Ein U-Boot-Anzug für 1,2 Millionen Dollar

Halb James Bond und halb Marshmallow Man – hier kommt der futuristische Taucheranzug für die Tiefe.
Michael Lombardi bei einer Trainingseinheit in seinem Exosuit-Taucheranzug.
Training im Becken - mit 7 Meter Tiefe © Jim Clark
Von Brooke Morton

Im Reich der Tiefseeforschung kann man mit Geld ein U-Boot kaufen – frag nur mal James Cameron – doch die Chance, den 1,2 Millionen Dollar teuren Exosuit zu tragen, ist nicht käuflich.

Der erste Tauchgang auf 330 Meter Tiefe wird 160 Kilometer vor der Küste von Rhode Island stattfinden. Und wer ist der Mann, der „unter Druck“ stehen wird? Michael Lombardi, ein Forscher vom National Geographic.

© Jim Clark

Für die Mission hat Lombardi, auf gewisse Weise, seit Jahren trainiert. Sowohl im kommerziellen Bereich als auch auf Forschungsebene verfügt der Unterwasser-Bauunternehmer über 15 Jahre Erfahrung.

Und wenn es darum geht, zu lernen, wie man sich in dem 250kg schweren Metallanzug bewegt, der wie eine Mischung aus Ironman und dem Ghostbusters-Marshmallow-Man aussieht, ist Lombardi sein eigener Lehrer – schließlich hat er die Bedienungsanleitung geschrieben.

Michael Lombardi und der Exosuit beim Training an Land.
Der Anzug ist mit einer Kamera ausgestattet © Jim Clark

„Im Grunde trägt man ein U-Boot am Körper“, sagt er. Bisher hat das Abenteuer für einige blaue Flecke gesorgt, denn es ist gar nicht so einfach, sich auf so engem Raum zu bewegen. „Man kann den Arm nicht so beugen, als würde man im Fitnessstudio Gewichte stemmen“, sagt Lombardi. „Stattdessen schiebt man den gesamten Arm durch eine Reihe von Verbindungsstücken, um die Bewegung nachzuahmen.“

Im Grunde trägt man ein U-Boot am Körper.

Bei der Mission geht es darum, die Möglichkeiten des Anzuges, insbesondere das Streamen von HD-Videos und die störungsfreie Kommunikation mit dem Team an der Wasseroberfläche, auszutesten.

Darüber hinaus dient der Anzug auch der Meeresbiologieforschung – es werden biolumineszente Tiefseetiere gesammelt. Diese Quallen und anderen Lebewesen enthalten Proteine, die als Biomarker genutzt werden können, um die Krebs- und Gehirnforschung voranzutreiben.

Michael Lombardi zieht seinen Taucheranzug an.
Anziehen ist gar nicht so leicht... © Jim Clark

Bei der Expedition gibt es viele Komponenten, doch Lombardi macht sich über etwas Gedanken, das man von ihm nicht erwarten würde.

„Ich bin nicht wegen des Anzugs besorgt, auch wenn ich mich noch nicht zu 100 Prozent wohl darin fühle“, sagt er.

In meinem Kopf habe ich den Tauchgang schon unzählige Male durchgespielt.

„Für mich liegt die Herausforderung in dem freien Abstieg in das tiefe, blaue Wasser – da verliert man leicht die Orientierung“, sagt Lombardi über das Freitauchen ohne Referenzpunkte. Diesen Teil des Tauchens mochte er noch nie. „In meinem Kopf habe ich den Tauchgang schon unzählige Male durchgespielt“, sagt er.

Auch wenn Lombardi das Steuern des Exosuits unter Wasser trainiert, geschieht das bisher nur in Wasserbecken, die maximal sechs Meter tief sind. Bei dem Tauchgang vor Rhode Island wird er das erste Mal tiefer gehen.

Michael Lombardi bei einer Trainingseinheit in seinem Exosuit-Taucheranzug.
Training im Wasserbecken © Jim Clark

Wann ist die Mission in Lombardis Augen erfolgreich?
„Wenn ich die Tiere sammeln kann, ist das ein großer Erfolg“, sagt er. „Und solange wir mit mehr Fragen nach Hause kommen, als wir vorher hatte“, fügt er hinzu. „Jeder, der über genug Geld verfügt, kann auf den Everest steigen oder eine Safari machen. Für wirkliche Forschung muss man Fragen stellen.“

Mehr Abenteuer findest du auf unserer Facebook-Seite.

read more about
Zur nächsten Story