Chakuza: Szenen seines turbulenten Werdegangs

Koch, Gangster, Neustart: Wir stellen ein Highlight der Red Bull Brandwagen Stage @ Nova Rock vor.
Chakuza im Video zum Song „Wien"
Von Manuel Kurzmann

Am 10. Juni erscheint „NOAH“, das bereits achte Album des gebürtigen Linzers Chakuza. Sein Weg zur musikalischen Selbstfindung war aber ein langer, nicht immer rosiger: harte Lehrjahre als Koch, Gangster-Rapper bei Bushidos Label „erguterjunge“, dann der Bruch und ein Neustart mit selbstreflektierten Klängen („Magnolia“, 2013, „Exit“ 2014; Anm.), die eine treue Hörerschaft zur Folge hatten – eben weil sie ohne übertriebene Attitüde daherkamen und einfach aus seinem Leben erzählten.

Als Einstimmung auf seinen Gig beim Nova Rock (11. Juni, Red Bull Brandwagen), skizzieren wir zwei Stationen seines drehbuchreifen Lebens. Die Ausschnitte der folgenden Geschichte sind 2014 im Magazin The Red Bulletin erschienen.

Vom Problemkind zum Koch

„Ich war quasi ein Unfall. Meine Eltern waren 18, als ich zur Welt kam. Zu jung, um das mit der Erziehung hinzukriegen. Also verbrachte ich als Kind viel Zeit bei meinen Großeltern in Gmunden: riesengroßer Garten, rundherum Berge. Zu Hause in Linz gab es das alles nicht. Wir lebten im Stadtteil Keferfeld. Dort ist Linz eine abgefuckte Industriestadt.

Dann Scheidung der Eltern, der ganze Scheiß. Ich war das klassische Problemkind. Miese Noten, schlechtes Benehmen. Ein Trottel, der sich als Mann fühlt, weil er Alkohol trinkt und auf der Straße rumhängt. Mit 16, 17 habe ich Mitschüler und Lehrer attackiert. Ich flog von der Schule.

Ich suchte mir eine Lehrstelle als Koch. Bosna machen konnte ich ja schon, weil mein Dad eine Imbissbude hatte. Ich fand tatsächlich eine Lehrstelle. In einem Riesenladen, der machte Caterings für bis zu 2500 Leute. Also schälte ich für 2500 Leute Kartoffeln. Ich hatte aber Lust, richtig kochen zu lernen. Ich hatte auch Talent. Und ich hatte wieder Glück. Denn Küchenchef war Gerry – Anfang 30, redete ständig Blödsinn und war stolzer Besitzer eines Opel Kadett mit Remus-Auspuff. Der brachte mir viel bei.

Die Lehre habe ich in zweieinhalb Jahren abgeschlossen, also ein halbes Jahr vor der normalen Lehrzeit. Mit 23 war ich Küchenchef im Restaurant ‚Ringelspiel‘, einem Großbetrieb in der Linzer Altstadt. Meine Karriere als Koch verlief steil.“

Vom Koch zum Gangster-Rapper

„Neben Kochen war Rap meine Leidenschaft. Zuerst nur hobbymäßig. Ich machte nach der Arbeit Musik. Hin und wieder gab’s einen Auftritt in einem Jugendheim. Dass es mehr wurde, ist Bushido zu verdanken. Der trat 2003 im Linzer Posthof auf. DJ Stickle, mit dem ich damals gemeinsam spielte, und ich trafen ihn beim Konzert und drückten ihm bei dieser Gelegenheit eine Demo von uns in die Hand. Wir dachen: ‚Vielleicht kauft er uns einen Beat ab.‘

Drei Monate später meldete Bushido sich wirklich. Und unglaublich: Er wollte mehr von uns haben. Wir trafen ihn, chillten einen Abend und begannen am nächsten Tag zu arbeiten. An diesem Tag kündigte ich auch meinen Job als Koch. Mit sofortiger Wirkung.

Stickle und ich zogen quasi über Nacht nach Berlin. Es lief super. Wir produzierten vier Jahre lang alle Künstler von Bushidos Label ersguterjunge, auch Bushido selbst. Wir arbeiteten teilweise an zwei bis drei Alben gleichzeitig. Unser Sound hat den Deutsch-Rap über Jahre geprägt, das kann man absolut sagen.

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Wir führten ein echt krasses Leben. Bushido zahlte das Essen, die Drinks, alles. Wir trugen nach kurzer Zeit dieselben Klamotten wie er und machten einen auf Gangster, typisches Rudeltierverhalten. Ey, und als Gangster brauchst du ein schnelles Auto. Ich kaufte mir einen Audi S3, 225 PS, Vollausstattung.

Ab 2007 nahm auch meine Karriere als Rapper richtig Fahrt auf. Mein Album ‚City Cobra‘ ging auf Platz zehn der deutschen Album-Charts, ‚Unter der Sonne‘ ein Jahr später auf neun. Ich war bei allen Großevents eingeladen, MTV Music Awards, Echo, Bravo Supershow. Aber schon damals merkte ich, dass ich für den Scheiß nicht tauglich bin. Klar bist du zuerst geflasht, wenn dir backstage Beyoncé oder Rihanna über den Weg laufen. Aber mit der Zeit wurde das immer weniger spannend. Und immer stressiger. Dazu kam: Bei mir war dieses Gangsta-Rap-Ding nie authentisch. Ich bin in Linz aufgewachsen. Dort gibt’s nun mal keine Gangster.

2010 kam der Punkt, an dem ich merkte: Alter, irgendwie läuft alles aus dem Ruder. Damals erschien ‚Monster in mir‘. Wieder ein großer Erfolg. Trotzdem: Meine Rolle als böser Gangster ging mir extrem gegen den Strich. Nur: Was willst du machen, wenn du bei Bushido gesignt bist, dem Erfinder des deutschen Gangsta-Raps? Schublade auf, du wirst reingeschmissen und kommst nie mehr raus.

Ende 2010 hatte ich dann endlich den Mut, zu sagen: ‚Hey Jungs, ich bin weg.‘ Bushido war sauer, aber da lief alles korrekt. Nur rundherum brach alles ein. Da war dieses Interview mit 16bars.de, in dem ich Tacheles redete, da sagte ich: ‚Ich möchte nicht zu dieser Szene gehören. Niemand hat was im Kopf, alle reden nur Scheiße, und die Leute feiern das auch noch.‘ Bei einem Auftritt dachte ich nur: ‚Was mache ich eigentlich hier?‘“

<<Wie es weiterging, könnt ihr hier lesen>>

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