Video: Eneko und Iker Pou in Montserrat

Die Brüder Pou wagen die erste freie Begehung des La Tarragó im spanischen Montserrat.
Von Toby Archer

An einem kalten Novembertag des letzten Jahres schrieben die Red Bull-Athleten Eneko und Iker Pou ein neues Kapitel der Geschichte des Bergsteigens. Die schönen, außergewöhnlichen Turmfelsen von Montserrat (Spanien) erlebten die erste freie Begehung der 6-Seillängen-Route La Tarragó (8b+/240m).

Wir sprachen mit Eneko Pou, um mehr über ihre neue ,Super-Route’ mit einer gleichbleibenden technischen Schwierigkeit zu erfahren, die laut Eneko der Welt zeigt, wie großartig das Klettern in Montserrat wirklich ist.

Die Geschichte des Bergsteigens in Montserrat in der Nähe von Barcelona — nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Insel in der Karibik — geht zurück bis zu den Anfängen des Bergsteigesports in Spanien.

Kennzeichen der klassischen Routen sind oft Bretter oder senkrechte Wände, doch Eneko beschreibt die Tarragó-Route als „vergleichsweise futuristisch“. Sie folgt einem geschwungenen Überhang, der Unterseite eines hochaufragenden Felsenturms im merkwürdigen Bergmassiv von Montserrat.

Und das ist nicht etwa ein kleines Dach, das man rasch überwindet: nein, es sind mehrere Hundert Meter sehr steil aufragende Felsen mit vier mühseligen Seillängen; eine 8b+, zwei 8b und eine 7c+/8a.

Um dann zu den überhängenden Kletterfelsen zu gelangen, muss man noch zwei leichtere Seillängen bewältigen. Dort gibt es allerdings keine Bolzen, also müssen die Kletterer entweder auf traditionelle Weise weiterklettern, oder sich auf die Sicherung durch ihren Führer verlassen.

Eneko und Iker Pou © Filmut.com

Obwohl viele erstklassige Kletterer über die nötigen Fähigkeiten für diese Schwierigkeitsgrade verfügen, braucht man für die vier Seillängen nicht nur absolutes Können, sondern auch Durchhaltevermögen – sie liegen direkt übereinander und müssen in einem Rutsch geklettert werden.

Eneko lachte, als er uns vom Aufstieg erzählte. Er musste nicht nur mit diesen harten Kletterbedingungen klarkommen, sondern war zu dem Zeitpunkt, als sie die Route in Angriff nehmen wollten, zudem wegen einer noch nicht völlig verheilten Verletzung eingeschränkt.

Sie brauchten sechs Tage, bis sie den Aufstieg schafften. „Es herrschten schon winterliche Bedingungen und der Nordwind war kalt“, so Iker. „Fünf Tage lang versuchten wir es vergeblich – vor allem, weil ein entscheidender Griff auf der vorletzten Seillänge brach. Aber am sechsten Tag lief dann endlich alles wie geplant!”

Eine Aussicht auf ,Tarragó' © Filmut.com

Die Route hatte vor zwölf Jahren David Tarragó, ein in Montserrat lebender Bergsteiger, angelegt. Sie war kontrovers, da sie über einige bereits vorhandene Kletterhilfen hinweg verlief. Die gleiche Diskussion begann nach dem Aufstieg der Brüder Pou erneut.

Das Duo kehrte Ende November zur Route zurück, um sie noch einmal zu klettern und dabei auf den schwierigsten Seillängen gefilmt zu werden. Doch als sie sich wieder abseilten, entdeckten sie, dass fast alle Sicherungsbolzen entfernt worden waren.

Wer dies getan hat, und warum, bleibt unklar. Die Brüder Pou erklären, dass sie vor allem traurig sind, dass eine solch gute Kletterroute nun, zumindest vorerst, allen Kletterern vorenthalten bleibt.

Doch Pete O’Donovan, Autor mehrerer katalanischer Kletterführer und Experte für dieses Gebiet, ließ Red Bull Adventure wissen, dass David Tarragó schon angekündigt hat, dass er die Route wieder mit Bolzen ausstatten wird.

Die Brüder Pou konzentrieren sich nun auf ihre zukünftigen Pläne für das Himalaya-Gebirge; im Hinblick auf die kontroverse Angelegenheit sagte uns Eneko, dass sie immer versuchen würden, die lokale Ethik zu beachten und Einigkeit anzustreben. Bezüglich der Zukunft der Tarragó-Route sagte Eneko einfach: „Wir sind keine Einheimischen, wir können nicht entscheiden, was zu tun ist“.

Eines ist jedoch sicher: Es ist eine großartige Line. Eneko dazu: „Es ist zweifellos eine der futuristischsten Lines in Montserrat“.

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