Aufwärts: Gestatten, David Lama

Neue TV-Shows, neue Filme, neue Aufstiege – der österreichische Starkletterer im Höhenflug.
David Lama klettert den Nameless Tower hoch © Corey Rich/Mammut Archiv/Red Bull Content Pool
Von Josh Sampiero

Als wir David Lama in einem seltenen Moment trafen, in dem er am Boden und erreichbar war, nutzten wir die Gelegenheit, den überaus erfolgreichen Bergsteiger und Alpinisten ein bisschen aus seinem Leben als 'Rock'-Star erzählen zu lassen. Der 23-Jährige sagt uns, wo er war, wohin er demnächst geht und er spricht über seine bevorstehende Filmpremiere.

Ich klettere seit 18 Jahren. Wenn du schon als Kind anfängst, entwickelst du ein echtes Gefühl für das Klettern, das du total verinnerlichst. Das Klettern ist für dich so natürlich wie das Gehen. Der Level meiner Technik ist so hoch, dass ich gute Aufstiege schaffe, obwohl meine Unterarme nicht die kräftigsten sind.

Red Bull-Kletterer David Lama. © Red Bull Content Pool

Diese Woche machen wir Drehaufnahmen für einen TV-Steckbrief. Das Klettern vor der Kamera ist eigentlich auch nicht anders als das Klettern ohne die Kameras – abgesehen davon, dass man manchmal eine Route zweimal klettern und einige Bewegungen zwei oder drei Mal ausführen muss, damit der Kamermann seine Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln machen kann. Es ist sehr ermüdend und oft muss man mit schlechtem Wetter klarkommen. Letzte Woche hing ich einmal eine halbe Stunde an einem Fels und wartete darauf, dass es aufhört zu schneien – und ich hatte nur eine leichte Jacke an. Aber ich hole mir immer vor Augen, dass es ja für den Kameramann genauso hart ist!

David Lama beim Klettern in Chamonix
Für die Herausforderung bereit © Peter Ortner

Wir machen schwierige Aufstiege. Wir haben schon einige Szenen auf einer Route gefilmt, die ich letztes Jahr mit meinem Kletterpartner Peter Ortner gelegt habe und die 'Safety Discussion' heißt. Es ist eine interessante Route, die ziemlich waghalsig ist, da man wirklich kaum Schutz findet – wir haben einfach für die zehn Steigungen zehn Bolzen eingeschlagen. Heute drehen wir im Ötztal; morgen in den Lienzer Dolomiten.

Ich liebe es, für das Bergsteigen zu reisen. Das ist für mich ein Teil des Reizes. Und ich weiß heute, dass ich bei großen Projekten richtig aufblühe.

David Lama auf dem Moose's Tooth.

Die Nordostwand des Masherbrums ist mein nächstes großes Projekt. Die hat noch niemals jemand bestiegen, doch ich hoffe, es dieses Jahr zu versuchen. Da ist technisches Klettern gefragt und es geht ganz schön in die Höhe – der Gipfel ist 7.800 Meter hoch – was die Mixed-Kletteroute noch schwieriger macht.

Es ist Moose's Tooth mit Steroiden. Moose's Tooth ist 1.500 Meter hoch (David durchstieg die Headwall der Ostwand des Berges im April 2013 gemeinsam mit dem Schweizer Dani Arnold - unten im Bild mit David - über eine neue Route, 'Bird of Prey'; Anm.). Die Nordostseite vom Masherbrum (der einstige K1 des Karakorum-Gebirges in Pakistan; Anm.) bedeutet 3000 Meter Klettern, den ganzen Weg nach oben bis zum Gipfel. Eis, Felsen und Schnee – und es liegt weiter abgelegen, auf einer extremeren Höhe und ist einfach viel, viel gefährlicher.

Geschafft! © David Lama

Meine Hinterhofroute: Das Kalkkögelmassiv ist ein netter Tiefdruck-Kletter-Spot und es sind die einzigen Dolomitenfelsen, die wir im Norden Tirols haben. Es liegt ganz in der Nähe meines Wohnorts und ist nicht weit von Innsbruck entfernt, aber es kommt dir recht abgelegen vor. Man trifft dort nicht auf viele Leute.

Alpines Bergsteigen heißt, bis zum Gipfel zu leiden. Ich klettere gerne leicht und schnell. Deshalb halten wir unser Gewicht so gering wie möglich – wir essen drei Riegel am Tag und ansonsten nur gefriergetrocknetes, abgepacktes Obst.

Auf Davids Spuren © David Lama

Leicht und schnell. Das ist der Stil, mit dem wir im Alpinismus die Grenzen verschieben. Aber du musst genug dabei haben, um bis zum Gipfel zu kommen!

Ich plane ein neues Projekt in Patagonien. Ich war dort vier Jahre in Folge, vor allem am Cerro Torre. Dieses Jahr wollen wir den Mount Fitz Roy überqueren, zu dem mehrere Gipfel gehören. Wir werden dabei in fünf Tagen 7000 Meter klettern.

Klettern über dünnes Eis © David Lama

A snowball's chance in hell. So heißt mein demnächst erscheinender Film über das Freeclimbing am Cerro Torre. Es ist ein Langfilm und die Premiere wird in der letzten Septemberwoche beim San Sebastian International Film Festival sein – an der Seite von anderen großen Produktionen im Hollywood-Stil. Nach drei Jahren Arbeit, die wir in den Film gesteckt haben, wird das ein super Gefühl sein.

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