Der Mann, der 31 Tage unter Wasser lebte

U-Boote, die aussehen wie Haie? Einen Monat 20 m unter Wasser schlafen? Er hat's gemacht.
Fabien Cousteau taucht während des Troy-Projekts.
Das ist kein Hai, das ist ein U-Boot
Von Brooke Morton

Wenn Jacques-Yves Cousteau dein Großvater ist und du deine Kindheit auf dem berühmten Forschungsschiff Calypso verbracht hast, ist es wahrscheinlich nicht sonderlich überraschend, dass du im Alter von vier Jahren mit dem Tauchen anfängst. Oder dass du ein 4,30 Meter langes, wie ein Hai gestaltetes U-Boot steuerst, dessen Design du dir selber ausgedacht hast, und für die CBS-Sendung „Mind of the Demon“ mit Weißen Haien schwimmst. Oder dass du erst vor Kurzem einen Monat auf dem Meeresgrund im Unterwasserhabitat Aquarius, wenige Kilometer vor Key Largo, Florida verbracht hast. Das ist das Leben des Filmemachers und Meeresforschers Fabien Cousteau.

Fabien Cousteau taucht neben der Aquarius.
Cousteau geht auf eine Forschungsmission © Kip Evans

Sogar deine Schwester hat dich als verrückt bezeichnet, nachdem du Troy, das oben abgebildete, wie ein Hai gestaltetes U-Boot gebaut hattest.
Das Comic-Buch Tintin war meine Inspiration. Ich wollte ein U-Boot erschaffen, dass so unscheinbar und realistisch wie möglich ist, damit ich das natürliche Verhalten der Weißen Haie beobachten konnte.

Du hast darin vier Stunden lang getaucht. Warum?
Darin bei Nacht zu tauchen, war eines der risikoreichsten Dinge, die ich je gemacht habe, aber man muss die Grenzen weiter verschieben, wenn man mehr erfahren möchte. Jedes Mal, wenn ich in das Hai-U-Boot gestiegen bin, hätte etwas schief gehen können. Ich hatte mir keine Sorgen wegen der Haie gemacht - nur wegen menschlicher Fehler bei der Bedienung der Maschine.

Fabien Cousteau taucht bei einem Einsatz.
Cousteau vor dem Aquarius-Habitat © KipEvansMission

Du hast gerade erst 31 Tage lang in einer Tiefe von 18 Metern unter Wasser gelebt. Was war das Verrückteste, was dir dabei passiert ist?
Wir haben gerade im Habitat geschlafen, als eine unsere Kameras einen 270 Kilo schweren Judenfisch aufgezeichnet hat, der ein lärmendes Geräusch von sich gab und anschließend einen 1,20 Meter langen Barrakuda biss. Messgeräte sind durch die Luft geflogen. Noch nie zuvor hatte ich ein so aggressives Verhalten von einem Zackenbarsch gesehen. Und während wir getaucht sind, haben wir riesige, wirbelnde Planktonwolken gesehen, die bei Nacht geblüht haben. Sie sahen wie Tornados und Schneestürme aus.

Die meisten Menschen werden nie die Chance bekommen, unter Wasser zu leben. Das hört sich nach Science-Fiction an.
Das war es. Viele der alltäglichen Dinge waren anders. Du kannst da unten zum Beispiel nicht pfeifen. Deine Haare wachsen viel schneller. Und die Luft war sirupartig - bei drei Atmosphären kann man nur schwer atmen.

Aber dank der Unterwasserforschungsstation, der einzigen dieser Art auf der Welt, sind wir jeden Tag zwischen 6 bis 12 Stunden getaucht. In diesen 31 Tagen haben die Wissenschaftler in unserem Team Daten für drei Jahre gesammelt.

Fabien Cousteau genießt beim Projekt 31 die Aussicht aus seinem kleinen Fenster.
Cousteau im Unterwasserhabitat © Kip Evans

Hattest du auch mal Angst?
Nur vor den Langzeitfolgen. Mein Geschmackssinn hatte sich abgeschwächt - so stark, dass ich scharfe Soße auf alles machen musste, und ich bin kein Fan von scharfer Soße. Ich hatte befürchtet, dass ich meine Geschmacksknospen für immer verloren hatte. Zum Glück sind sie wieder da.

Du bist in der Unterwasser-Community dafür bekannt, dass du gerne mal große Wellen schlägst.
Jeder hat Angst davor, neue Technologien und neue Dinge auszuprobieren. Wenn man von einigen Ausnahmen absieht, verwenden wir immer noch die Technologien, die mein Großvater vor 70 Jahren erfunden hat.

Fabien Cousteau posiert mit einer Schildkröte
Cousteau beim Wasserschildkrötenprojekt

Wo siehst du die größten Probleme beim Tauchen?
Wir sind an einem Punkt, wo die Sauerstofftanks nur halb soviel wiegen sollten, wie sie es im Moment tun. Ich würde gerne einen kleinen Tank aus Carbonfaser sehen, der so gut wie nichts wiegt. Die NASA entwickelt ständig neue Ausrüstungen. Es scheint so, als ob an der modernen Taucherausrüstung nur mehr unnötige Sachen angebracht werden, und das hält uns zurück. Würden wir nicht alle lieber frei unter Wasser fliegen?

Cousteau wird im November einen Dokumentarfilm beim BLUE Ocean Film Fest in St. Petersburg, Florida über Mission 31 zeigen.

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