Masherbrum, der härteste Bergaufstieg der Welt

Eine der letzten großen unbezwungenen Routen der Welt
Die unbestiegene Nordostwand des Masherbrum im Sonnenlicht.
Die unbestiegene Nordostwand des Masherbrum © Andreas Gradl/Red Bull Content Pool
Von Josh Sampiero

David Lama ist nicht bekannt dafür, dass er es sich leicht macht – doch selbst seinen Maßstäben entsprechend stellt die Nordost-Seite des Masherbrums eine respekteinflößende Herausforderung dar. Eine der wenigen Routen im Himalaya, die noch niemals wirklich getestet worden ist – lediglich zwei Gruppen haben einen Versuch überhaupt in Erwägung gezogen – und selbst nach einer sechswöchigen Observierung vergangenen Frühling durch Lama und seine Partner Peter Ortner und Hansjörg Auer bleibt die Seite faktisch unerklettert. David erklärt uns die Route, und was sie so respekteinflößend macht.

David Lama und seine Crew auf der Reise.
Schon die Anreise ist eine überwältigend. © Andreas Gradl/Red Bull Content Pool

Masherburn ist nicht der Everest – in Wahrheit ist er viel schwieriger.
Ja, er ist einer der am seltensten erkletterten Berge der Welt. Er hat all die Höhen und eine exponierte Lage wie der Everest, doch zur Besteigung benötigt man viel größere technische Fertigkeiten. Innerhalb von 75 Jahren hat es nur 15 erfolgreiche Gipfelbesteigungen gegeben.

Und keine über die Nordost-Seite.
Vor uns haben nur zwei Gruppen überhaupt darüber nachgedacht, die Nordost-Seite zu erklettern – ein paar Amerikaner und eine osteuropäische Gruppe. Sie sind nicht sehr weit gekommen, also gibt es faktisch keine Informationen über den Aufstieg, die uns bei unseren Planungen und unserer Strategie behilflich sein könnten.
 

David Lama und Peter Ortner beim Packen.
David Lama und Peter Ortner bei der Vorbereitung © Andreas Gradl/Red Bull Content Pool

Was wisst ihr denn überhaupt?
Es ist eine der schwierigsten unerkletterten Routen, die auf der Welt noch übrig sind – ungefähr wie der Eiger mit dem Cerro Torre obendrauf. Ein hoher Anstieg, er beginnt bei 4.800 m und endet bei 7.821 m. Im Vergleich mit dem Cerro Torre ist er doppelt so groß und doppelt so hoch – es ist viel komplexer, man ist viel länger an der Wand, der Abstieg ist viel schwieriger. Und da es noch niemand versucht hat, kann man nicht aus den Fehlern anderer lernen. Oh, und er ist viel abgelegener – das Basislager ist vier oder fünf Tage vom nächsten Dorf entfernt.
 

David Lama posiert für ein Porträt.
David Lama im Basislager © Andreas Gradl/Red Bull Content Pool

Ihr seid ziemlich lange in einem Basislager gewesen.
Ja, wir steckten einen Großteil des Trips in schlechtem Wetter fest – wir hatten also viel Zeit im Basislager. Deshalb hatte ich auch einen Stuhl umgeschnallt – wenn man so viel sitzen muss, dann will man auch etwas haben zum Draufsitzen!
 

David Lama, Peter Ortner und Hansjörg Auer klettern den Masherbrum.
David Lama, Peter Ortner und Hansjörg Auer © Manuel Ferrigato/Red Bull Content Pool

Was denkst du, wie lang es dauern würde? Wie weit seid ihr gekommen?
Ich denke, man klettert so fünf oder sechs Tage. Wir sind nur ca. 400 m über das Basislager gekommen. Als das Wetter besser wurde, wurde es so warm, dass der Schnee zu weich wurde, um vorwärtszukommen, was die Sache echt verlangsamte – und die einzige Methode, die hier in Frage kommt, ist „leicht und schnell“. Das Klettern ist einfacher als weiter oben, doch Séracs, Eisrutsche, Steinschlag und Lawinen stellen große Gefahren dar.

Was heißt leicht?
Wir wollten es so leicht wie möglich, zwischen zehn und 13 kg pro Person – inklusive Seil und Schutz.

Gibt es noch weitere Einzelheiten zum Aufstieg?
Der mittlere Abschnitt sieht ziemlich blank aus, wir müssten also das Eis beklettern. Die Gipfelwand beginnt dann bei 7.000 m und es scheint eine der höchsten und schwierigsten Gipfelwände der Welt zu sein. Das bedeutet Mixed-Klettern, ganz weit oben.

 

 

David Lama bereitet seine Ausrüstung vor, um den Masherbrum in Pakistan zu besteigen.
David Lama bereitet seine Ausrüstung vor © Manuel Ferrigato/Red Bull Content Pool

Als ihr über das Basislager hinausgekommen seid, was ist dann passiert?
Wir kletterten nach oben, und links und rechts kamen uns Lawinen entgegen. Da wir im weichen Schnee so langsam unterwegs waren, konnten wir uns nicht an unseren Plan halten, es gab keine Chance, den Gipfel zu erreichen. Wir entschieden, dass uns ein weiter Aufstieg in Lebensgefahr bringen würde, also entschlossen wir uns zum Abstieg.

Eine schwierige Entscheidung?
Klar, war es schwierig, nicht weiter zu klettern. Man investiert so viel Zeit und Energie, dass man da auch was von haben will. Es dauert sechs Wochen, um dort hinzugelangen und sich zu akklimatisieren, und dann ist das natürlich enttäuschend, wenn man keine Chance zum Klettern erhält. Doch es war die einzig sinnvolle Entscheidung.
 

David Lama balanciert auf seinem Weg zum Masherbrum.
David Lama balanciert im Basislager © Manuel Ferrigato/Red Bull Content Pool

Wann kehrt ihr zurück?
Diese Trips verlangen viel Zeit und Motivation. Nach drei Jahren in Pakistan ist es nächstes Jahr Zeit für etwas Kleineres, wofür man nicht zweieinhalb Monate braucht! Die letzten drei Jahre kamen wir nach dem Winter, indem wir Ski fuhren und Eiskletterten, direkt nach Pakistan oder Argentinien. Es wird Zeit, die Daunenanzüge auszuziehen und im T-Shirt klettern zu können.

Nach was sollen wir googeln, um mehr herauszufinden?
Nach gar nichts. Es geht nicht. Keine Teilstrecke hat einen Namen, es gibt keine eingezeichnete Linie … es ist eine komplett blanke Karte. Das macht es für uns ja so interessant.

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