Unterirdische Abenteuer in China

Fotograf Robbie Shone begleitet ein Forscherteam, um die größten Höhlen der Welt zu dokumentieren.
Das Elefanten-Spielzimmer © Robbie Shone
Von Tarquin Cooper

Wenn es darum geht, neue Orte zu entdecken, dann denkt man im Allgemeinen, dass die Weltkarte recht gut ausgefüllt ist. Aber es gibt auch Orte, an die Google Earth nicht herankommt – und die sind unter der Erde.

Für die kleine, elitäre Gruppe von Höhlenforschern, die an unterirdischen Erkundungen beteiligt sind, gibt es eine Welt voller Möglichkeiten. In entlegenen Gebieten wie China werden riesige Höhlensysteme erforscht und kartiert.

Der Höhlenforscher und Fotograf Robbie Shone, 33, war auf zwei Trips ins Höhlensystem nördlich von Wulong mit dabei, etwa zwei Stunden östlich von Chongqing (die mit 30 Millionen Einwohnern eine der größten, aber wahrscheinlichen unbekanntesten Städte der Welt ist).

„Es ist ein Gebiet mit extrem viel Höhlenforschung“, sagt er.

Robbie Shone: Höhlenforscher und Fotograf © Rob Eavis

Der Brite, der in Innsbruck in Österreich lebt, war im März 2012 dort, und dann noch einmal Anfang dieses Jahres, um die Höhlen mit seiner Kamera zu dokumentieren. (Du kannst dir seine spektakulären Aufnahmen in unserer Bildergalerie ansehen.)

Er begleitete die Vollzeit-Höhlenforscherin Erin Lynch, deren Team im Jahr 2007 eine der größten Kammern entdeckte, die Cloud Ladder Hall, die ungefähr 300m hoch und 150m im Durchmesser ist.

„Der auffälligste – und einmalige – Aspekt ist, dass die Kammer voller Wolken ist. Sie hat ihr eigenes Wettersystem. Das macht sie so beeindruckend und verleiht dem Ort etwas Geheimnisvolles“, sagt er.

„Wenn du rufst, dann kommt das Echo erst 5–6 Sekunden später zurück. Das ist ziemlich krass.“

Lichtstrahlen in der Cloud Ladder Hall

Robbie sagt, der Reiz liege darin, etwas Neues entdecken zu können. „Du könntest der erste Mensch sein, der diese Passage hinuntergeht, und du weißt absolut nicht, was du finden wirst. Das ist ein großartiger Teil dieser Erkundungstouren.“

„Die Fotografie ist eine echte Herausforderung“, fügt er hinzu. „Es gibt kein natürliches Licht, und es ist gar nicht so einfach, meine ganze Ausrüstung herumzuschleppen.“

Die Höhlen in China unterscheiden sich von Höhlen in Europa und vom Rest der Welt. In den Alpen gibt es viel mehr vertikale Schächte, und Höhlenforscher verbringen viel mehr Zeit an Seilen. Es ist auch viel kälter. Die Höhlen beginnen bei 2.000m, und deswegen liegen die Temperaturen normalerweise so um die 4–5°C.

In China dagegen liegt die durchschnittliche Temperatur bei mehr als 16–17°C. „Man schwitzt viel mehr“, sagt Robbie.

Als nächstes steht für den in Innsbruck lebenden Fotografen Ende des Monats ein weiterer Trip zum Gorner Gletscher in der Schweiz an, um dort Eishöhlen und Moulins zu erkunden – vertikale Schächte im Gletscher. Ein paar seiner früheren Aufnahmen sind hier zu sehen. Aber er will auf jeden Fall wieder nach China zurückkehren.

„Man könnte dort ein Leben lang Höhlen erkunden“, sagt er.

Auf www.shonephotography.com kannst du dir weitere Fotos von ihm ansehen.

read more about
Zur nächsten Story