Rudern auf Biegen und Brechen

19 Kilometer Rudern, 7 Kilometer Laufen und ein Kampf bis zum letzten Meter, das ist Red Bull XRow
Mario Gyr from the first placed "Switzerland Selection" team of Switzerland shows his hands after the Red Bull X-Row, Luzern, Switzerland on October 6th 2012. <br />
Red Bull XRow - Medal in Hands © Romina Amato/Red Bull Content Pool
Von Red Bull Schweiz

17 Achterboote, 19 Kilometer Rudern, 7 Kilometer Laufen und ein Kampf bis zum letzten Meter, das ist der dritte Red Bull XRow von Zug nach Luzern. Die Switzerland Selection verteidigt ihren Titel, hart bedrängt von zwei deutschen Teams. André Vonarburg nimmt das härteste Ruderrennen der Welt als Schlusspunkt seiner Karriere.

«Ich erwarte viel Schmerz, vielleicht etwas Spass, Tränen und eine grosse Zufriedenheit, wenn wir die Ziellinie überqueren», erklärt Jenny VanDobben de Bruijn, Ruderin des holländischen Teams «Tetten». Sie und ihre acht Mitstreiterinnen stellen sich Red Bull XRow, der härtesten Ruderregatta der Welt und der einzigen, deren Start auf einem anderen Gewässer liegt als das Ziel. Laufen mit dem 17 Meter langen Achter auf den Schultern gehört ebenso zum Rennen wie das schnelle Ein- und Auswassern. Als erstes und einziges Frauen-Boot starten die Holländerinnen.
Ganz anders sieht das für die Titelverteidiger aus, die Switzerland Selection mit den Olympia 2012 Teilnehmern Mario Gyr und André Vonarburg. Mario Gyr gibt das Ziel vor: «Wir wollen zusammen Spass haben und der ist am grössten, wenn wir gewinnen.» Das Gleiche hat der deutsche Ex-Weltmeister Marcel Hacker vor, der seinen Titel vom ersten Red Bull XRow im Jahr 2010 zurückholen will.

Athletes from "German Durch Selection" team row into Luzern city during the third and final rowing stage of the Red Bull X-Row, Luzern, Switzerland on October 6th 2012. <br />
Red Bull XRow - Kappelbrücke © Romina Amato/Red Bull Content Pool

100 Kilo Boot auf den Schultern
Mit dem Startschuss setzen sich 17 Achterboote vor Zug in Bewegung – an Bord diverse Weltmeister und Olympiateilnehmer aus sieben Nationen. Neun Kilometer misst die erste Etappe bis Immensee. Die Switzerland Selection geht energisch in Führung, hart bedrängt vom deutschen Boot «Light Bulls» und Marcel Hackers «Frankfurter RG Germania All Stars». Es folgt ein steiler Aufstieg, vorbei an heuenden Bauern und kauenden Kühen zur Tellskappelle und durch die Hohle Gasse hinunter nach Küssnacht am Rigi. Die meisten Teams lassen die Ruder von zwei Athleten tragen, die restlichen sechs buckeln das fast 100 Kilo schwere Boot, angetrieben vom Steuermann, der an Land den Rhythmus ebenso forsch vorgibt wie auf dem Wasser.
In Küssnacht am Rigi wassern die Schweizer als erste ihr Boot, wenig später die Light Bulls und die German-Dutch Selection und Hackers All Stars. Die vier Kilometer zu Fuss haben den Ruderern sichtlich zugesetzt, doch auf dem Wasser wird ihre Aufgabe nicht angenehmer. Die Schweizer Olympioniken wissen: hier können sie den entscheidenden Vorsprung herausholen. Von Meggen übers Meggenhorn führt die zweite Laufstrecke. An der Spitze läuft Simon Niepmann mit der Hälfte der Schweizer Ruder. Die zweite Hälfte trägt André Vonarburg. «Es ist brutal hart» keucht er und joggt vor seinem Boot her.

Team German/Dutch Selection take their boat out of the water.  Red Bull X-Row, Luzern, Switzerland on October 6th 2012. <br />
German/Dutch Selection - Action © Christoph Schoech/Red Bull Content Pool

Endspurt unter der Kappellbrücke
Die letzte Ruderetappe führt am Lido vorbei mitten in die Luzerner Altstadt. Unter der See-, Kappell- und Rathausbrücke hindurch, wo tausende Zuschauer die Ruderer anfeuern. Jetzt ist auch noch Präzision gefragt: die Steuerleute navigieren die endlos langen Boote zwischen den Brückenpfeilern hindurch. Noch einmal wuchten Mario Gyr und seine Männer ihr Boot aus dem Wasser und hetzen der Ziellinie vor der Jesuitenkirche entgegen.

Die Gewissheit, dass das direkt hinter ihnen anlegende Boot der Light Bulls sie nicht mehr überholen können wird, lindert den Schmerz ein bisschen. Sieg für die Switzerland Selection vor den Light Bulls und Marcel Hackers All Stars aus Frankfurt, so lautet das Resultat. Mario Gyr erklärt den neuerlichen Triumph: «Wir haben als Team unsere Hand noch länger auf die heisse Platte gehalten als die anderen. So haben wir gewonnnen.» Ein besonderer Sieg ist es für André Vonarburg, nämlich sein letzter. Der Spitzenathlet aus Sempach hat sich Red Bull XRow als Schlusspunkt seiner langen und erfolgreichen Karriere ausgesucht. «Toll, meine Karriere an so einem Rennen und mit so guten Teamkollegen abzuschliessen, auch wenn es brutal war, vom ersten bis zum letzten Ruderschlag.»

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