Die härtesten Radrenn-Bergfahrten der Welt

Ohne Schweiß kein Preis: Wir zeigen euch die brutalsten Anstiege der Welt - traust du dich ran?
Selbst an Sommertagen ändert sich das Wetter ständig.
Ein harter Anstieg auf dem Hardknott-Pass © Steve Fleming
Von Nick Warren

Während sich der Fahrradwahnsinn seinem Höhepunkt zuneigt, suchen wir auf der ganzen Welt nach den härtesten Anstiegen, die ihr auf zwei Rädern meistern könnt. Einige von ihnen sind Klassiker, bei denen du dich mit den härtesten Radfahrern der Welt messen kannst. Bei anderen, wie dem Kardung-Pass in Indien, wirst du tief in dich gehen müssen, um bis an die Spitze zu kommen. Wenn du Erfolg hast, wirst du nicht nur mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

Sie zwei Räder nicht dein Ding? Warum versuchst du es dann nicht mit den härtesten Ultramarathons?

Dante’s View: Der Schlund der Hölle

Wo: USA
Länge: 64,8 km
Maximale Steigung: 13 %
Höhenmeter: 1.785 m
Gefahren: Hyperthermie und Tod

Das Death Valley in Amerika ist nicht gerade als toller Radweg bekannt. Im Sommer steigen die Temperaturen regelmäßig auf 49 °C und Namen wie Funeral Mountains, Devil’s Golf Course und Coffin Peak sprechen eine deutliche Sprache. Aber wo sonst auf der Welt kann man in einem Rutsch von unter dem Meeresspiegel bis in eine Höhe von 1.700 Metern fahren?

Beginne Deinen Anstieg bei -85,5 m im trockenen, mit Salz bedeckten Badwater, dem tiefsten Punkt in Nordamerika. Die ersten 25 Kilometer zum Dante’s View hinauf sind beinahe eben und auf den folgenden 30 Kilometern steigt der Asphalt stetig um etwa 4 %. Das Problem an der Sache ist nur, dass der Steigungswinkel mit zunehmender Höhe steigt. Auf den letzten Kilometern hat dieser 13 % erreicht, bevor die Straße an einem kleinen Parkplatz mit Blick auf das Tal endet. Hoffentlich bist Du mehr lebendig als tot, damit du die Aussicht auch genießen kannst.

Athleten beim Red Bull Project Endurance in den Sierra Nevada Mountains in Bishop, CA am 17. Mai 2013.
Radfahrer im Death Valley © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Kardung-Pass: Für Angeber

Wo: Indien
Länge: 39 km
Maximale Steigung: 5 %
Höhenmeter: 1.859 m

Gefahren: Höhenkrankheit und LKW-Fahrer der Armee
Der Kardung-Pass in Indien wird schon lange als die höchste fahrbare Straße der Welt bezeichnet und steht auf der To-do-Liste richtig harter Radfahrer ganz weit oben. Jeder, der es wagt, diese ultra-lange Strecke in Angriff zu nehmen, wird es ziemlich schnell bereuen. Von der Stadt Leh sind es ganze 39 Kilometer bis zum Gipfel. Der Steigungswinkel hält sich zwar bei 5 %, aber die Straße ist nicht gepflastert. Somit kannst du auf den letzten 15 Kilometern Steine und merkwürdige Schneebeulen erwarten.

Da sich die pakistanische und chinesische Grenze in unmittelbarer Nähe befinden, sind LKWs der Armee immer wieder eine Gefahr. Im Vergleich zu dem, was die Höhe mit dir anstellen kann, sind diese allerdings das kleinere Übel. Ab 2.400 Meter können Menschen von der Höhenkrankheit in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Kardung-Pass steigt mehr als doppelt so hoch, wodurch die letzten Kilometer zu einer wahren Tortur werden.

Radfahrer kämpfen mit dem Anstieg von Khardung La.
Vorsicht Höhenkrankheit: Indiens Khardung La © Prabhu B Doss

Passo dello Stelvio: Nur für absolute Masochisten

Wo: Italien
Länge: Von Prato, 24,3 km
Maximale Steigung: 14 %
Höhenmeter: 1.808 m
Gefahren: Psychologische Folter

Aus der Luft sieht der Passo dello Stelvio bösartig und dennoch verlockend aus. Aufgrund seiner Höhenlage ist er nur während des Sommers geöffnet und selbst dann kann es vorkommen, dass jeder, der einen Anstieg wagen sollte, sich durch Schneemauern schlängeln muss. Der Weg beginnt in Prato, auf der Nordseite des Berges, und über 48 anhand von Steinen am Straßenrand nummerierten Haarnadelkurven steigen die Fahrer 1.808 Meter in die Höhe.

Der legendäre Fausto Coppi, Spitzname „Il Campionissimo“ (Champion der Champions) sagte nach seiner Fahrt auf den Berg, dass er während des Anstiegs dachte „ich würde sterben.“ Man kann also getrost annehmen, dass du dich schlechter fühlen wirst.

Radfahrer kämpfen am jährlichen Radfahrtag in Italien mit dem Anstieg des Stelvio Pass.
Radfahrer kämpfen am Stelvio-Pass © Oliver Wieser

Hardknott Pass: Ein Anstieg für Hartgesottene

Wo: England
Länge: 2,6 km
Maximale Steigung: 33 %
Höhenmeter: 315 m
Gefahren: Wind, Regen, streunende Schafe

England hat vielleicht keine Hochgebirge, aber wie die Tour de France 2014 durch die nördliche Grafschaft Yorkshire gezeigt hat, hat auch dieses Land seine Tücken. Der Hardknott Pass im Lake District soll der steilste und härteste des Landes sein.

Ein Weiderost zu Beginn deiner Fahrt bremst dich sofort wieder aus, bevor die Straße überhaupt ihren extrem steilen Anstieg beginnt. Ein paar hundert Meter kannst du dich erholen, bevor es auf Serpentinenstraßen weitergeht, die am höchsten Punkt eine Steigung von über 30 % aufweisen. Wenn du das überstehen solltest, folgt noch ein richtiger Kampf bis an die Spitze. Die meisten der letzten 800 Meter weisen eine Steigung von 20 bis 25 % auf. Die Straße ist relativ offen, also kannst du davon ausgehen, dass Wind und Regen den Spaß noch etwas unterhaltsamer machen.

Zwei Radfahrer kämpfen sich den Anstieg am Hardknott-Pass hinauf.
England - nicht lang, aber steil © Steve Fleming

Mont Ventoux: Wenn Du ohne Qualen nicht leben kannst

Wo: Frankreich
Länge: Von Bédoin, 21,8 km
Maximale Steigung: 11 %
Höhenmeter: 1.611 m
Gefahren: Wind, Hitze, Dauer

Der Mont Ventoux ist ein Klassiker und wird als der Furcht einflößendste Anstieg in Frankreich angesehen. Mit 1.912 Meter Höhe ist dieser allein stehende Berg auch als „der Gigant der Provence“ bekannt. Der Anstieg ist lang, 21,8 km, wenn du in Bédoin losfährst. Und während eines Großteils der Strecke liegt die Steigung der Straße bei etwa 10 %. Bei einem normalen Berg wäre das vielleicht noch ein annehmbarer Winkel, aber wenn du erstmal in den baumlosen höher gelegen Teilen bist, wirst du den sehr starken Wind spüren.

Der Berg ist berüchtigt dafür, dass der englische Radprofi Tom Simpson hier während der 67er-Tour im Alter von 29 Jahren an Erschöpfung gestorben ist. Offizielle Todesursache war Hyperthermie, aber wir sind ziemlich sicher, dass der Brandy und die Amphetamine in seinem Blut nicht gerade hilfreich waren.

Radfahrer am Mont Ventoux.
Mont Ventoux: steil, lang und hart. © AFP/Getty Images

Paso Internacional Los Libertadores: Ein Ausblick, für den manch einer sterben würde

Wo: Chile/Argentinien
Länge: 25km
Maximale Steigung: 14%
Höhenmeter: 1.600m
Gefahren: Höhe, Lastwagen, Kälte

Dieser Pass, der sogar sein eigenes Twitter-Profil hat, schlängelt sich zwischen Chile und Argentinien durch die Anden. Von Los Andes Chile verläuft die Straße in einer perfekt geformten Serpentine bis auf über 3.800 Meter, wo man von einer Christus-Statue empfangen wird. Die ersten 29 Haarnadelkurven führen über 600 Meter vom Tal auf eine Höhe von 2.800 Metern über dem Meeresspiegel. Von dort aus fährt man noch etwa fünf Kilometer bis zu einem chilenischen Kontrollpunkt und dann weitere zwei Kilometer bis zum Anfang einer alten Straße, die auf den Gipfel führt.

Das Erreichen des Gipfels wird durch die Höhe, die felsige, unebene Straße und eine Steigung von 10% deutlich erschwert. Auch der Wind stellt oft eine Herausforderung dar, doch wenn man all das überwunden hat, wird man mit einem unglaublichen Ausblick auf die Serpentine und den Gipfel des Aconcagua, den höchsten Berg Südamerikas, belohnt. Top-Tipp? Man sollte einen warmen Pullover einpacken – im Jahr 2013 saßen 15.000 Chilenen einen Tag lang wegen eines Schneesturms auf der argentinischen Seite fest.

Los Caracoles ist aufgrund der vielen LKWs und Busse für Radfahrer eine gefährliche Strecke.
Paso Internacional Los Libertadores © Pinar Pinzuti

Ötztaler Radmarathon - Der legendäre Kampf um Prestige

Und auch in Österreich gibt es so manche Anstiege, die nicht von schlechten Eltern sind. Der Ötztaler Radmarathon ist insgesamt eine toughe Aufgabe, der sich nur die härtesten unter der Sonne stellen - doch am Ende ist jeder glücklich, dabei gewesen zu sein!

Ötztaler Radmarathon
Wo: Österreich
Länge: 238 km
Höhenmeter: 5.500 Hm
Bergwertungen: 4
Maximale Steigung: 18 % (Ötz – Kühtai, 1200 Hm, 18,5 Km)
Gefahren: Weidevieh entlang der Abfahrten, Hypothermie

Der Ötztaler Radmarathon gilt als das prestigeträchtigste Rennen der Alpen und jedes Jahr kämpfen sich knapp 5.000 Starter über die vier legendären Pässe. 238 Kilometer und über 5.500 Höhenmeter haben die Teilnehmer zu überwinden und als wäre das noch nicht genug, Wind & Wetter, sowie rasante Abfahrten, auf denen man auch schon mal einer wild gewordenen Kuh ausweichen muss, geben diesem Radmarathon das gewisse Etwas.
Die 36. Auflage erfolgt heuer, durch drei verschiedene Klimazonen, die einem das Leben extrem schwer machen können. Von Schneefall bis zu fast tropischen Temperaturen kann alles dabei sein, das zehrt natürlich an der Energie und bringt viele der Teilnehmer an den Rand der Verzweiflung und zur Aufgabe – und nicht, weil die konditionellen Fähigkeiten nicht ausreichen, sondern weil der innere Schweinehund zu groß wird! Und dieser hat natürlich mit den vier Pässen die perfekten Kumpanen: Das steile Kühtai (18 % Steigung) mit der rasant anspruchsvollen Abfahrt, der eher flache, aber taktisch schwierige, Brenner-Pass, der Jaufen-Pass mit seiner Traum-Abfahrt und der Endgegner, das Timmelsjoch.
Vier Etappen, die in wunderschönem Panorama durch die Alpen führen, doch davon bekommen die meisten nichts mit. Es geht ums Überleben, aber wer einmal dabei war, möchte immer wieder dabei sein.

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