AFOs über Zuchwil

Am Samstag fand in Zuchwil das zweite Red Bull Hornussen statt - wiederum im Dunkeln
Simon Erni, Stefan Studer, Benjamin Lehmann © Manuel Lopez
Von Mia Fabris

Die Besten der Guten waren am Start, 32 Hornusser aus allen vier Schweizer Teilverbänden. Eine einmalige Chance fürs Publikum, sieht man doch an den Wettkämpfen der Schweizermeisterschaft immer nur zwei Teams. Am Red Bull Hornussen ging es für einmal auch nicht um die Teamleistung: Gesucht wurde der beste Abschläger der Schweiz.

Doch bevor die „echten“ Hornusser am Bock standen, wurde der Sportplatz von Zuchwil noch Schauplatz einer Begegnung der dritten Art: Am Vorabend des Anlasses kamen Roman Josi, Mark Streit, David Aebischer und Martin Gerber vorbei – und die Eishockey-Grössen liessen es nicht beim Besuch bewenden. Zumindest Roman Josi und Martin Gerber offenbarten ein Ausmass an Talent, das sogar Jürg Eggimann, den zweifachen Schlägerkönig und Mitorganisatoren des Zuchwiler Anlasses überraschte: Der Verteidiger der Nashville Predators liess den Nouss nach einigen Versuchen über 240 Meter weit segeln. Eggimann nahm es sportlich: „Ich selber habe das zu meiner Anfangszeit nach vielleicht drei Monaten hinbekommen“, sagte er anerkennend.

Hornusser sind ein eigener Schlag. Richtige Männer allesamt, manche mit der Statur von Modellathleten, andere eher wie Schwinger der alten Schule. Gemeinsam ist ihnen die Freude an ihrem Sport: Obwohl für die besten Hornusser der Schweiz Ende Juli die Zeit wäre, während der sie in die Ferien reisen könnten, weil die Meisterschaft pausiert, hatte Jürg Eggimann nicht die geringste Mühe, die 32 Spieler zusammenzubringen. „Nach der ersten Durchführung letztes Jahr habe ich ausschliesslich positives Feedback bekommen“, freut sich der Zuchwiler. Offenbar liegt den Hornussern daran, dass ihr Sport, der eine jahrhundertelange Tradition hat, den Anschluss an die Gegenwart nicht verliert und auch in Zukunft ein Spektakel ist, das das Publikum in Scharen anzieht.

Rechtzeitig zum Achtelfinal schien die Sonne durch die Wolken, der Regen hörte auf. Immer mehr Leute drängten sich an den Banden, es dunkelte ein. Ab dem Viertelfinal sahen 2‘000 Zuschauer über Zuchwil neongrün leuchtende Punkte, AFOs, altbekannte Flugobjekte, für einmal in neuem Gewand: Der Nouss zog seine Bahn ins Ries, das dem Geschoss heimleuchtete wie eine Landebahn, als futuristisch fluoreszierender High-Tech-Komet am Nachthimmel über dem Wasseramt.

323 Meter lang war wenige Minuten nach Mitternacht die längste Reise so eines AFOs. Verantwortlich dafür: der, den sie „die Maschine“ nennen, Titelverteidiger Stefan Studer, Hornusser seit seinem achten Lebensjahr, 115 Kilo auf 1.91, ein Sportler wie aus dem Bilderbuch, der mit seinem erneuten Sieg beweist, wie anspruchsvoll der Traditionssport Hornussen geworden ist: Studer macht nicht nur Kraft-, sondern auch Mentaltraining. Und vermutlich würde er auch als Eishockeyspieler eine gute Figur machen.
 

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