Lernt den richtigen Indiana Jones kennen

Er ist mit Haien geschwommen, hat einen der höchsten Berge bestiegen und eine Riesenratte entdeckt.
Steve Backshall taucht mit einem Hai
Blitze sind für Menschen gefährlicher als Haie © Mark Rackley
Von Tarquin Cooper

Ohne Käfig mit einem Weißen Hai schwimmen? Krokodilen ins Auge blicken? Von einem Eisbären gejagt werden? Das ist die alltägliche Arbeit von Abenteurer, Naturforscher und BBC-Wildlife-Moderator Steve Backshall, der ganz nebenbei beim Bergsteigen entspannt. Für seine aktuelle Reihe ist er von der Arktis über Alaska, Nord- und Südamerika zur Antarktis gereist und hat sich dabei auf die Suche nach den am meisten gefürchteten Tieren der Welt gemacht.

Hinter dir! Steve auf Tuchfühlung mit einer Kobra © Giles Badger

Das war wahrscheinlich ein sehr aufregender Ausflug?
Das ganze Erlebnis war einfach nur irre: Ich wurde zwischen den Eisschollen der Arktis von Eisbären gejagt; habe auf dem Grund einiger Sümpfe Nase an Nase mit Krokodilen gelegen; ich bin ohne Schutzkäfig mit Weißen Haien geschwommen, habe mich im Schmelzwassertunnel eines Gletschers in Alaska abgeseilt, bin durch ein Höhlensystem in Mexiko getaucht und bin mit Seeleoparden und Walen geschwommen, um Fische zu fangen. Das war ein riesiges Abenteuer!

Es werden weniger als 10 Menschen pro Jahr von einem Hai getötet. Das ist nichts. Es ist wahrscheinlicher, dass du von einem Blitz getroffen wirst.

Steve Backshall besteigt Dent du Geant
Steve klettert das letzte Stück vom Dent du Geant © Tarquin Cooper

Es scheint ja fast ein Wunder zu sein, dass du überlebt hast!
Wenn man einigen Fernsehsendern glaubt, dann warten überall Schlangen, Spinnen, Haie oder Krokodile auf einen. Aber das ist vollkommener Blödsinn und das macht mich verrückt. Ich mache das schon sehr lange, und man muss sehr hart arbeiten, um diese Tiere überhaupt zu finden! Es werden weniger als 10 Menschen pro Jahr von einem Hai getötet. Das ist nichts. Es ist wahrscheinlicher, dass du von einem Blitz getroffen oder von einer herunterfallenden Kokosnuss getötet wirst.

Ein Seeleopard ist ein Einzelgänger, der den Eisschollen folgt. Das sind brutale Tiere.

Aber du hattest gefährliche Begegnungen?
Mit einem Seeleoparden neben einem Eisberg in der Antarktis zu tauchen, war das aufregendste Erlebnis. Die Leute denken, Seehunde - man kennt sie ja aus dem Zirkus, sie sind glücklich und lustig. Aber ein Seeleopard ist ein Einzelgänger, der den Eisschollen folgt und Pinguine jagt. Das sind brutale Tiere und sie haben früher schon Menschen getötet. Und im Gegensatz zu Haien oder Krokodilen sind sie sehr intelligent. Du kannst spüren, wie sie dich untersuchen, und versuchen, deine Schwäche herauszufinden.

Steve Backshall taucht mit einem Hai
Tauchen ohne Käfig © Mark Rackley

Wir sind 35 bis 40 Minuten in eiskaltem Wasser mit diesem Tier gewesen. Am Anfang hat er uns immer wieder seine Zähne gezeigt, um sein Revier abzustecken, aber mit der Zeit hat er sich in einen Rausch hinein gesteigert. Das war wirklich Furcht einflößend. Er hat unsere Flossen gegriffen und in unser Beiboot gebissen. Da haben wir die Aktion abgebrochen. Unser Sicherheitstaucher, der auch als Bodyguard arbeitet, hat gesagt, dass er lieber wieder in Somalia gegen Piraten kämpft, als erneut ins Wasser zu gehen.

Steve Backshall posiert beim Klettern für ein Porträt.
Steve liebt Klettern - trotz eines Sturzes © Tarquin Cooper

Was war die brenzligste Situation?
Mein schlimmstes Erlebnis war Bergsteigen in Wales. Da bin ich dem Sensenmann gerade eben noch mal von der Schippe gesprungen, und das war ganz alleine mein Fehler. [Steve ist nach einem Vorstieg auf den Boden gefallen. Dabei hat er sich den Knöchel zertrümmert und den Rücken gebrochen. Der Rücken ist verheilt, der Knöchel nicht.] Seitdem wurde ich zwölf Mal operiert. Mein Knöchel wurde fixiert, und ich kann nun nicht mehr laufen gehen. Damit werde ich mich mein Leben lang rumschlagen müssen.

Du hast den Cho Oyu, den sechsthöchsten Berg der Welt bestiegen. Ist der Everest als Nächstes dran?
Ich habe überhaupt keine Lust mehr auf Bergsteigen. Für mich war das Besteigen des Cho Oyu ziemlich enttäuschend. Es hat lange gedauert, es war langsam und langweilig. Und da waren so viele Menschen. Berge sollten etwas sein, das sich nach Wildnis anfühlt. Ich würde lieber einen unbedeutenden Gipfel in den Alpen besteigen. Es geht darum, von allem weit weg zu sein, etwas zu erkunden, und nicht anderen Leuten zu folgen.

Steve Backshall posiert mit einem Gerfalke für ein Porträt.
Steve Backshall und Gyrfalcon © Steve Backshall

Du warst in über 100 Ländern. Hast Du Lieblingsländer?
Je mehr ich reise, umso mehr liebe ich meine Heimat, Großbritannien. Die Tierwelt ist vielleicht nicht so spektakulär wie in Afrika, aber es sind unsere Tiere und dort liegt mein Herz.

Das neuste Buch von Steve, Wilds of the Wolf, erscheint diesen Sommer.

@adventuretarq

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