Kazunori Yamauchi: So entsteht Gran Turismo Sport

Die Entwickler-Legende über Game-Design, Autos und Smartwatches.
Yamauchi und McQueen auf der Genfer Motor Show
Yamauchi und McQueen auf der Genfer Motor Show © Benjamin Kratsch
Von Benjamin Kratsch / Alexander Amon

Kazunori Yamauchi ist 49 Jahre alt, aber wenn er anfängt über Autos zu sprechen, dann hat er dieses Leuchten in den Augen, wie ein Kind vor dem Christbaum. Die Genfer Motor Show ist tatsächlich wie pures Adrenalin für Autonarren. Der perfekte Ort, um mit Yamauchi über sein diesjähriges Spiel Gran Turismo Sport zu sprechen – und über die vielen Autos auf der Show: etwa den Aston Martin Valkyrie, das Bond Auto der Zukunft.

Unser Interview findet auf dem TAG Heuer Stand statt. Eindrucksvoll neben uns drapiert ist der neue Red Bull TAG Heuer RB 13. Kein Zufall, ist der Polyphony Digital CEO Yamauchi doch nicht nur hier um über Gran Turismo Sport zu reden, sondern auch um den TAG Heuer CEO Jean-Claude Biver zu treffen. Zu unser aller Überraschung designet Yamauchi nämlich eine Smartwatch für Gran Turismo Sport – genau, gemeinsam mit TAG Heuer.

© PlayStation

Neues Spiel, neues Auto, neue Vision

Gran Turismo Sport geht eindeutig in eine neue Richtung und wenn man mit Yamauchi spricht merkt man, dass die Konzeption des Spiels schon vor Jahren begonnen hat. „Als ich noch ein Teenager war, war ich viel mehr an Videospielen und Technik interessiert, als an Musik und Mädchen. Ich wurde als Otaku bezeichnet, als Nerd,“ erzählt Yamauchi. „Durch Gran Turismo habe ich, der Nerd, die Möglichkeit erhalten, die Wahrnehmung auf unsere Gaming-Kultur zu ändern. So respektieren große Autofirmen nicht nur was wir tun, sie wollen wirklich mit uns zusammenarbeiten. Das wäre früher nicht denkbar gewesen.“

Sein Entwicklerstudio Polyphony Digital hat es in seinem langjährigen Bestehen mehrfach geschafft, die Barrieren zwischen realer und virtueller Welt zu durchbrechen. GT Academy hat gewöhnliche Menschen und normale Spieler wie etwa Lucas Ordonez zu professionellen Rennfahrern und Champions gemacht.

Der Fittipaldi EF7
Der Fittipaldi EF7 © Sony

140 Autos wird es im fertigen Spiel geben, das später dieses Jahr erscheinen soll und es war nicht einfach das Visions Auto zu bestimmen, das sozusagen die Richtung des Spiels darstellt. Man merkt sofort, dass es Yamauchi nicht einfach gefallen ist, diese Entscheidung zu treffen. „Das Spiel zeichnet sich durch seine Vielfalt aus. Der Bugatti Vision Gran Turismo ist etwa das schnellste Auto der Welt mit einer Spitzengeschwindigkeit von 270mph. Ein wahrer Bugatti, mit einem bulligen Design, aggressiven LED Scheinwerfern und einem gigantischen Volumen. Der Fittipaldi ist völlig gegensätzlich. Ein sehr elegantes Auto, mit feinen Linien und dezenten Kurven. Wir haben auch noch so viel mehr Variation im Spiel, aber ein paar Geheimnisse will ich bis zum Release noch für mich behalten.“

Yamauchi reist fast das ganze Jahr, ist er doch für seine Hands-on Mentalität und sein akribisches Arbeiten bekannt. „Wir machen kein Sponsoring oder Branding, ich mag das nicht. Also machen wir viele Meetings etwa mit Emerson Fittipaldi oder Paolo Pininfarina, um über die Essenz ihrer Firmen zu sprechen und wie wir die bestmöglichste Racing-Erfahrung schaffen können. Ich liebe den Prozess. Vom ersten Konzept hin, über das erste 1:1 Tonmodell bis hin zur ersten Testfahrt des fertigen Autos. Ein Auto muss die natürliche Erweiterung des Fahrers sein. Es geht um das Handling, den Sound des Motors, das Gefühl – nicht nur das Aussehen. All diese Dinge in ein Spiel zu packen, das hat uns in der Vergangenheit immer ausgezeichnet.“

Yamauchi entwickelt eine Smartwatch

Der Entwickler gibt sich aber nicht zufrieden, er will mehr. Sein Traum: eine von der FIA anerkannte Gran Turismo Weltmeisterschaft. Wenn alles nach Plan verläuft, soll das noch dieses Jahr realisiert werden, nämlich mit dem Nations’ Cup und den „Manufacturer’s Fan Modes“, beides reglementiert von der FIA, genau wie ein echtes Autorennen.

TAG Heuer möchte bei diesem Unterfangen helfen, aber CEO Jean-Claude Biver hat noch größere Pläne: „Wir bauen gerade gemeinsam mit Kazunori eine Uhr. Das Design erinnert an eine Carrera, aber es wird eine Smartwatch und all ihre Apps werden die Gran Turismo Erfahrung noch verbessern.“

So wird der neue Vision GT im Spiel aussehen
So wird der neue Vision GT im Spiel aussehen © Sony

Sowohl Biver als auch Yamauchi wollen nicht zu viel über die Smartwatch verraten, aber Biver will dennoch über die Dinge erzählen, die er von Yamauchi gerade lernt: „Ich bin kein Gamer und Rennen in GT Sport zu fahren ist eine große Herausforderung für mich, aber ich bin sehr interessiert an der Gaming-Kultur und wie wir helfen können sie noch zu verbessern. Unsere Ingenieure arbeiten eng mit Kazunori zusammen was das Design der Uhr betrifft und Polyphony Digital schafft die passenden Apps. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr werdet ihr so viel mehr Informationen bekommen als ohne – es wird großartig.“

Wie Yamauchi zum Meister seines Fachs wurde

Unser Gespräch wendet sich dem Beginn von Yamauchis Karriere zu. „Unser ganzes Leben dreht sich ums Lernen. Mein erster Mentor war ein Mechaniker namens Yamamoto. Ich habe ihn alles gefragt was ich wissen wollte und er hat sich die Zeit genommen es mir zu erklären.“ Vor drei Jahrzehnten hat dieser Mechaniker dem jungen Yamauchi alles über Motoren erzählt – etwa welche Unterschiede es zwischen V8 und V6 gibt. Diese Erfahrungen veränderte das Leben von Yamauchi nachhaltig, wie wir heute wissen.

„Unser ganzes Leben dreht sich ums Lernen.“

TAG Heuer CEO Biver
TAG Heuer CEO Biver © Benjamin Kratsch

Wir schließen das Gespräch mit einer lustigen Anekdote. Bevor Sony die erste PlayStation baute, waren sie ein Entwicklerstudio für den heutigen Konkurrenten Nintendo. Yamauchi arbeitete damals an einem Spiel namens Motor Toon Gran Prix, welches wie ein klassisches Nintendo Spiel aussah – bunt, familienfreundlich – aber auch einen leichten Simulationsanspruch hatte. Das Spiel war so gut, dass Yamauchi die Sony Verantwortlichen dazu überreden konnte, ohne Nintendo ein besseres Rennspiel zu schaffen. Das war der Auslöser für zwei Dinge: die Gran Turismo Serie und die PlayStation selbst.

Yamauchi ist ein Perfektionist und Besessener, aber sein Anspruch ist immer ein künstlerischer und kein mechanischer geblieben. Der Bildschirm ist die Leinwand für seine Realität, die er auf diese Weise mit anderen teilen kann. Gran Turismo Sport wird die nächste Etappe in diesem Prozess sein – aber sicher nicht die letzte.

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