Über die Alpen mit Rad und Boot

Auf der Suche nach Wildwasser-Spots überqueren deutsche Paddler mit ihren Rädern die Alpen.
© Jens Klatt
Von Tarquin Cooper

Das Team von deutschen Kajakfahrern macht sich diese Woche wieder auf den Weg, um ihre Bike2Boat-Reise zu beenden. Auf der Suche nach den besten Wildwasser-Spots Europas radeln sie von Cannes in Frankreich über die Alpen nach Venedig in Italien.

Nach 10 Tagen Pause, in denen sie sich um Organisatorisches, Frauen und Freundinnen kümmerten und das schlechte Wetter aussaßen, schwangen sich Olaf Obsommer, 43, Jens Klatt, 32 und Philip Baues, 30 am Sonntag wieder auf ihre Räder.

Bisher legten sie 858km der 2500km langen Reise zurück. Doch die Bedingungen waren kein Zuckerschlecken. Viel Schnee oben in den Bergen bedeutete, dass der Wasserstand der Flüsse zu niedrig war. Dann kamen die Wassermassen, die weite Teile Europas überfluteten.

„Mutter Natur hatte andere Pläne für uns“, erzählte uns Jens Klatt.

In der ersten Woche stieß das Team auf Schnee und gesperrte Straßen.
In der ersten Woche stieß das Team auf Schnee © Jens Klatt

„Am ersten Tag war es kalt und regnerisch. Manchmal fragten wir uns „Oh mein Gott, was tun wir hier eigentlich?“, berichtet er.

Unterwegs auf dem Rad und mit Anhängern, die um die 50 Kilo wiegen, kann man schon Mal einen ganzen Tag brauchen, um 50km hinter sich zu bringen – oder auch sehr viel weniger. Nach der ersten Woche stießen sie in Frankreich auf eine Straßensperrung am Col de la Cayolle.

Ein Umweg hätte sie zwei Tage Zeit gekostet. Also beschlossen die Jungs, ihre Kajaks in Schlitten zu verwandeln und weiterzuziehen. Wie Polarforscher zerrten sie ihre Ladung mit den Fahrrädern oben drauf über den Schnee. Sie brauchten einen ganzen Tag, um 6km und 500 Höhenmeter zu bewältigen.

„Zum Glück fanden wir eine Hütte mit einem Winterraum“, so Jens.

Paddeltour auf dem San Giovanni in Piemonte, Italien.
Paddeltour auf dem San Giovanni, Piemonte, Italien © Jens Klatt

In der ersten Woche kamen sie überhaupt nicht zum Kajakfahren. In der zweiten Woche war der Wasserstand der Flüsse hoch, doch sie waren so begeistert, dass sie dem Fluss Guil am Château-Queyras folgten, aber die großen Sprünge vermieden.

Doch schließlich fanden sie im wunderschönen türkisen Wasser von Verzasca, der in den Lago Maggiore fließt, ihr Paddel-Abenteuer.

„Nach einer verregneten Woche kam die Sonne endlich raus. Das war ein Highlight“, sagt Jens. „Verzasca ist wie Disneyland für Kajakfahrer.“

Breites Lachen in die Kamera auf dem Fluss Var, Gorges des Daluis in Frankreich.
Breites Lachen in die Kamera auf dem Fluss Var © Jens Klatt

Für die Jungs, die alle zu bekannten Gesichtern in der Kajakszene zählen, geht es bei der Reise weniger darum, Rekorde aufzustellen oder etwas Neues zu tun, als die Wurzeln des Paddelns wiederzuentdecken und die Klassiker unter den Flüssen zu erforschen – und das auf umweltfreundliche Art und Weise.

„Wir wollen die Alpen mal aus einer anderen Perspektive erleben. Es gibt noch immer so viele unberührte Gegenden“, sagt Jens.

Vor den drei Jungs liegen noch 1.500km Straße und hoffentlich noch mehr Wildwasserstrecken. Jens freut sich, wieder loszuziehen. „Ich kann es kaum abwarten, mich wieder auf den Sattel zu schwingen“, erzählt er uns.

Folgt den Jungs auf www.bike2boat.com.

read more about
Zur nächsten Story