Bereit für einen 1.000-km-Flug ins Nirgendwo?

Will Gadd und Gavin McClurg fliegen mit ihren Gleitschirmen in unbekanntes Terrain.
Sonnenuntergang über den Columbia Mountains.
Ein weites, unberührtes Tal © Getty Images/Aurora Open
Von Evan Christopher

Am 1. August haben sich Will Gadd und Gavin McClurg auf ein Gleitschirmflieger-Abenteuer von biblischen Ausmaßen begeben: 1.000 Kilometer über die abgelegenen Kanadischen Rocky Mountains. Und diese Reise ist ganz schön riskant – unbekanntes Gelände, alpine Umgebung im Backcountry und viele wilde Viecher verleihen dem Ganzen noch einen zusätzlichen Kick. Haben wir erwähnt, dass es im Verlauf dieser 1.000 Kilometer nur fünf gepflasterte Straßen gibt? Wir haben uns kurz mit den beiden Piloten – die sich zum ersten Mal drei Tage vor der Abreise treffen werden – gesprochen, warum dieser Ausflug etwas ganz Besonderes ist.

Der Jumbo Pass in British Columbia, Kanada
Der Jumbo Pass in British Columbia, Kanada © Getty Images/All Canada Photos

Warum ist dieser Ausflug kein normaler Biwakflug?
Will Gadd: Das ist der längste Gleitschirmflieger-Ausflug, der jemals versucht wurde. Wir gehen an Orte, die nur aus der Luft erreicht werden können. An vielen dieser Orte sind noch nie Gleitschirmflieger geflogen. Es gibt keine Infrastruktur – wir müssen Essen für vier bis fünf Tage mitschleppen. Dagegen sehen die Alpen ganz human aus. Diese wurden schon Jahrhunderte lang von Kühen gemäht; da findet man innerhalb von zwei Stunden von überall aus einen Platz, an dem man abheben kann.

Style spielt auch eine Rolle: Beim Biwakfliegen geht es für mich nicht nur darum, zum Ziel zu kommen. Das Fliegen ist hier der wichtigste Punkt – wir sind Gleitschirmflieger und keine Rucksacktouristen. Unsere Regel lautet, dass jeder Weg in Richtung Ziel mit dem Gleitschirm zurückgelegt werden muss.

Gavin McClurg: Die größte Herausforderung ist die „Tiefe“ der Line – ich bin bisher kein Stück davon geflogen und ein Großteil der Strecke wurde bisher noch mit dem Gleitschirmflieger geflogen. Wir müssen ständig wichtige Entscheidungen treffen: Sollen wir landen oder weiterfliegen? Und die Konsequenzen sind wesentlich schwerwiegender als zum Beispiel in den Alpen, wo es nicht weit bis zur Zivilisation ist.

Toller Blick über einen kleinen See im Banff National Park in Kanada.
Der Banff National Park in Kanada © Getty Images/Vetta

Was sind die größten Risiken?
WG:
Hier gibt es kaum gute Orte zum Landen. Die größten Gefahren sind Flüsse. Sie könnten unsere besten Optionen für die Landung sein, aber sie sind auch gefährlich. Dann gibt es da noch alte Abholzungsgebiete, aber die sind auch nicht ohne. Es ist schon eine Herausforderung. Natürlich stellen die Tiere eine Gefahr da. Ein neugieriger Grizzlybär kann einen schon vor Probleme stellen. Man sollte nicht alleine sein, wenn man einen trifft. Wir nehmen viel Bärenspray mit.

GM: Wenn man es sich auf Google Earth ansieht, dann sieht es Furcht einflößend aus. Viele Bäume, lange Strecken ohne Möglichkeit zur Landung... Und man darf nicht vergessen, dass wir auch irgendwo abheben müssen. Die dafür geeigneten Orte sind auch nicht leicht zu erreichen. Da werden richtige alpine Aufstiege auf uns warten, dazu Flüsse ohne Brücken – die Mücken können einen in den Wahnsinn treiben und Bären einen sogar umbringen.

Ein aggressiver Grizzlybär in den Rocky Mountains.
Aggressiv: Ein Grizzlybär in den Rocky Mountains © Getty Images/First Light

Erzähl uns etwas über deinen Partner...
WG:
Ich glaube nicht, dass wir uns schon mal über den Weg gelaufen sind. Wie ich kommt er aus dem Wildwasser und er ist Segelkapitän. Er hat die richtigen Fähigkeiten, um in dieser Umgebung zurechtzukommen.

GM: Wir haben uns definitiv noch nie getroffen. Aber Will ist die Legende in unserem Sport – er hat nationale Meisterschaften gewonnen und ist früher schon weiter geflogen als alle anderen. Ich habe seine Texte gelesen und seit Jahrzehnten seine Abenteuer verfolgt, deswegen ist es für mich richtig cool, einen Ausflug mit so einer Ikone zu machen.

Toller Blick über einen kleinen See am Mount Robson.
Mount Robson Provincial Park © Getty Images/All Canada Photos

Vorhersagen?
WG:
Ich weiß gar nicht, wie unsere Chancen stehen. Wenn die Flugbedingungen gut sind, wird es schwierig, aber wenn sie schlecht sind, ist es aussichtslos.

GM: Im Moment sehen die Wettervorhersagen richtig gut aus. Ich hoffe auf lange Flüge in den ersten paar Tagen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass schon mal ein extremeres Gleitschirmflieger-Abenteuer versucht wurde.

Das Abenteuer soll am Freitag den 1. August beginnen – aufgrund der abgelegenen Orte sind tägliche Updates nicht möglich, aber ihr könnt den Jungs über ihren Tracker folgen. Ansonsten schaut hier nach ihrem Ausflug wieder rein, dann haben wir tolle Bilder und Videos für euch.

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