Expertentipp: Drop-Planung mit Rafa Ortiz

Glaubst du, einen Wasserfall befährt man nach dem Motto „Augen zu und durch“? Wohl eher nicht.
Beim Drop vom Santo Domingo © Marcos Ferro/Red Bull Content Pool
Von Josh Sampiero

Es ist eine unkomplizierte Handlung, die von Anfang bis zum Ende oft nur wenige Sekunden dauert – aber einen hohen Wasserfall zu befahren, ist kein einfaches Kunststück. Es bedarf Planung und Vorbereitung. Und umso größer der Wasserfall ist, desto mehr kann schiefgehen. Wenn es einen Experten für hohe Wasserfälle gibt, dann wohl den Mexikaner Rafa Ortiz.

Fall vom Santo Domingo © Marcos Ferro/Red Bull Content Pool

„Zunächst muss man sich ansehen, was nach der Landung kommt“, sagt Ortiz. „Du überlebst den Fall, aber was kommt dann? Wohin fließt das Wasser? Am Chiapas, der vielleicht 30 m hoch ist, macht einem nicht die Höhe Angst, sondern dass die Hälfte des Wassers sofort in den nächsten Wasserfall fließt und die andere Hälfte auf die sichere Seite. Wenn dein Paddel zerbricht oder deine Spritzdecke abgeht – fährst du über die nächste Kante, bevor du alles in Ordnung bringen kannst?“

Kampf um die besten Lines in Veracruz © Alfredo Martinez/Red Bull Content Pool

Was bedeutet das also? Man braucht mehr als eine Person, um einen Wasserfall zu befahren. „Wir planen immer ein, was im schlimmsten Fall passieren kann. Sechs Mann kümmern sich um die Sicherheit und spannen ein Seil über den Fluss, für den Fall, dass einer von ihnen ins Wasser muss, um eine umgekipptes Boot rauszuziehen.“

Der Kokatahi River in Hokitata (Neuseeland) © Miles Holden / Red Bull Content Pool

Wenn das geklärt ist, muss man die Linie auswählen. „Oft fährt man in einer 3 m breiten Rinne hinunter, aber deine Linie ist so breit wie dein Boot“, sagt Ortiz. „Wenn man einen Felsen streift, kann das ernsthafte Konsequenzen haben. Man kann mitten in einem 27 m tiefen Fall auf die Seite geworfen werden oder umkippen. Was passiert, beim flachen Aufprall? Man bricht sich den Rücken.“

Rafael Ortiz zu Fuß unterwegs im Dschungel
Rafael Ortiz marschiert zum Big Banana-Wasserfall © Lucas Gilman/Red Bull Content Pool

Das heißt, dass Rafa auch während des Falls lenkt. „Es geht nur darum, dass man sehr genau fährt und fällt. Ist das Boot kurz vor einem Überschlag, lehnt man sich zurück, und wenn es zu flach ist, lehnt man sich nach vorne.“ Und wie trifft Rafa gerne auf das Wasser auf? „Ich mag es, wenn die Nose etwas nach oben zeigt, denn so gelangt man dann schneller wieder an die Oberfläche – und bei einem Fall aus 30 Metern Höhe wie in Chiapas hat mir ein leichter Dreh nach links geholfen, dass ich weiter links auftauchte – auf der sicheren Seite des Flusses.“

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