Bereit für ein irres Kajak-Abenteuer in Mexiko?

Michoacán bietet unberührte Stromschnellen und Wasserfälle. Doch überall lauern die Drogenkartelle!
Kayaker Rafa Ortiz paddelt durch Stromschnellen in Tlapacoyan, Mexiko
Rafa Ortiz in Tlapacoyan, Mexiko © John Rathwell/Red Bull Content Pool
Von Kevin McAvoy

Wildwasserkajak fährt man nicht im Fitnesstudio. Es gibt auch keine Wettkämpfe in Arenen. Die Bedingungen, unter denen die Athleten ihre Leidenschaft ausleben, sind weder kontrollier- noch vorhersehbar. Genau deshalb brennen die Sportler überhaupt so für ihren Sport.

Ausgebildete Kajaker spüren immer wieder neue Flüsse auf, die sie noch nicht gefahren sind, um ihr Können auf die Probe zu stellen. Jeder Fluss fordert den Kajakern etwas anderes ab, egal, ob er schon befahren wurde oder nicht. Was Profi-Kajaker besonders antreibt, ist tief in die Natur vorzudringen und als Erste unbekannte Routen zu paddeln.

Das war genau die Motivation des Spitzenteams, das die Flüsse im mexikanischen Bundesstaat Michoacán erforschen wollte. In diesen Gewässern war noch nie jemand gepaddelt. Die Geschichte ihrer Expedition erzählt eine fünfteilige Videoserie, die wir euch oben im Video vorstellen. Das Abenteuer einer Entdeckungsfahrt, die Nervosität vor dem ersten unbekannten Wasserfall, die Ungewissheit, wenn man in einer Region unterwegs ist, die von den Drogenkartellen beherrscht wird – das alles seht ihr in „First Decent: Michoacán“.

Wir sprachen mit dem Mexikaner Rafael Ortiz, einem der Kajaker, die diesen Trip gewagt haben, darüber, was uns in den fünf Folgen erwartet.

Red Bull Adventure: Wie kam es zu dieser Expeditionsreise nach Michoacán?
Rafa Ortiz:
Wir Wildwasserkajaker sind hauptsächlich auf Flüssen unterwegs. Jeder Fluss hat seinen eigenen Charakter und seine eigenen Herausforderungen. Deshalb suchen wir häufig nach neuen Orten, an denen wir unsere Fähigkeiten austesten können.

In den Nachrichten werden die Stories zwar oft unverhältnismäßig aufgebauscht, aber wir hatten in Gesprächen mit Familie und Freunden einige Geschichten gehört. Das Risiko war uns bewusst.

Joel [Kowalski] ist von Google Earth besessen. Wie ein Kind, das stundenlang vor einem Videospiel hockt, schaut er sich auf Google Earth stundenlang die Welt an. Er sprach schon seit Jahren vom mexikanischen Bundesstaat Michoacán, der eine ähnliche Geografie hat wie das Wasserfall-Mekka Veracruz. Doch der einzige Weg, um herauszufinden, ob man dort gut paddeln kann, war selber hinzufahren und es auzuprobieren.

Vor zwei Jahren wollten wir die Gegend schon mal erkunden. Wir hatten bereits die Boote auf den Autos festgezurrt und die Taschen gepackt, uns dann aber gegen die Reise entschieden, denn aufgrund des Drogenkriegs war uns die Situation zu gefährlich. Viel gefährlicher als die tiefen Schluchten und Wasserfälle. Doch im Dezember 2013 war die Zeit reif.

Kajaker Rafa Ortiz auf der Michoacán-Expedition 2013
Rafa Ortiz in Uruapan, Mexiko © John Rathwell/Red Bull Content Pool

Was hat euch vor Beginn der Reise beunruhigt?
Im Gegensatz zu den meisten anderen Flussexpeditionen waren diesmal nicht die Risiken auf dem Wasser unsere größte Sorge. Das Schwierigste an der Reise war, dass wir uns nicht allein auf Karten und Fähigkeiten verlassen konnten. In den Nachrichten werden die Stories zwar oft unverhältnismäßig aufgebauscht, aber wir hatten in Gesprächen mit Familie und Freunden einige Geschichten gehört. Das Risiko war uns bewusst.

Sind während der Reise unerwartete Dinge passiert, in positiver oder negativer Hinsicht?
Jede Reise hat ihre unerwarteten Wendungen. Wir sind in Michoacán mit einer vorsichtigen Grundhaltung angekommen, doch je länger wir da waren, desto mehr genossen wir die Gastfreundschaft der Einheimischen. Wir fühlten uns sicher. Die Flüsse übertrafen unsere Erwartungen noch. Und unerwartete Geschehnisse, wie ein kaputter Van, eine verlorene Geldbörse, die wieder auftauchte und ein Abseilen aus knapp 20 Metern Höhe, um nur einige zu nennen, waren das Salz in der Suppe unserer Reise.

Kajaker Joel Kowalski fährt in Michoacan (Mexiko) 2013 einen Wasserfall hinunter
Doppelte Freude © John Rathwell/Red Bull Content Pool

Wie würdest du die Reise mit deinen anderen Expeditionen vergleichen?
Jeder Ort ist anders und die Gruppendynamik ist jedes Mal einzigartig. Der Trip entwickelte sich zu einer Reise, an die wir uns den Rest unseres Lebens erinnern werden. Wir hatten unheimlich viel Spaß mit den Jungs und großartige Tage im Kajak.

Was hast du gelernt?
Unsere natürliche Reaktion auf das Unbekannte sind Angst und Flucht. Aber am Ende geht es gar nicht darum, große Risiken einzugehen, sondern eine Herausforderung in kleinen Schritten zu bewältigen. Bevor man einen großen Wasserfall zum ersten Mal hinunterfährt, schaut man sich erst mal das Gelände an und macht einen Schritt nach dem anderen. Und wer es nicht probiert, wird es nie herausfinden…

Die erste Folge der Serie läuft am 11. März auf der „First Decent: Michoacán“-Seite. Immer dienstags gibt es dann eine neue Folge. Außerdem findet ihr dort Fotogalerien, zusätzliche Videos, die hinter die Kulissen blicken, und vieles mehr.

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