76m unter dem Eis – in Badehosen

Der Freediver Stig Severinsen stellt einen neuen Schwimmrekord unter dem Eis auf.
Von Evan David

Für die meisten Menschen reicht es aus, eine Hand in das eiskalte Wasser eines Sees zu stecken, um den Körper zurückschrecken zu lassen. Und alle, die ein bisschen prahlen wollen, hüpfen nach der Sauna in einen gefrorenen See – um natürlich gleich danach wieder in die wohlige Wärme zu sausen.

Und dann gibt es da noch Stig Severinsen. Er bewegt sich auf einem ganz anderen Level von „beeindruckend”. Der dänische Freediver zog sich bis auf die Badehose aus, holte tief Luft und schwamm mit einem einzigen Atemzug für eineinhalb Minuten 250 Fuß (76,20m) tief unter dem Eis – und sicherte sich damit den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde.

Wenn du unterkühlt bist, funktioniert dein Kopf nicht richtig, und du triffst keine guten Entscheidungen!

Das Video oben – das im Oktober veröffentlicht wurde – ist so gefilmt, als würde man mit Severinsen bei seiner Meisterleitung im April mitschwimmen.
 

Severinsen nähert sich der Oberfläche © Per Hallum

Zur Vorbereitung trainierte Stig im Winter in Dänemark – komplett nackt. „Wir haben einen tollen ‘Wikinger-Club’, und deswegen gehe ich so oft wie möglich ‘Eisbär-Schwimmen’, und trainiere für immer längeres Tauchen,” sagt Severinsen. „Ich habe in den letzten Jahren auch viel Zeit in gefrorenen Seen in Norwegen und Finnland trainiert. Es ist einfach wunderschön, solch unberührte Gegenden zu besuchen und eins zu werden mit der Natur.”

Severinsen – mehrfacher Rekordhalter im Freediving © Morten Bjørn Larsen

Man könnte denken, dass Severinsen nach einem solchen Tauchgang erschöpft und gestresst wäre, aber es ist genau das Gegenteil. „Normalerweise fühle ich mich nach einem Tauchgang richtig gut. Richtig glücklich, mit Endorphinen vollgepumpt – aber das ist ein gefährlicher Moment. Wenn du unterkühlt bist, funktioniert dein Kopf nicht richtig, und du triffst keine guten Entscheidungen!”

Stig Severinsen posiert für ein Porträt am Strand © Discovery Networks / Ben Bhatia

Das kalte Wasser erhöht die Gefahr für Stig und seine Rettungsschwimmer erheblich. „Eisiges Wasser kann leicht zum ‘Freeflow’ in der Tauchausrüstung führen, und der Taucher kann all seine Luft in Sekunden verlieren,“ sagt er.
Für Severinsen – der mit nichts anderem als seiner blauen Badehose taucht – geht es nicht um die Ausrüstung, sondern um den Stress. „Irgendwie kann ich mein Stressniveau kontrollieren. Wahrscheinlich, weil ich nicht von Angst angetrieben werde, sondern von Leidenschaft und Neugier. Oder man könnte auch sagen, dass ich versuche, einen kühlen Kopf zu bewahren.”

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