Fünf noch unerforschte Gebiete

Kennen wir nicht schon alles? Von wegen! Diese Abenteurer zeigen, wo man noch ein Pionier sein kann.
Will Gadd und Andreas Spak erforschen eine verlassene Eisenmine in Schweden.
Entdeckungstour: Eis-Routen in Schweden © Christian Pondella
Von Tarquin Cooper

Es wird gemeinhin angenommen, dass alles schon gemacht wurde: der Everest, die Pole, unbekannte Länder – ja, ja und ja, hatten wir alles schon. Wo gibt es noch wirklich etwas zu erkunden? Geht es nicht nur noch um ganz ausgeklügelte Rekorde? Die erste Person, die rückwärts auf einem Fahrrad zum Nordpol radelt… hat jemand Lust?

Nun, nicht zu vorschnell. Wir sprachen mit einigen der modernen Top-Forschungsreisenden, um zu hören, wo es noch unbekannte Spots gibt. Und wie Will Gadd sagt, vielleicht existieren sie in eurer Vorstellung: „Vor Jahrhunderten loszuziehen, um einen neuen Kontinent zu entdecken, ist mental die gleiche Herausforderung wie loszuziehen, um zu versuchen, eine neue Bergwand zu besteigen. Es geht um das Unbekannte, das „Was, wenn ich das versuche, oder dorthin fahre?“

Unter Wasser
„Es gibt viele Orte auf der Welt, die noch zu erforschen sind. Wir wissen mehr über den Weltall als über den Meeresboden der Erde“, sagt Jill Heinerth. Die Unterwasserforscherin, die vor kurzem von der Royal Canadian Geographical Society für ihre Arbeit ausgezeichnet wurde, sagt, dass Unterwasserhöhlen die „ultimative Herausforderung“ darstellen.

„Das Höhlentauchen gilt als gefährlichster Sport der Welt und stellt zudem die kantige Grenze erdgebundener wissenschaftlicher Erforschung und Entdeckung dar.“

Heinerth tauchte kürzlich in einem gigantischen Eisberg in der Antarktis (unten). „Die Polarregionen sind immer noch eine Grenze – sie werden erst seit etwas mehr als einem Jahrhundert erforscht“, fügt sie hinzu.

Jill Heinerth taucht unter Eisbergen
Eisbergtauchen in der Antarktis © Jill Heinerth

Höhlen
„Auf der Erde gibt es im Sinne wahrer geographischer Erkundung nicht mehr viel“, sagt der Erkundungsbergsteiger Will Gadd. „Doch es gibt eine große Ausnahme: Höhlen. Soweit ich weiß, ist dies der einzig wahre geographische Bereich, der auf der Welt noch zu erforschen ist.“

Anders als Ozeane und die Erdoberfläche sind Höhlen für GPS oder Schallmessgeräte unerreichbar.

„Dafür gibt es keine Google Earth-Karte – man hat keine Ahnung, wo man sich befindet oder wohin man geht. Ich denke, in der Zukunft werde ich mich mehr auf Höhlenbegehungen konzentrieren, das ist die letzte wahrhaftige Grenze der geographischen Erforschung!”

Will Gadd und Andreas Spak erforschen eine verlassene Eisenmine in Schweden.
Höhlen: Die letzten unerforschten Gebiete © Christian Pondella

Flug durch die Lüfte
Grau wird sein Bart zwar noch nicht, doch Tom de Dorlodot ist nicht weit davon entfernt, der interessanteste Mann der Welt zu werden. Mit seinem Gleitschirm flog er an Orten, von denen die meisten von uns nur träumen. Trotzdem hat er noch nicht genug. „Ich träume von Biwak-Flügen in den Anden, vor allem über der Cordillera Blanca in Peru. Auch die Idee, über die Tian Shan-Region in China, das Altai-Gebirge in der Mongolei, die afghanischen Berge oder, warum nicht, das Königtum Bhutan zu fliegen, reizt mich!“

Natürlich hat er auch ziemlich coole konkrete Pläne, während er von diesen Orten träumt. „Auch in Europa gibt es tolle Optionen und neue, noch nicht geflogene Lines. Ich denke zum Beispiel an die Apenninen in Italien oder das Velebit-Gebirge in Kroatien. Daher werde ich dorthin bald mit meinem Freund Paul Guschlbauer fahren!”

Thomas de Dorlodot fliegt am 31. März 2012 mit seinem Gleitschirmflieger über Namibia.
Thomas de Dorlodot im Flug über Namibia © John Stapels/Red Bull Content Pool

Flüsse
Steve Fisher, der Wildwasser-Profi aus Südafrika, hat sich schon die höchsten Wasserfälle hinuntergestürzt und die wildesten Ströme der Welt bezwungen. Aber er hat nicht das Gefühl, schon alles erlebt zu haben – ganz im Gegenteil! „Es gibt noch viele unberührte Gegenden! Um auf diese neuen Abenteuer zu gehen, muss man seine Grenzen überwinden und noch härter an sich arbeiten. Oft liegt das nächste Abenteuer sogar direkt vor der eigenen Haustür: Nächsten Monat wage ich mich an den Oberlauf des Hudson River im Staat New York (USA). Der Startpunkt liegt gerade mal knapp 10 Kilometer von der nächsten Straße entfernt, aber dennoch hat es noch nie jemand gewagt!“

Natürlich würde er auch gerne auf seinen Heimatkontinent zurückkehren: „Afrika ist noch sehr unerforscht. Die Infrastruktur und die geopolitischen Probleme haben dafür gesorgt – aber ich würde gerne die Flüsse in Angola erforschen. Vor allem an der Küste kann man dort zudem gut angeln!“

Steve Fisher und Rush Sturges sind am 29. Oktober 2011 auf dem Fluss Kongo in der Demokratischen Republik Kongo in einem 6 m breiten Strudel gefangen.
Steve Fisher in einem 6m breiten Whirlpool. © Greg von Doersten/Red Bull Content Pool

BASE-Jumping-Absprungplätze
Ob die Aguille du Midi-Brücke oder Gebäude in Brasilien – Wingsuit-Pilot Jokke Sommer hat schon einige Orte von der Luft aus erkundet. Doch als wir ihn fragten, welches sein nächstes Flugziel sei, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Ich würde gerne in Patagonien ein paar neue Absprungorte entdecken“, sagt er. Von Kletterern wurden die Felsen und hohen Klippen des südlichsten Gebirges von Südamerika bereits ausführlich erkundet, doch aufgrund der starken Winde und des stürmischen Klimas gehört die Gegend nicht zu den Lieblingsorten der BASE-Jumper – vor allem da nur an wenigen Tagen sichere Sprünge möglich sind. Aber irgendwann wird es jemand wagen – und Jokke hofft, dass er derjenige ist.

David Lama und Peter Ortner besteigen einen Berg
David Lama und Peter Ortner in Patagonien © Corey Rich/Red Bull Content Pool

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