Die schrägsten selbstgebauten Instrumente der Welt

Du bist auf der Suche nach dem perfekten Sound? Dann baue dir das Instrument doch einfach selbst.
Studio still of a 1995 Manzer Pikasso II multi-necked acoustic guitar.
Die Pikasso-Gitarre © Nigel Osbourne/Redferns/Getty Images
Von Chris Parkin

Die Welt ist voll von seltsamen und außergewöhnlichen Instrumenten. Da gibt es zum einen das „Badgermin“ – ein Theremin, das in einem toten Dachs verbaut wurde – oder eine singende Tesla-Spule mit dem passenden Namen „Zeusaphone“, das Blitze ausschießt und für ein elektrisierendes Spektakel sorgt. Dann haben wir noch das sogenannten „Holophonor“ in petto, das aus einer adaptierten Klarinette und einer Holographen-Maschine besteht. Und das alles ist nur die Spitze des Eisbergs.

All die hier aufgezählten Instrumente wurden von Eierköpfen kreiert, die nicht wirklich eine Ahnung davon hatten, wie sie ihre Werke am besten musikalisch einsetzen. Doch in den letzten Jahrzehnten haben sich auch Musiker immer wieder mit neuen Instrumenten beschäftigt und sich welche selbst gebaut. Wir haben einige davon herausgesucht.

Das Gameleste

Natürlich steht Björk ganz oben auf unserer Liste. Sie ist nicht unbedingt eine Musikerin, die zurückblickt, vielmehr versucht sie immer noch einen weiteren Schritt in eine neue Richtung zu setzten. Für ihr Album „Biophilia“ aus dem Jahr 2011 hatte die Pop-Experimentatorin aus Island Ideen für eine Hand voll neuer Instrumente. Das eindrucksvollste davon ist das Gameleste – eine Mischung zweier bereits eigenartiger Instrumente. Den einen Teil bildet antikes, indonesisches Gamelan (ein Ensemble aus Percussion-Instrumenten aus Bronze), den anderen eine Celesta (ein kleines Piano, das auf Stahlplatten anschlägt). Der britische Percussionist Matt Nolan und der isländische Orgel-Bauer Björgvin Tómasson haben die beiden Instrumente zusammengebracht und Björks Idee umgesetzt.

Die Karottenflöte

Die Karottenflöt ist das mit Sicherheit organischste Instrument auf unserer Liste. Inspiriert von hochtrabenden Kunstbewegungen wie Fluxus macht das Vienna Vegetable Orchestra Musik, die von den experimentellen Einflüssen aus der Elektronic- und der Neo-Klassischen-Sparte lebt…und das auf einer Reihe von unterschiedlichen Gemüsesorten. Ihre Instrumente bauen sich die Musiker immer erst eine Stunde vor Konzertbeginn, wobei außergewöhnliche Ergebnisse wie Karottenflöten, Zucchini-Trompeten und Auberginen-Percussions entstehen. Nachdem sie darauf performt haben, steht danach natürlich Gemüsesuppe auf dem Speiseplan. Übrigens hat das Orchester 2005 mit Matthew Herbert an seinem Album „Plat Du Jour“ zusammengearbeitet.

Das Kling Klang

Eigentlich wird mit diesem Namen das Studio von Kraftwerk bezeichnet, aber die Band aus Deutschland hat in ihrem Kling-Klang-Studio immer ein einziges großes Musikinstrument gesehen – ein Ort also, an dem Ralf Hütter und Florian Schneider uneingeschränkt experimentieren können. Es war voll von Instrumenten, die die Band für ihre unterschiedlichen Alben und ihre Live-Tourneen verwendet hat. Sie benutzten selbstgemachte Vocoder, bauten ihre eigenen Drum-Kits und entwarfen im Jahr 1976 den Drum-Cage. Wolfgang Flür sollte sich darin platzieren und Sounds kreieren, indem er seine Arme durch Lichtstrahlen bewegte. Das hat leider nicht ganz so funktioniert, wie es funktionieren sollte.

Der Teletron

Der Frontman von Elijah Woods Lieblingsband „The Apples in Stereo“ hat sich ein ganz besonderes Musikinstrument ausgedacht: Den Teletron. Robert Schneider baute ihn, indem er das Gedankenkontroll-Spiel „Mindflex“ von Mattel gehackt und Sensoren an seinem Kopf und an einem Moog-Synth angebracht hat. Das Ergebnis ist ein Sound, der mit Gehirnwellen angetrieben wird. „Du musst dir deiner Gedanken richtig bewusst werden und machst Musik, indem du deinen Geist erregst“, erzählt Schneider in einem Interview mit Wired.

Die Chu

Lange bevor Mica Levis Score für den Film Jackie mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde, kreierte die Londonerin ambitionierte Kompositionen, indem sie seltsame Mixtapes und neue Instrumente für das exzentrische Art-Pop-Trio „Micachu And The Shapes“ erstellte. Inspiriert vom amerikanischen Komponisten Harry Patch kamen bei Levis Live-Shows Staubsauger zum Einsatz und sie hat sich sogar einmal ein Instrument aus alten CD-Ständern gebaut. Sie ist außerdem die Erfinderin der sogenannten Chu – eines schicken alten Dings, das aus einer kleinen Gitarre und unterschiedlichen Elektronic-Features und -Effekten besteht. Zu hören gibt es die Chu vor allem auf ihren frühen Werken.

Mica Levi performs at SXSW 2009 as part of Micachu And The Shapes.
Mica Levi spielt auf ihrer Chu © Andy Sheppard/Contributor/Getty Images

Das Piano No. 1

Dieses Instrument ist verwirrend und kompliziert. Der Künstler und Musiker Sam Grant, der bereits mit Richard Dawson und Jenny Hval zusammengearbeitet hat, verwandelte sein altes, ungeliebtes Piano in einen komplexen mechanischen Musik-Player – eine solche Art von Player, den reiche Leute im frühen 19. Jahrhundert anstelle einer ordentlichen HI-FI-Maschinerie verwendet haben. Indem er den Innenraum umbaute, kreierte Grant einen Mechanismus, der von den Bildern von James Hugonin inspiriert wurde. Der Mechanismus selbst ist wie gesagt eine mächtig komplizierte Angelegenheit, aber das Piano No. 1 hat einen wirklich wunderbar zu hörenden Score auf Lager und darauf kommt es ja schlussendlich an.

Das Sharpsichord

Der britische Sound-Erfinder und Musiker Henry Dagg investierte ganze fünf Jahre und gut 100.000 €, um ein Instrument zu bauen, das sich nicht transportieren lässt und jedes Mal nur 90 Sekunden lang Musik produzieren kann. Daggs solarbetriebenes „Sharpsichord“ ist eine enorm große Harfe, deren 46 Saiten von einzelnen, verstellbaren Stiften angespielt werden, während sich elf Zylinder drehen. Es kann sich auch kaum verstimmen, sorgt für einen wundervollen Sound und ist ziemlich, ziemlich einfach zu spielen. Auch Björk konnte diesem Instrument in ihrer Biophilia-Phase nicht widerstehen.

© Henry Dagg

Die Pikasso

Die Jazz-Guitar-Legende Pat Metheny hat sich diese verrückte Gitarre zwar nicht selbst gebaut (was auch kaum überrascht), aber er ist in den frühen 80ern proaktiv auf die kanadische Gitarrenbauerin Linda Manzer zugegangen und hat sie gefragt, ob sie seine Idee nicht umsetzen möchte. Diese nicht ganz zu erschließende Harfen-Gitarre wartet mit vier Hälsen, zwei Schalllöchern und 42 Saiten auf. Normalsterblichen würde diese Gitarre wahrscheinlich nur ein verdutztes Lächeln ins Gesicht jagen, aber Metheny spielt da in seiner ganz eigenen Liga. Er hat sie verwendet – und wie er sie verwendet hat! Seine Alben sind der beste Beweis dafür.

Das Trimba

Moondog war für die meisten Leute, die an ihm in New York vorbeiliefen, der Wikinger der 6th Avenue. Er verbrachte seine Zeit in der Ecke zwischen der 52nd und er 55th, einen Mantel und einen Wikinger-Helm tragend und verwöhnte die Menschen mit seiner Musik. Er war blind und wenn er nicht gerade an seiner Straßenecke stand, war Moondog ein ziemlich einflussreicher Avant-Garde-Komponist und Musiker. Vor allem ist es aber seine Trimba, die weiterleben wird – ein dreieckiges Percussion-Instrument, das auch heute noch von seinem alten Freund Stefan Lakatos gespielt wird.

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