Q&A: Glowacz und Sharma über „Into the Light“

Stefan Glowacz und Chris Sharma sprechen über die Erstbegehung der Majlis al Jinn Höhle im Oman.
Stefan Glowacz seilt sich in die Höhle ab.
...in die Dunkelheit © Klaus Fengler/Stefan Glowacz GmbH
Von Tarquin Cooper

Die erfahrenen Kletterer verbrachten mehr als zwei Wochen damit, aus einer der größten Höhlen der Welt hinauszuklettern, die – mit 13 Seillängen – eine der längsten Kletterrouten bietet. Die einzigartige Erstbegehung war für beide eine der härtesten und herausforderndsten Erfahrungen, die sie bisher gemacht haben. Und für Stefan nahm das Abenteuer fast ein böses Ende.

Was war das Besondere an diesem Kletterabenteuer?
SG: Normalerweise besteigen Kletterer Berge! Hier mussten wir uns zunächst in die Tiefe abseilen und dann wieder hinaufklettern. Es war zudem unmöglich, sich die Route vorher anzusehen und zu visualisieren. Wir sahen Felsrisse, bei denen wir dachten, wir müssten sie mit Händen und Fäusten bearbeiten, doch als wir sie dann aus der Nähe sahen, passte ein ganzer Körper hinein!

CS: Wenn man sonst klettert, hat man einen unglaublichen Ausblick und kann in die Ferne blicken. In der Höhle ist man nur von Dunkelheit umgeben. Von 7 Uhr morgens bis 14 Uhr gab es Licht, doch davor und danach mussten wir Taschenlampen verwenden. Es war eine interessante Erfahrung, so viel Zeit im Dunkeln zu verbringen und hatte auf jeden Fall auch etwas Klaustrophobisches an sich!

Chris Sharma klettert die letzte Seillänge der Höhle hinauf.
Ganz verdreht © Klaus Fengler/Stefan Glowacz GmbH

Wie anstrengend war es für euch?
CS: Es gab eine Seillänge, die ich fast geklettert wäre, die eine 8b+ war und damit wäre die Route wohl eine der schwersten Routen der Welt gewesen. Doch wir hatten nicht genügend Zeit und entschlossen uns, die Stelle zu umgehen. Aber jede Seillänge hatte es in sich. Es ist auf jeden Fall eine Route auf Weltniveau. Wenn man eine 300 Meter lange Wand hinaufklettert, klettert man mehr in der Vertikalen. Hier gab es so gut wie nur Überhänge.

SG: Wir bereiteten alle Seillängen vor, befestigten Bohrhaken, kletterten mit Hilfen und dann jede Seillänge als Rotpunkt-Begehung. Der Fels war sehr stabil, ein wunderschöner Kalkstein. Und auch wenn es einige Stellen mit verwittertem Gestein gab, hatten wir Schlimmeres erwartet.

Stefan Glowacz und Chris Sharma nach der Klettertour
Lager in der Tiefe © Klaus Fengler/Stefan Glowacz GmbH

Stefan, du bist auch gestürzt…
SG:
Ja, es kam fast zu einem Drama. Ich kletterte das Seil mit Hilfe von Steigklemmen hoch. Ich löste die erste, um eine Expresschlinge zu umgehen. Als ich die zweite löste, drehte sich das Seil aufgrund von Schlaufen so schnell, dass die erste Steigklemme abfiel. Im Sturz griff ich nach dem Seil und verbrannte mir beide Hände, bevor das Fixseil meinen Fall aufhielt. Ohne das Fixseil wäre ich 80 Meter tief gefallen.

CS: Es hätte schlimm geendet, aber er hatte Glück und es war eine gute Warnung. Ein Kletterer wie Stefan hat so viel Erfahrung – aber es zeigt, dass man immer darauf achten muss und sich bewusst sein muss, was man tut.

Stefan Glowacz hängt beim Klettern am Seil
Abhängen mal anders... © Klaus Fengler/Stefan Glowacz GmbH

Aber das hat euch den Spaß nicht verdorben?
SG: Ich band mir Tape um die Finger und nahm ein paar Schmerztabletten, konnte danach aber nicht mehr ordentlich klettern. Dennoch war es eine tolle Erfahrung – vor allem das Klettern mit Chris – und solch ein einzigartiges Projekt.

CS: Ich versuche immer, tolle Orte mit neuen Routen zu verbinden. Es war ein großes Privileg, als Erster dort klettern zu dürfen. Es hat unsere Erwartungen übertroffen.

Was steht als Nächstes an?
SG:
Ich trainiere momentan auf einem Straßenrennrad. Ich überlege, eine Klettertour mit Rad zu unternehmen, so wie die alten Kletterer in den 40er- und 50er-Jahren. Vielleicht fahren ich von München in die Dolomiten, klettere eine schwere Route und radle wieder zurück.

CS: In der Nähe von Barcelona in Spanien gibt es eine große 250 Meter hohe Wand. Es wird schwer werden und ich brauche noch etwas Zeit, um herauszufinden, ob es machbar ist.

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