erstellen. Das ist die schönste Belohnung für uns Entwickler“, gesteht Krivouchko.

Rockstar will mit seinen jüngsten Iterationen im GTA-Universum neues Experimentieren und Erforschen unter den Spielern fördern, OpenIV möchte lediglich an diese Werte anschließen.

Der Liberty City-Mod von OpenIV wird im Frühling 2017 für den PC erscheinen.

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