Psicobloc: Die wildeste Art, zu klettern

Fans der Disziplin finden: Deep Water Soloing – oder Psicobloc – ist Klettern in Reinform.
Von Tarquin Cooper

Es wäre durchaus verständlich, wenn die Kletterform „Psicobloc“ euch nicht sofort ein Begriff ist. Die Disziplin ist auch als „Deep Water Soloing“ bekannt und beinhaltet das Klettern an Meeresklippen ohne Seil oder Ausrüstung. Wer den Halt verliert, fällt ins Wasser. Die Sportart hat aber deutlich mehr zu bieten, behaupten Kletterer wie Chris Sharma und Eneko Pou. Im Folgenden listen wir die Gründe auf, die Psicobloc zu etwas Besonderem machen.

1. Die Freiheit

„Für mich ist es die coolste Kletterform überhaupt“, sagt Sharma. „Ohne Seil zu klettern, ist ein fantastisches Gefühl, allerdings bedeutet ein Sturz den Tod, deshalb muss man unter seinem Limit bleiben. Das Schöne am Psicobloc ist die Tatsache, dass man dabei eben doch ans Limit gehen kann. Ohne Seil bis an seine Grenzen zu gehen – das ist Klettern in Reinform.”

Der amerikanische Kletterer Chris Sharma beim Deep Water Soloing ohne Seil oder sonstige Unterstützung auf den Klippen der spanischen Insel Mallorca
Chris Sharma findet: DWS ist Klettern in Reinform © Jimena Alarcón

2. Man kann Badehose tragen

„Es ist zugleich ein Wassersport“, erklärt Sharma. „Man verbindet Berg- und Surfkultur. Kletterer tragen traditionell Wanderstiefel und Regenkleidung. Wir tragen Boardshorts und Flip-Flops. Ich bin am Strand aufgewachsen, deshalb passt das zu mir.“

Der amerikanische Kletterer Chris Sharma beim Deep Water Soloing auf den Klippen der spanischen Insel Mallorca
Auch so kommt man runter... © Jimena Alarcón

3. Unglaubliche Locations

Beim Deep Water Soloing sind die Locations allein deshalb spektakulär, weil man hoch über dem Ozean klettert, häufig über tosender Brandung.

„Manchmal sind die Wellen höher als die Klippe. Die Energie ist so stark, dass man spürt, wie die Klippen vibrieren - sehr aufregend“, so Sharma.

Zum Klippenklettern gibt es großartige Locations in Thailand, Kroatien und England, aber ein Ort übertrifft sie alle – die spanische Insel Mallorca, wo die Sportart als Psicobloc bekannt ist. „Es ist das Mekka, von dem alle träumen“, erzählt Chris. „Mallorca ist die Nummer eins – eine wunderschöne, gut zugängliche Insel mit perfekten Felsen.“

James Pearson auf einer der besten Routen von El Nido – Double Barrel auf den Philippinen
James Pearson auf der Double Barrel © Francisco Taranto Jr – FotoVertical

4. Man kann das Paradies erkunden

Beim Deep Water Soloing kann man neue, großartige Orte entdecken, sagt James Pearson. Gemeinsam mit seiner Frau Caroline Ciavaldini ist der Kletterer vor kurzem von einem DWS-Trip auf den Philippinen zurückgekehrt.

„Wir hatten gehofft, ein paar gute DWS-Routen zu entdecken, aber was wir dann vorgefunden haben, hat alle Erwartungen übertroffen. Ein Paradies aus türkisfarbenem Meer und Inseln, die bislang noch nicht erklettert wurden. Die Klippen sind perfekt und haben das Potential, zu einem der besten DWS-Ziele der Welt zu werden!“

James Pearson beim Deep Water Soloing auf Sangat Island (Philippinen)
Auf den Philippinen kann man abhängen... © Francisco Taranto Jr – FotoVertical

5. Dünn zu sein, ist nicht von Vorteil

„Man muss in der Lage sein, ein paar Schläge einzustecken“, so Sharma. „Das gehört dazu. Wer dünn ist, hat deshalb keinen Vorteil – man verletzt sich dann leichter.“

Völlig risikofrei wird die Sportart niemals sein, aber die Risiken lassen sich minimieren. Chris erklärt, dass man im Sturz die Körperposition korrigieren kann, um zuerst mit den Füßen ins Wasser zu tauchen. Aber nur, wenn man in einer solchen Situation völlig entspannt bleibt. „Wer in Panik gerät, macht das Falsche.“

Zu den möglichen Verletzungen zählen geplatzte Trommelfelle, Prellungen und Knochenbrüche – und eine Behandlung, die man wahrscheinlich lieber vermeidet: Einläufe! „Man muss zudem ein guter Schwimmer sein“, ergänzt Sharma.

Eneko Pou am 14.  Dezember 2012 beim Red Bull Psicobloc am Lago General Carrera in Coyhaique (Chile)
Eneko Pou über dem kühlen Wasser von Chile © De Heeckeren / Red Bull Content Pool

6. Kaltes Wasser steigert den Erlebnisfaktor (macht ihn aber nicht besser)

Vor einigen Jahren fand der DWS-Contest Red Bull Psicobloc in den eiskalten Gewässern von Patagonien statt. „Das Wasser hatte nur 6 Grad“, erinnert sich Eneko Pou (oben im Bild). „Im Boot haben wir Jacken und Mützen getragen. Es war wirklich sehr, sehr kalt. So hart war Psicobloc noch nie!“

Die Kälte bedeutet auch, dass ansonsten großartige DWS-Locations wie die Südwestküste Englands nur die besonders abgehärteten Kletterer anlocken. „Warmes Wasser ist besser“, so Eneko.

Eneko Pou am 19. Februar 2011 im Talhado Canyon in Delmiro Golveia (Brasilien)
Eneko präsentiert ein paar Moves in Brasilien © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool

7. Das Sozialleben

Auf Mallorca gibt es nicht nur warmes Wasser, sondern auch viele nette Menschen. „Meine Freunde sind hier“, erzählt Sharma. „Die Insel ist wie ein zweites Zuhause.“

„Es gibt hier viele Leute aus Deutschland, England, Österreich und den USA“, ergänzt Pou. „Der Ort ist perfekt.“

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