How To Perform Your Best: Paul & Bernhard Sieber

Rudern wie die Sieber-Brüder... vor der EM in Belgrad verraten die beiden, wie das geht – Teil 1.
Paul Sieber and Bernhard Sieber performing in Vienna, Austria on May 18th, 2013
Paul und Bernhard Sieber performen auf der Donau © Philip Platzer/Red Bull Content Pool
Von Henner Thies

Für das Interview fährt Bernhard, der ältere der Sieber Brüder, kurz rüber zu Paul: „Der wohnt zehn Minuten von mir, ich melde mich, sobald ich da bin.“ Kurze Zeit später tönen zwei entschlossene Stimmen durch den Lautsprecher. Am Vorabend erst sind die zwei Wiener von der Internationalen Wedau Regatta in Duisburg zurückgekommen – in vielerlei Hinsicht der erste Formtest für die anstehende EM in Belgrad (30.05. bis 01.06.): „In Duisburg mussten wir leider einen ziemlichen Rückschlag hinnehmen“, resümiert Bernhard. „Nach den letzten guten Rennen ist technisch überhaupt nichts für uns zusammengelaufen. Doch wir haben das Wochenende bereits aufgearbeitet. Damit ist dieses Rennen für uns abgehakt.“ Nächste Chance: Belgrad.

Paul Sieber and Bernhard Sieber posen für ein Portrait
Paul und Bernhard Sieber: Portrait mit Boot © Philip Platzer/Red Bull Content Pool

Paul, Bernhard, was hat euch hierher gebracht, Talent oder Training?

Paul: Bei mir war es ganz klar eine Mischung aus beidem, wobei das Training für meine Entwicklung enorm wichtig war. Nach meinem ersten Jahr als Ruderer hat mir mein Trainer gesagt, dass meine Technik so schrecklich ausschaut, dass er kaum glauben kann, dass ich wirklich Bernds Bruder bin (lacht). Da war ich elf. Im Jahr darauf ist für mich dann aber auch der Knoten aufgegangen – ganz talentfrei kann ich also auch nicht gewesen sein. Genau wie Bernhard – der ist schon immer ein ziemliches Bewegungstalent gewesen.

Angefangen, besser zu sein als der Rest, haben wir, als...

Bernhard: Ich glaube, das ging los, als wir uns zum ersten Mal gemeinsam in ein Boot gesetzt haben. Da haben wir die Entscheidung getroffen, dass wir das Rudern professionell betreiben wollen. Diesen Willen und die Konsequenz, die ab da hinter unserem Vorhaben stand, hat es uns erlaubt, uns in Österreich von den anderen Teams abzusetzen.

Die drei wichtigsten Fähigkeiten für unseren Erfolg als Ruderer sind...

Paul: Das ist vor allem unsere Teamfähigkeit und dass man sein eigenes Ego hin und wieder zurückstecken kann. Wichtig ist außerdem die Ausdauer oder besser die Willensstärke. Rudern ist einfach eine Sportart, die enorm viel Arbeit und Zeit in Anspruch nimmt und nicht selten wehtut. Der dritte Punkt wäre die mentale Stärke, die man im Rennen aber vor allem auch danach braucht, um eventuelle Rückschläge zu verarbeiten, nach Niederlagen wieder aufstehen zu können und erneut sein Bestes zu geben.

Paul Sieber and Bernhard Sieber performing in Wien
Die Sieber-Brüder performen auf der Donau © Philip Platzer/Red Bull Content Pool

Die größte Lektion, die uns das Rudern bisher erteilt hat, ist...

Bernhard: (lacht) Das ist schwer zu beantworten... Ich glaube, dass ich gerade in den letzten Monaten jeden Tag eine wichtige Lektion vom Rudern gelernt habe. Das klingt jetzt übertrieben, aber genau so fühlt es sich an. Wenn ich dennoch eine Lektion hervorheben müsste, dann ist das die Lektion, dass ich mehr auf mich und mein Können vertraue – egal was passiert.

Paul: Ich kann mich Bernhard da nur anschließen. Wenn man von ganzem Herzen auf sich und sein Können vertraut und alles für ein bestimmtes Projekt tut, dann kann nichts und niemand dieses Projekt zum Scheitern bringen. Gerade im Rudern ist es enorm wichtig, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen und in ihrem Tun auf das größere, übergeordnete Ziel vertrauen.

[Das Thema Lektionen fürs Leben, so scheint es, hat die zwei zuletzt besonders beschäftigt. Immer wieder schaltet sich der eine bei den Ausführungen des anderen ein, stimmt zu, denkt den Gedanken des anderen weiter. Das Schlusswort hat der große Bruder:]

Bernhard: Fassen wir die Sache so zusammen: Für seine Realität und die Erreichung seiner Ziele ist am Ende jeder selbst verantwortlich. Dann aber gilt es sich auf seine Träume und Wünsche zu konzentrieren und auf die Gefühle zu vertrauen – nicht auf die Emotionen. Wenn man das tut, wird man sich Schritt für Schritt auf seinen Traum zubewegen. Wichtig wäre einfach, sich nicht auf die Emotionen zu verlassen!

Nur weil wir Profi-Ruderer geworden sind, können wir uns erlauben...

Paul: ...die ein oder andere Tafel Schokolade mehr zu essen! (lacht)

[Da muss natürlich eingehakt werden: Auf die Frage, welche Schokolade die zwei bevorzugen, folgt ein kurzes Beratungsgespräch, an dessen Ende Paul sich sicher ist: „Jede, ganz egal!“ Dadurch, dass er als Ruderer so viele Kalorien verbrenne, mache es wirklich keinen Unterschied, welche Schokolade er esse. Bernhard dagegen sieht das Thema deutlich differenzierter: „Ich bevorzuge vorübergehend Zartbitter.“ Haben wir das auch geklärt.]
 

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