Der beste Wingsuit-Kameramann der Welt? Er hier!

Ein Wingsuit-Flug mit 5kg an Kameras am Helm? Kein Problem für Noah Bahnson.
Ein Gruppenbild von einem BASE Jump vom bekannten Luftbildfotografen Noah Bahnson
Überleg dir mal, wie das Bild entstand – verrückt! © Noah Bahnson
Von Annette O'Neil

Wenn du die Aufnahmen von Fred Fugen und Vince Reffet gesehen hast, wie sie vom höchsten Gebäude der Welt springen – oder vergnügt auf 10.000 Metern Höhe über den verschneiten Mont Blanc wirbeln – dann hast du die Welt durch Noah Bahnsons Augen gesehen.

soul Flyers - Skycombo
The ultimate skydiving combo

Bahnson ist nicht nur einer der besten Wingsuit-Piloten der Welt – beim Red Bull Aces Wingsuit-Wettkampf letzte Woche belegte er von 52 erstklassigen Teilnehmern Platz zwei – er zählt auch zu den besten Luftbildfotografen der Welt. Er macht die beeindruckendsten Stunt-Aufnahmen in der Luft, die es je gab (natürlich nur, wenn er nicht gerade mit seiner Supermodel-Freundin beschäftigt ist, mit seinem Wingsuit für eine, wie er sagt, „Einwegs-Wanderung“ auf einen Berg steigt oder an Weltrekord-Fallschirmsprüngen teilnimmt). Die Luftsportathletin Annette O’Neil sprach mit ihm während einer seiner seltenen Trainingspausen.

Luftbildfotograf Noah Bahnson überprüft vor einem Fallschirm-Fotoshooting seine Kameraausrüstung.
Vorbereitung vor dem Flug © Dom Daher/Red Bull Content Pool

Die Sprünge, die du mit Fred Fugen und Vince Reffet aufgenommen hast, sind im Internet momentan der Renner.

Dieses Jahr hatten Fred, Vince und ich wirklich viel Glück. Mit der Unterstützung von Skydive Dubai konnten wir ein paar legendäre Sprünge absolvieren, die aber auch große Herausforderungen darstellten.

Ich fliege davon...
Kopfsprung in die Tiefe © Noah Bahnson

Wann hast du mit dem Fotografieren in der Luft angefangen?

Seit ich Fallschirmsprünge mache, habe ich immer eine Kamera dabei. Warum sollte man in der Luft keine Bilder machen? Es ist toll, dass man die Sprünge aufnehmen kann und ich sie so überall hin mitnehmen kann. Die ersten Luftaufnahmen von mir, für die ich wirklich Anerkennung erhielt, waren Teil einer Dokumentation, die ich 2010 drehte. Sie hieß „Birdmen: The Original Dream of Flight“. Der Dreh war sehr interessant, und es war das erste Mal, dass die Leute auf mich aufmerksam wurden. Danach startete ich richtig durch.

Ein Gruppenbild von Wingsuit-Fliegern vom bekannten Luftbildfotografen und Kameramann Noah Bahnson
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort © Noah Bahnson

Bist du eher ein Fotograf oder Fallschirmspringer?

An Land habe ich nicht viel mit Fotografie zu tun. Wenn ich nicht in der Luft bin, nehme ich eigentlich keine Kamera zur Hand. Ich schätze, an Land zu fotografieren, macht mir einfach nicht so viel Spaß. Das Lustige daran ist: Mein Onkel ist Fotograf und daher gehörte das Fotografieren schon immer zu meinem Leben dazu, aber es hat mich nie gereizt. Es hat sogar eine Weile gedauert, bis ich eigene Kameraeinstellungen gewählt habe. Bis vor kurzem habe ich für alles einfach immer die automatischen Einstellungen genutzt.

Luftfotograf Noah Bahnson fotografiert seine Freundin Roberta Mancino beim BASE-Jump von einer Klippe.
Noahs Freundin, Roberta Mancino © Noah Bahnson

Wie bist du zum Fallschirmspringen und BASE-Jumping gekommen?

Ich bin in Santa Fe, New Mexico, geboren und aufgewachsen. Dort habe ich auch mit dem Fallschirmspringen begonnen – und machte meine ersten zehn Sprünge. Dann zog ich nach Florida, um Schiffsmechanik zu studieren. Es stellte sich heraus, dass man in Florida viel Fallschirmspringen kann. Nach der 16-monatigen Ausbildung entschloss ich mich, Vollzeit-Fallschirmspringer zu werden und habe es nie bereut.

In diesem Bild vom amerikanischen Luftfotografen Noah Bahnson trifft Fallschirmspringen auf Fashion-Fotografie
1) Das ist kein Fallschirm 2) Wo sind ihre Schuhe? © Noah Bahnson

Wie lange springst du schon?

Ich mache seit zehn Jahren Fallschirmsprünge. Bisher habe ich etwa 10.000 Sprünge absolviert und habe schon in allen Bereichen des Sports gearbeitet: als AFF-Instructor, Tandem-Master, Freefly- und Wingsuit-Trainer oder Tunnel-Instructor. Letzteres mache ich seit 2008 und ich konnte meine Flugfähigkeiten dadurch sehr verbessern. BASE-Jumping betreibe ich seit neun Jahren und habe seitdem rund 700 Sprünge absolviert.

Ein Formationsfallschirmsprung-Foto über Dubai von dem Luftfotografen Noah Bahnson.
Ein 'X' markiert den Ort über Dubai © Noah Bahnson

Was war für dich als Fotograf und Athlet beim „Burj Khalifa“-Sprung die größte Herausforderung?

Da ich nur eine Chance hatte, um die Aufnahme zu machen, war ich sehr nervös und angespannt und das musste ich unter Kontrolle halten. Außerdem musste ich mich immer auf das konzentrieren, was vor mir war. Auf der Plattform war es schwierig, meinen Puls niedrig zu halten – der Helikopter brauchte drei Minuten, um in Position zu kommen und diese Minuten fühlten sich wie eine Ewigkeit an.

Ich fliege davon...
Schnell runter nach Dubai © Noah Bahnson

Wie war es beim „Mont Blanc“-Sprung?

Na ja, sich aus der winzigen Tür des King Air 200 Flugzeuges mitsamt der Kameras zu quetschen, während ich nah genug an den Jungs bleiben musst, um ihren Absprung zu filmen, war schwierig. Aber am härtesten war es, in der dünnen Luft zu fliegen, sowohl beim freien Fall als auch mit geöffnetem Fallschirm über dem Berg.

Luftfotograf Noah Bahnson filmt Fred Fugen und Vincent Reffet beim Fallschirmsprung am Mont Blanc
Noah, ganz lässig in Jeans auf 10.000m Höhe. © Dom Daher/Red Bull Content Pool

Es ist überraschend schwierig, kraftvoll vorwärts zu kommen, denn da ist nicht viel, was einen beschleunigen lässt. Außerdem fiel es mir schwer, auszublenden, dass es in der Höhe minus 50 Grad Celsius waren. Mir war noch nie so kalt.

Fred Fugen aus Vincent Reffets Perspektive beim Sprung aus 10.000 Metern Höhe über dem Mont Blanc in Frankreich am 31. Mai 2014
Phase 3: Swooping am Mont Blanc © DomDaher/Red Bull Content Pool

Nach welchen Kriterien suchst du deine Kameras aus?

Die Anzahl und die Art der Kameras hängen vollkommen von dem anstehenden Projekt ab. Für gewöhnlich verwende ich eine professionelle Kamera – die Art hängt davon ab, ob es ein Fotoprojekt oder ein Videoprojekt ist. Zudem habe ich dann noch eine oder zwei GoPros als Backup dabei oder um eine andere Perspektive des Sprungs einzufangen.

Ich nehme nie zu viele Kameras mit, denn ein Kopf voller Kameras macht den Job auch nicht einfacher. Wenn viele Kameras am Helm befestigt sind – oder sie sehr groß und schwer sind – beeinflusst das meinen Flug. Das Gewicht erschwert zudem den Start, denn der menschliche Hals ist nicht für so eine Belastung geschaffen.

Noah Bahnson mit Vince Reffet und Fred Fugen vor ihrem Skycombo-Fallschirmsprung 10km über dem Mont Blanc.
Das sind viele Kameras am Helm. © Dom Daher/Red Bull Content Pool

Was liebst du an deiner Arbeit am meisten?

Die ständige Herausforderung. Man muss unglaublich viele Sachen gleichzeitig machen. Ich mache das, was auch die Athleten tun, aber ich muss dabei meinen Kopf vollkommen ruhig halten und die gesamte Aufnahme über einen Ringsight kontrollieren. Das ist überaus schwierig, aber ich liebe es!

Und natürlich kann ich mich kaum über die vielen Fotos beschweren, die ich mit meiner Freundin Roberta Mancino machen darf. [Er lacht.] Sie modelt immer gerne für mich und ihr Ehrgeiz treibt auch mich an. Man könnte sagen, ich bin ein Glückspilz.

Roberta Mancino weiß, wie man während eines BASE-Jump posiert.
So ist also die Perspektive von oben! © Noah Bahnson

Das bist du wohl… und was steht als Nächstes an?

Ich starte in Kürze mit den Dreharbeiten für Stunts für einen großen Film – über den ich nicht sprechen darf. [Er lacht.] Sorry.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der in deine Fußstapfen treten will?

Trag immer einen Gurt.

Werdet mobil! Holt euch die Red Bull App auf redbull.com/app.

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