Sasha DiGiulian bei der Erstbegehung in Südafrika

Schaut zu, wie die junge Kletterin eine neue Route meistert – und sie nach Nelson Mandela benennt.
Von Kevin McAvoy

Sasha DiGiulians Kletter-Resümee weist bereits zahlreiche Highlights auf, um die andere Kletterprofis sie beneiden. Obwohl sie erst 21 Jahre zählt, ist sie schon seit 14 Jahren aktiv. 2011 war sie als 18-Jährige erst die dritte Frau überhaupt (und die erste Nordamerikanerin), die eine Route bewältigte, deren Schwierigkeitsgrad mit 5.14d bewertet wurde. Erfolge wie dieser haben die Aufmerksamkeit von Kletterern aus aller Welt erregt, und sie legt immer noch einen drauf.

Auf einem Trip nach Südafrika (das 29. Land, in dem sie geklettert ist), stieß DiGiulian kürzlich auf eine Route, die schon seit Jahren existiert, aber noch nie geklettert wurde. Das Video oben verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen sie stand. Am Ende schloss sie die gesamte Route ab – eine Erstbegehung – und durfte sie deshalb benennen. Sie entschied sich für „Rolihlahla“, Nelson Mandelas zweiten Vornamen.

Wir haben Sasha vor dem Aufbruch zu einem Kletterausflug in Spanien getroffen, um mit ihr über ihre Erlebnisse in Südafrika zu sprechen.

Kletterin Sasha DiGiulian posiert für ein Porträt.
Kletterin Sasha DiGiulian lächelt für die Kamera © Keith Ladzinski / Red Bull Content Pool

redbull.com: Wie war der Trip nach Südafrika im Vergleich zu anderen Trips?

Sasha DiGiulian: Südafrika war ohne Zweifel eine meiner exotischsten Erfahrungen. Die weite Landschaft, die vielen Tiere und die vielseitige Kultur waren atemberaubend. Der Fels war ebenfalls einzigartig: Kugelsandstein, kräftiger und schöner als alles, was ich bis dahin kannte.

Wonach wählst du deine Reiseziele aus?

Ich war für alle Abenteuer offen, und mein Freund aus Südafrika schlug vor, sich dort umzuschauen. Also habe ich Keith und Andy [von 3 Strings Productions] angerufen und ihnen von meinem Plan erzählt. Im Prinzip lautete der Plan: Lasst uns nach Südafrika fahren und dann weitersehen!

Kannst du diese Orte auch touristisch erkunden oder konzentrierst du dich nur aufs Klettern?

Ich weiß gerne, wo ich mich aufhalte. Das hat mich auch dazu gebracht, unverzüglich ein Studium zu beginnen. Nach meinen Reisen möchte ich häufig mehr über die Orte erfahren, die ich besuche. Ich klettere nicht gerne, ohne meine Umgebung auf mich wirken zu lassen. Es ist einfach, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, aber je vielfältiger meine Erfahrungen, desto schöner und denkwürdiger das Erlebnis. Wenn ich Spaß habe, bin ich am besten.

Wie war das Gefühl deiner ersten “Erstbegehung“ mit Rolihlahla?

Der gesamte Prozess war echt cool. Man macht Moves, die noch niemand gemacht hat, und schafft etwas, das zuvor als unmöglich galt. Nach der Beendigung der Route fühlte ich mich sehr stark. Das Erlebnis war eine mentale Reise und ein physischer Kampf.

Hattest du vorher erwartet, dass dir auf dieser Reise oder auch in naher Zukunft eine Erstbegehung gelingen würde?

Es ist einfach so passiert! Ich wollte eigentlich eine andere Route ausprobieren, die zuvor noch keine Frau bewältigt hatte. Sie galt als die schwierigste Route in der Gegend. Aber dann erblickten wir über uns plötzlich diese eindrucksvolle, leere Bergwand. Ich sah keine Kreidezeichen oder andere Beweise dafür, dass schon andere Kletterer dort waren. Auf den vielbenutzten Routen gibt es solche Zeichen.

Die Line sah wunderschön aus. Sie war freiliegend und von orange-roter Farbe mit Tiger-ähnlichen Streifen. Arjan [De Kock], mein südafrikanischer Freund, der ebenfalls Profikletterer ist, rief ein paar Freunde an und erfuhr, dass es sich um ein offenes Projekt handelte. Das bedeutet, dass vor zehn Jahren Bohrhaken installiert wurden, der Ort anschließend aber verlassen wurde, weil niemand ihn bewältigt hat. Ich habe sofort mein Gepäck abgelegt, um herauszufinden, ob es möglich ist.

Bergkletterin Sasha DiGiulian im Juli 2013 auf einer Route in Waterval Boven, Südafrika.
Waterval Boven © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool

Auf demselben Trip folgte noch eine weitere Erstbegehung, oder? Kam die völlig unerwartet?

In der Tat! Von Johannesburg aus sind wir nach Kapstadt geflogen, um in einer Gegend namens „Montagu“ zu klettern. Das Projekt war eigentlich Arjans Idee. Ich selbst war nicht besonders motiviert und wäre zu dem Zeitpunkt auch mit Routen zufrieden gewesen, die bereits bewältigt wurden. Als ich ihm dann aber zusah, dachte ich mir: Versuch’s doch einfach mal, wo du schon nach oben gewandert bist!

Anfangs habe ich auf dieser Route nicht alle Moves geschafft. Die körperliche Anstrengung war enorm hoch. Am dritten Tag fühlten sich die Bedingungen dann besser an. Es war frisch, und weil es der letzte Tag war, wollte ich nochmal aufs Ganze gehen. Ich hatte nichts zu verlieren. Ich konnte bis an meine Grenzen gehen – und das habe ich getan! Es war cool. Ich habe die Route „Miss-Behaving“ genannt. Kapiert?

Was hast du bislang für 2014 geplant?

Ich habe das neue Jahr mit einem Skiausflug in Quebec, Kanada, eingeleitet. Danach bin ich zwei Wochen in Südspanien, einer Gegend, die ich bereits kenne. Dort klettere ich in El Chorro. Nach meinen Winterferien habe ich dann bis Mai Unterricht. Während der Schulzeit finden zahlreiche Events statt, darunter eine Präsentation beim Vancouver Film Festival, SXSW mit Equinox, die US Nationals, einige Pro-Tour-Wettkämpfe und ein internationaler Contest in Japan. Sobald es nicht mehr so kalt ist, kann ich zudem kleinere Ausflüge in die Umgebung unternehmen, falls es die Schule zulässt.

Nach den Examen im Mai mache ich bis September einen schönen, langen Urlaub. Dann sind auch wieder größere Outdoor-Trips möglich! Momentan denke ich an Südamerika, Europa und einige Ziele im Westen!

Ist es schwierig, Training, Reisen, Klettern und Schule in Einklang zu bringen?

Es kann schwierig sein. Generell denke ich aber, dass ich mein Zeitmanagement ganz gut im Griff habe. Mit meinen Freunden und meiner Familie Spaß zu haben, ist mir ebenfalls sehr wichtig. Ich trainiere sechs Tage die Woche. Davon klettere ich an fünf Tagen etwa zwei bis drei Stunden lang mit meinem Coach Alexi Thomakos. Ich mache den gesamten Unterricht mit, und auf Reisen erledige ich die Schularbeiten unterwegs.

Bergkletterin Sasha DiGiulian im Juli 2013 auf einer Route in Waterval Boven, Südafrika.
Sasha in Südafrika © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool

Was sind auf lange Sicht deine Gesamtziele?

Ich möchte Sportklettern voranbringen und so viele Menschen wie möglich dazu inspirieren, sich ihrer Leidenschaft zu widmen. Ich möchte Klettern die größtmögliche Aufmerksamkeit verschaffen, weil ich bei aller Voreingenommenheit ernsthaft glaube, dass es eine unglaubliche Sportart ist, die Geist und Körper stärkt. Zudem kann man sie praktisch überall ausüben – an den entlegensten, schönsten Locations der Welt. Training wiederum ist in Städten wie New York mitten im Zentrum möglich.

Ich liebe Klettern und werde wohl den Rest meines Lebens klettern. Diese Verbundenheit mit dem Sport möchte ich nie verlieren. Am meisten motivieren mich meine Freunde und der Aufenthalt im Freien. Dort habe ich Spaß und kann mich selbst fordern. Diese Klettererfahrungen möchte ich weitergeben.

Folgt Sasha und Red Bull auf Twitter, um mehr zu erfahren.

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