Alex Hofmann: Mein Geheimtipp ist Andrea Iannone

Blog: Der MotoGP-Insider analysiert die Favoriten, den Red Bull Ring, die WM und das Wetter.
Von Alex Hofmann

Alex Hofmann ist das Gesicht zur MotoGP bei ServusTV. Der frühere WM-Fahrer (1997 – 2007) mit der Startnummer 66 und jetzige KTM-Testfahrer hat zum Start des Großen Preis von Österreich das Rennen am Red Bull Ring unter die Lupe genommen. Seine Siegertipps: Iannone und Marquez eher ja, Rossi und Lorenzo eher nein...

Servus vom Spielberg!


Der Red Bull Ring ist zwar eine neue Rennstrecke in der Motorrad-WM, trotzdem aber keine unbekannte Größe. Alle MotoGP-Fahrer haben sich die Zeit genommen, um hier zu testen – im Hinblick auf den neuen Asphalt und die neuen Einheitsreifen von Micheline war das extrem wichtig. Die Teams sind also vorbereitet und wissen, wo es langgeht.

Es ist aber eine sehr spezielle Rennstrecke mit drei langen Geraden am Anfang. Die Tests haben fast logisch gezeigt, dass die Ducati hier sehr stark sind, weil den vielleicht stärksten Motor haben und die Winglets im Moment noch erlaubt sind, die das Vorderrad unten halten sollen. Diese Kombination könnte speziell am Red Bull Ring für alle anderen Teams gefährlich werden. Die Ducatis sind abgegangen wie Raketen, weil gerade in der MotoGP Leistung durch nichts zu ersetzen ist.

Im Infield gibt es dann noch drei, vier Fahrerkurven, wo man als Fahrer kurzfristig die Chance hat, etwas aufholen kann, was man wegen der Motorleistung zuvor verloren hast. Das kann bedeuten, dass wir auf dem Red Bull Ring Ducati in diesem Jahr ganz oben auf dem Podest sehen.

Mein Geheimtipp ist deswegen Andrea Iannone, Spitzname The Maniac – das heißt: Wenn er auf seinem Bike sitzen bleibt und irgendwie durchkommt. Er ist ein Topspeed-Wunder. Er ist aerodynamisch und hat das schnellste Motorrad unter seinem Allerwertesten. Außerdem muss er Ducati nächstes Jahr verlassen und er will seinem Team sicher beweisen: Ihr habt eine falsche Entscheidung getroffen. Diese Motivation kann aber schnell im Kies enden.

MotoGP-Insider Alex Hofmann © KTM/ Philip Platzer/ Red Bull Content Pool

Honda ist vorerst ein kleine Unbekannte, weil das Team bei den offziellen Test nicht am Start war. Allerdings ist Marc Márquez auf Strecken mit diesem Layout immer gefährlich. Hartes Beschleunigen, hartes Bremsen – das passt ihm, da ist er stark. Und er ist natürlich ein Zauberer in den Kuven.

Jorge Lorenzo und Valentino Rossi darf man auch nie unterschätzen, aber wenn wir das Layout der Strecke mit den Erfahrungen aus den Tests kombinieren, werden es Yamaha und Suzuki wohl nicht leicht haben, den Speed von Honda und Ducati mitzugehen.

Mit dem Grand Prix von Österreich startet die MotoGP in die zweite Saisonhälfte. Nach den bisherigen Erfahrungen glaube ich, dass WM 2016 über unforced errors entschieden wird. Marc Márquez war in der ersten Hälfte superstark, hat viel riskiert und in den Rennen die wenigsten Fehler gemacht. Aber auch der Spanier ist davor nicht gefeit. Einmal ein Fehler, die Konkurrenz punktet voll – dann sieht es schon wieder ganz anders aus. Entschieden ist jedenfalls noch lange nichts.

Ein wesentlicher Faktor bei den bisherigen Rennen war das Wetter. Petrus hat bei vielen Grand Prix seltsame Regie geführt und es immer Punt 14 Uhr regnen lassen. Es gibt erste Hinweise, dass das auch am Spielberg nicht ausgeschlossen sein kann. Und dann stellt sich natürlich die Frage: Was war da beim letzten Regenrennen am Sachsenring los, als Rossi & Co trotz anderer Signale aus der Box draußen geblieben sind und Marc Márquez souverän gewinnen konnte?

Ganz einfach: Das Schöne bei der MotoGP ist, dass die Entscheidung komplett beim Fahrer liegt, das Team gibt nur Indikationen. Aber nach diesem Rennen wurde intern sicher diskutiert, ob man in der Kommunikation in Zukunft klarer sein sollte. Man muss sich bei den Teams sicher ein Zeichen einfallen lassen, um den Fahrer deutlich zu signalisieren: Da ist einer mit anderen Reifen draußen und der ist deutlich schneller.

Umgelegt auf ein Duell zwischen Rossi vs. Márquez am Red Bull Ring heißt das. Valentino Rossi war noch nie der Regenkünstler und speziell das Thema "Slicks auf noch feuchter Strecke" taugt ihm nicht. Da denkt er eher konservativ und wartet lieber zwei Runden länger. Marc Márquez ist im Gegenteil knallhart und sagt: Jetzt oder nie und trifft neun Kilometer früher diese Entscheidung. Bei einem Flag to Flag-Rennen kann genau das entscheidend sein.


Freuen wir uns auf ein großartiges Comeback der MotoGP in Österreich! Und für alle, die es nicht zum Red Bull Ring schaffen: ServusTV liefert euch ein 120 Stunden-MotoGP-Paket frei Haus!
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