Lawinen-Sicherheit: Tipps von Chris Davenport

Der Extrem-Skifahrer kennt die Berge und ihre Gefahren. Hier teilt er seine Erfahrungen.
Von Dave Waag / Astrid Heinz

Der Winter kommt und damit die Vorfreude auf den Schnee. Wer aber gerne im offenen Gelände unterwegs ist weiß, dass die weiße Pracht schnell zur Gefahr werden kann. Eine gute Lawinenausrüstung (samt LVS-Gerät, Schaufel, Sonde, Airbags & Co) sollte ständiger Begleiter jedes Alpinisten sein, Erfahrung und Hausverstand kann und muss die Ausrüstung ergänzen. Denn gute und sichere Entscheidungen zu treffen ist eines der wichtigsten Kriterien, um Lawinen zu vermeiden.

Chris Davenport, zweifacher Weltmeister und Extrem-Skifahrer, kennt das Risiko. Oft genug hat er bereits brenzlige Situationen erlebt, wie du im Video sehen kannst.

Von den Rocky Mountains bis zum Himalaya hat er mit seinen zwei Brettern schon fast alle berühmten Berge befahren, zahlreiche Erstversuche gehen auf sein Konto. Vor allem aber ist Chris ein Profi, der auf eine überlegte Vorgehensweise setzt und sich an bestimmte Regeln hält, um die Lawinengefahr zu minimieren. Als Extremsportler hat Chris einen sehr bedachten Zugang zum Thema Sicherheit am Berg und einige gute Ratschläge.

Chris Davenport klettert eine Eiswand nach oben, um den Gipfel zu erreichen - in Chamonix (Frankreich am 13. Februar 2011.
Chris Davenport beim Aufstieg am Mont Blanc © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Erwartungen

Setze dir am Anfang des Tages ein breites Ziel und schraube deine Erwartungen nicht zu hoch. Es ist wichtiger Spaß zu haben, als unrealistischen Erwartungen hinterher zu hetzen.

Das Terrain und seine Gefahren

Wenn es um die Sicherheit geht, spielt das Terrain natürlich eine große Rolle. Wenn du ganz oben stehst, dann frag dich selbst: „Was wäre das Schlimmste, das passieren kann, wenn ich diese Line fahre? Gibt es im Gelände eine Falle oder gibt es einen sekundären Risikofaktor, falls die Line abgleitet? Könnte ich mit dem Worst-Case-Szenario umgehen?“ Wenn die Antwort auf die letzte Frage „Nein“ lautet, dann ändere deinen Plan.

Chris Davenport beim Freeskiing im Denali National Park, AK (USA), am 11. April 2012.
Chris Davenport - Freeskiing in Denali. © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Der Faktor Mensch

Sei ehrlich zu dir selbst und zu deiner Gruppe. Bescheidenheit und eine demütige Haltung den Bergen gegenüber sind Voraussetzung dafür, dass man Spaß hat. Hör auf deinen Bauch und diskutiere Entscheidungen in aller Ehrlichkeit mit deinen Partnern.

Kameradschaft

Suche deine Gruppe mit Bedacht aus. Gute Partnerschaften und Kollegialität sind die Basis für gute Kommunikation. Gegenseitiges Vertrauen und Verständnis sind ebenso wichtig, wie gemeinsame Ziele. Eine gute Ski-Partnerschaft kann man durchaus vergleichen mit einer Ehe oder der Beziehung zu einem alten Freund. Man versteht sich blind und hilft sich gegenseitig. Ich hatte beim Skifahren schon viele Partner und die lustigsten und schönsten Skitage habe ich erlebt, wenn die Partnerschaft gut funktionierte.

Wissen ist Macht

Heutzutage haben wir per Fingertip alle Informationen, die wir uns wünschen können. Wetter- und Lawinenprognosen, Reiseberichte und die Erfahrungswerte anderer. Nütz diese Informationen! Es gibt immer noch Menschen, die trotz schlechter Prognosen zu Touren aufbrechen. Bei der Tagesplanung muss man die verfügbaren Daten nutzen, um beispielsweise rote Flaggen und offensichtliche Gefahren zu erkennen.


Video-Aufnahmen: Tom Day für Warren Miller Entertainment / Chris Davenport

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