Fotografin Krystle Wright am Fluss im Niemandsland

Zwischen Russland und China erkundet ein vierköpfiges Frauenteam den Fluss Amur in Richtung Pazifik.
Die Frauen von Nobody's River © Krystle Wright
Von Josh Sampiero

Für die Fotografin Krystle Wright sind Abenteuer nichts Neues. Die Australierin zeltete auf der Baffininsel, paddelte durch extremes Wildwasser und überlebte sogar einen Absturz beim Paragliding (siehe Foto unten!). Zurzeit hat sie ihre Abenteuerausrüstung in drei verschiedenen Ländern gelagert und ein halbes Dutzend weitere verrückte Ideen.

Was steht jetzt an? Das Projekt Nobody's River, eine All-Girl-Attacke auf den Fluss Amur. Der 818 Kilometer lange mächtige Fluss fließt von Ulan Bator in der Nähe der Geburtsstätte Dschingis Khans durch die Mongolei, entlang der russisch-chinesischen Grenze und mündet schließlich in den Pazifischen Ozean.

Oben sieht man die drei Amerikanerinnen, die Krystle auf der Reise vor ihre Kamera holt – Becca Dennis, Sabra Purdy und Amber Valenti. Alle drei sind qualifizierte Bootsfahrerinnen. Purdy, eine Wasserscheiden-Ökologin, ist nicht nur von Abenteuerlust getrieben.

Sie erfasst auf der Reise auch ökologische Daten über die längste Wasserscheide ohne Staudämme in der gesamten östlichen Hemisphäre. Die Unterstützung für dieses anspruchsvolle und ehrgeizige Unternehmen ist groß. Das Team sicherte sich den Natiornal Geographic Young Explorers Grant, einen Challenge Grant von Polartec sowie Fördermittel von Eddie Bauer und Keen.
 

Ben Cossey klett die Taipan Wall hoch
Ben Cossey Taipan Wall © Krystle Wright

Auf einigen Flussabschnitten trifft man zwar auf sanftes Wildwasser, doch das größte Hindernis sind nicht die Stromschnellen, sondern politisch bedingte Hürden.

„Schwierige Grenzüberschreitungen von der Mongolei nach Russland, militärische Patrouillen entlang der russisch-chinesischen Grenze sowie andere politische und logistische Barrieren machen diese Reise besonders kompliziert“, ist auf der Webseite des Projekts Nobody's River zu lesen.

Tatsächlich planen die Frauen bereits, ihre Boote einen bestimmten Flussabschnitt entlang zu tragen, für den sie beim Befahren andernfalls Bestechungsgelder in Höhe von 50.000 Dollar auf den Tisch legen müssten. Das ist nur ein Anzeichen dafür, wie weit entfernt der Amur ist.
 

Hernan Pitocco Flankenmanöver
Hernan Pitocco Berglandschaft © Krystle Wright

Wright schreibt ein weiteres Kapitel für ihr schnell dicker werdendes Tagebuch über Outdoor-Expeditionen und Abenteuer. In den letzten zwei Jahren fiel sie durch Gletscherspalten, bezwang Eisplatten mit Steigeisen, kippte mit Motorschlitten um und, ach ja, - da war auch noch dieser Paragliding-Absturz.

„Beim Abheben zog der Pilot an der falschen Leine und ich sah nur noch Felsbrocken. Beim Aufprall verlor ich das Bewusstsein“, erzählt sie.

Auf einer Bahre schleppte man sie vom Berg hinunter und nach 12 Stunden erreichte sie das Krankenhaus. Die Diagnose lautete: gebrochener Fuß, Bluterguss im Bauch, Prellung der linken Hüfte und eine Sehnenverletzung im Ellenbogen und der Schulter. Dazu eine mit 10 Stichen genähte Platzwunde auf der Stirn.

War sie seitdem wieder mit einem Paraglider unterwegs? Na klar. Letztlich verfolgt sie immer ein Ziel: "Es geht darum, wie viel du zu riskieren bereit bist, um das eine Foto zu schießen."
 

Krystle Wright weiß, was Abenteuer sind.

Worauf freut sich Wright denn nun besonders bei der Expedition Nobody's River? Die Antwort fällt ihr leicht. „Zwei ganze Monate und praktisch keinen Zugang zu E-Mails und Computern – das wird fantastisch!“ Wir erwarten ihre Rückkehr voller Sorge.

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