Wildschweinjagd im Reality-Check

Abenteurer Adam arbeitet als Chefkoch in Peking. Das hält der Gourmet und Jäger von der Zelda-Küche.
Zelda Gerichte im Reality Check © Adam Puetzfeld
Von Sebastian Zelada

Vom Apfelkuchen bis zum Wildschaschlik gibt es im neuen Nintendo-Abenteuer so einige Gerichte zu kochen, die zumindest dem Helden Link das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Manche davon fallen unter gutbürgerliche Hausmannskost (Fleischeintopf), andere wirken in der rauen Wildnis irgendwie fehl am Platz (Obsttorte) und wieder andere sind komplett der Fantasie der Entwickler entsprungen und wirken irgendwie eklig – oder hat irgendjemand schon einmal das Bedürfnis verspürt, Dubiose Matsche zu essen? Zeit einen Experten zu fragen, was man von Links Ernährung im Spiel zu halten hat und ob der tapfere Held in der Realität mit seinem Speiseplan lange überleben würde.

Adam Puetzfeld und Link könnten beste Freunde werden, würden sie in der gleichen Welt leben. Wie der Nintendo-Held auf seiner Odyssee durch Hyrule, trat Adam vor zwei Jahren eine Reise in eine ihm unbekannte Region an. In China kämpft er zwar nicht mit Monstern aber dafür mit Sprachbarrieren und gab sich deshalb anfangs notgedrungen ähnlich wortkarg wie Prinzessin Zeldas edler Retter. Doch es gibt weitere Parallelen: Link und Adam verstehen sich beide auf die Wildschweinjagd und sind leidenschaftliche Köche. Link zwar erst seit kurzem und Adam schon fast sein ganzes Leben, doch das passt ganz gut, denn es ist Grund genug, den Pekinger Chefkoch einer großen deutschen Restaurantkette Links Kochkünsten einmal auf den Zahn fühlen zu lassen.

Matsch oder Steak? © Nintendo

Adam, Link kann auf seiner Abenteuerreise durch die Wildnis Früchte, Pilze, Fleisch, Fisch, Gemüse, Nüsse, Eier, sowie Getreidesorten Honig und sogar Insekten sammeln und jagen. Was empfiehlst du als erfahrener Koch Abenteurern, die auf sich alleine gestellt sind? Früchte zu sammeln ist ja beispielsweise ungefährlicher als Wildschweine zu jagen – satt wird man davon aber nicht unbedingt. Wie würdest du an Links Stelle vorgehen, um dich in der Wildnis ordentlich zu ernähren?

Also im realen Leben läuft es sicherlich etwas anders ab, als Obsttorten in freier Wildbahn zu backen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Link keinerlei Kenntnisse über die Eigenschaften diverser Produkte und Zutaten verfügt, die ihm so auf seiner Reise begegnen. Da er sich in der Wildnis befindet, ist es sicherlich einfacher lediglich Früchte oder Gemüse zu sammeln und zu ernten, anstatt Wild zu fangen. Wobei er auch da auf giftige Pflanzen stoßen könnte, was wiederum nicht ungefährlich ist. Und selbst wenn’s etwas Essbares ist, werden ihn Pflanzen auf Dauer nicht weiterbringen, da er auch Proteine zu sich nehmen sollte, um Kraft für sein Abenteuer zu sammeln. Die kann er sich nur über die Aufnahme von Fleisch oder Fisch holen.

 

 

Ich persönlich würde so gut es geht versuchen mich ausgewogen zu ernähren. Das heißt, ich würde nach Möglichkeit morgens eine kräftigere, schwere Mahlzeit zu mir nehmen um ausreichend Kraft für den Tag zu haben. Tagsüber würde ich mich von Obst ernähren und Abends dann noch einmal eine reduzierte Mahlzeit haben, beispielsweise etwas Gegrilltes, um dabei gleich noch Wärme und Licht zu erzeugen. Grillen ist die wohl schnellste und effektivste Garmethode in der Wildnis. Schmoren und Kochen kommen da nicht mit.

Für Link ist es ja recht einfach, an frisches Fleisch zu kommen. Pfeil und Bogen gezückt und in den Wald gelaufen: Schon hat sich der Gute ein Wildschwein erlegt. Du hast früher mit deinem Vater auch gejagt. Wie läuft so etwas im realen Leben ab?

Da gab es eine besondere Geschichte. Es war eine Nachtjagd in bewaldetem und bergigem Terrain. Ich saß mit meinem Stiefvater auf einer Kanzel und zusammen haben wir auf Wildschweine gewartet. Wir kannten uns im Revier aus, mein Vater war Teilhaber dort. Wir hatten Getreide für die Sauen ausgeschüttet, damit sie abends auf ihrer Wanderung etwas zu Essen bekamen. Wir warteten und warteten und irgendwann bei Vollmond – das ist ideal, weil das Licht so gut ist – kamen sie von der Seite. Wir observierten sie und achteten darauf, dass der Wind gut steht – am bestem vom Tier zu uns, sonst hätten sie uns gerochen. Dann haben sie sich irgendwann beruhigt und fröhlich vor sich hin gefuttert.

Eine Sau hat sich mein Vater dann ausgesucht, um sie zu legen. Und gerade als er sie sich zurechtgelegt hatte und zwischen Nacken und Schulter treffen wollte, hat sie sich blitzartig gedreht. Dadurch hat er sie an den Hinterläufen erwischt. Die Sau ist sofort bergab abgehauen – es war wie gesagt bergiges Waldgebiet. Wir sind den Blutspuren gefolgt und mussten eine ganze Weile rennen. Wir wollten verhindern, dass das Tier qualvoll stirbt. Leider war der Abhang aber wirklich sehr steil und wir konnten dort nicht herunter. Wir haben dann einen befreundeten Bauern gerufen, der mit seinem Jagdhund die Fährte aufnahm. Es hat zwischen sechs und acht Stunden gebraucht, um die Sau zu finden. Als wir sie endlich entdeckt hatten, war sie leider schon tot und hatte sich offensichtlich vorher selbst in Laub eingebuddelt. Das war schon hart mitanzusehen.

Noch ist es ruhig ... © Nintendo

Solche Missgeschicke können Link mit Pfeil und Bogen zum Glück nicht passieren. Vergleichsweise ungefährlich zu fangen sind Fische. Zwei gute Fänge im Spiel sind zum Beispiel der Maxi-Barsch und der Maxi-Lachs. Sind diese Fische auch in der Realität besonders zu empfehlen?

Einen Maxi-Barsch oder einen Maxi-Lachs gibt es im wirklichen Leben ja nicht aber gesund sind diese Fische auf jeden Fall. Fisch als solches ist ein sehr wichtiges Nahrungsmittel, da er leicht verdaulich ist und gleichzeitig einen großartigen Eiweiß- und Vitamin-Lieferant für den Menschen darstellt. Und damit noch nicht genug: Fisch ist auch die einzig nennenswerte Quelle für Jod und damit essenziell für die Schilddrüsenfunktion und liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Die mindern die Entzündungsneigung im Gewebe, senken die Blutfettwerte und beugen Herzrhythmusstörungen vor.

Im Spiel kann man sogar Steine essen. Manchmal hört man, dass Tiere diese Methode auch zur Verdauung nutzen. Als Mensch ist das aber wohl keine so gute Idee, oder?

Steine, würde ich persönlich nicht auf meinen Essensplan setzen. Diese bringen wahrscheinlich nichts weiter als ein Füllegefühl und den TOD! Wie mein ehemaliger Küchenchef mal sagte, weil er es wahrscheinlich leid war, all die blöden Fragen zum Thema „soll, darf man es essen?“ gestellt zu bekommen: „Essen kannst du im Grunde alles – zumindest ein Mal!“ Also pack die Steine bei Seite und zieh weiter :)

Unterwegs auf der Jagd © Adam Puetzfeld
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