Warum Wolle dein Ticket für Wärme ist

Versuch’s mal mit der guten alten Wolle. Der Favorit von Abenteurern erlebt ein Comeback.
Schafe sind in den Bergen zuhause? Und du?
Kann dir ein Schaf das Leben retten? © Icebreaker
Von Jakob Schiller

Jahrhundertelang war Wolle als außergewöhnlicher Wärmespender ein unverzichtbares Material.

Ihr Geheimnis liegt in ihren Fasern, die Millionen von Lufttaschen entstehen lassen, in denen die vom Körper abgegebene warme Luft gespeichert wird. Anders als Baumwollfasern, die bei Nässe nicht intakt bleiben und besagte Lufttaschen zerdrücken, bleibt Wolle fest. Selbst bei Regen oder Schnee sorgt sie also für Wärme. Wolle ist ferner von Natur aus geruchsbeständig und leitet Feuchtigkeit besser als die meisten sonstigen Materialien vom Körper ab.

Wir halten Merino für die beste Faser der Welt.

Über Jahrzehnte blieb Wolle ein Favorit von Bergsteigern, Skifahrern und anderen Outdoor-Fans. Doch in den 1970er Jahren verlor sie an Bedeutung, als praktischere synthetische Isolierungsmethoden entwickelt wurden.

Damals war Wolle kratzig und ließ sich kaum in der Waschmaschine waschen, da die Fasern aneinander haften blieben und sich zusammenzogen, sodass auch die Kleidungsstücke schrumpften. Noch dazu wirkte Wollkleidung unförmig und war schwer.
 

Wolle-für-Wärme-Ausrüstung
Ibex Wool Aire Hoody © Ibex

„Wolle zu verarbeiten, war eine mühselige Aufgabe”, sagt Keith Anderson, Vice President of Marketing bei Ibex, eine der heute marktführenden Outdoor-Wollbekleidungsfirmen. „Synthetische Isolierungen tauchten auf und waren weich, warm, bequem und maschinenwaschbar – sie waren bei allen beliebt und wurden schnell zu einem Renner.”

All dies änderte sich vor etwa 15 Jahren, als die Textilindustrie sich zur Verwendung einer besonderen Art von Merinowolle entschloss, die weitaus feinere Fasern hat und daher weicher ist, weniger kratzt und sich auf der Haut entschieden angenehmer anfühlt. Die Industrie fand für die Merinowolle auch einen Weg, das Eingehen in der Waschmaschine zu verhindern und dünnere, leichtere Stoffe herzustellen.

Wollfaser – das Geheimnis von Wärme im Winter.
Wollfaser © Icebreaker

„Wir halten Merino für die beste Faser der Welt”, sagt Rob Achten, Creative Director und Vice President of Product bei Icebreaker.

Doch nicht jeder ist so begeistert. „Ich trage in meinen Bergstiefeln fast den ganzen Winter über eine mit Merinowolle gefütterte Socke zusammen mit einer dickeren Wollsocke”, erzählt der Bergsteiger Will Gadd. „Aber ansonsten mag ich Wolle am Körper gar nicht — sie scheint im Vergleich zu synthetischen Stoffen nicht schnell genug zu trocknen. Viele der modernen Merinowolle-Kombinationen enthalten außerdem wohl auch dermaßen viele Zusatzstoffe aller erdenklichen Arten, dass man sie fast schon als synthetische Stoffe bezeichnen kann.”
 

Was die Produkte angeht, so sind Socken und Base Layers immer noch die am meisten verkauften Wollprodukte von Marken wie Icebreaker, Ibex und SmartWool. Doch es mangelt nicht an Ideen, die Vorteile des Materials auf andere Weisen zu nutzen.

In einigen wasser- und windbeständigen synthetischen Shelljacken wie Stealth Hood von Icebreaker oder Puget Jacket von Ibex wird Wolle als Futter verwendet, da sie sich auf der Haut weich anfühlt, eine wichtige zusätzliche Wärmeschicht bietet und den Abtransport der Feuchtigkeit von der Haut fördert.

Wolle wird auch häufig als Isolierung in flauschigen Jacken, wie beispielsweise dem Wool Aire Hoody von Ibex und dem PhD Smartloft Full Zip von SmartWool, eingesetzt. Der Vorteil ist, dass Wolle weniger bauschig ist, aber dennoch unglaublich viel Wärme spendet.

„Wir suchen immer nach neuen Wegen, um die Grenzen der Wolltechnologien zu verschieben und reizvollere Anwendungsmöglichkeiten zu finden”, so Anderson. „Wolle ist heute in der Outdoor-Gemeinde wieder sehr beliebt, und wir wollen, dass dies so bleibt.”

Jakob Schiller lebt in New Mexico und schreibt für die Zeitschrift WIRED über Fotografie und Ausrüstung, und für das Powder Magazine über das Skifahren. Folge ihm auf Twitter: @jakobschiller

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