Dieser Mann ist ein legendärer Weltumsegler

Kaum jemand reiste so schnell (und oft) wie der Forscher und Segler Michel Desjoyeaux um die Welt.
Michel Desjoyeaux posiert für ein Portrait.
YJa, Michel Desjoyeaux ist DER erfolgreiche Segler © Pauce
Von Joshua Sampiero

Als wir Michel Desjoyeaux anriefen, schenkte er uns keine Beachtung. Er sprach gerade mit einem Mitglied der Crew über das Tuning des 22m langen Team Campos. Das Boot wird ihn und seine Crew beim 2014 Volvo Ocean Race (VOR) um die Welt tragen, und die Frage war, wie schnell sie es segeln können. Nachdem die Einstellung zu aller Zufriedenheit geklärt war, wandte sich der legendäre Weltumsegler von der Pinne ab und schenkte uns am Telefon seine Aufmerksamkeit.

Du bist jemand, der gefährlich lebt. Warst du schon dein ganzes Leben lang so?
Nun, meine Eltern waren Leute, die am Rande der Normalität lebten – sie waren freie Denker, noch bevor freies Denken cool wurde. Sie brachten mir bei, zu tun, was ich wollte, ohne besorgt darüber zu sein, was die anderen Leute über mich denken würden. Sie brachten mir bei, zu tun, was ich wollte – solange ich es mit vollem Engagement tat.

Michel, du bist für deine Weltumseglungen bekannt – doch dies ist nicht dein erstes Rennen auf einem Boot mit einer Crew.
Man kennt mich dafür vor allem, weil daraus immer die besten Medienberichte werden – aber auch wenn ich mehr als 30 Tage über die Meere gesegelt bin, habe ich mehr als 400 als Mitglied einer Crew mitgemacht. Diese Art von Rennen ist also für mich nichts Neues!

Michel Desjoyeaux segelt beim Yacht-Rennen Vendee Globe.
Kurz vor dem Ziel, nach der Weltumseglung 2009 © MARCEL MOCHET/AFP/Getty Images

Was unterscheidet dieses Volvo Ocean Race von vorherigen Rennen?
Dies ist das erste „One-Design“-Rennen, das heißt, alle Boote müssen sich an sehr genaue Regeln halten in Bezug auf das, was erlaubt ist, und was nicht. Wir werden alle die gleichen Werkzeuge zur Hand haben. Mein Segeln hat immer technische Fortschritte implementiert – das wäre nicht möglich gewesen, hätten wir nur One-Design-Rennen gehabt. Gäbe es nur One-Design, wären wir niemals so schnell, wie wir es heute sind! Einige Freunde und ich, wir wollten eine Webseite erschaffen – ihr Name sollte, übersetzt, lauten: „Es wird nie funktionieren“. Wir wollten all die Dinge dokumentieren, von denen irgendjemand irgendwann behauptet hat, dass sie niemals funktionieren würden – und die dann eine ganze Branche revolutioniert haben. Es geht nicht nur darum, eine Methode zu erfinden – oft geht es darum, wie man sie umsetzt.

Michel Desjoyeaux feiert beim Yacht-Rennen Vendee Globe.
Desjoyeaux feiert den Sieg beim 2009 Vendee Globe © MARCEL MOCHET/AFP/Getty Images

Das VOR ist für oft haariges Wetter bekannt – damit kennst du dich aus.
Ich habe schon so einige Stürme erlebt! Doch bei diesem neuen Kurs werden wir uns nur kurz in der Region „Roaring Forties“ zwischen Indien und Brasilien aufhalten.

Irgendwelche Erinnerungen an brenzlige Momente bei den früheren Volvo Ocean Races?
Ich war schon drei Mal dabei und wir hatten jedes Mal einige Probleme. Das erste Mal war 1985, als wir im Südatlantik in schnelleres Fahrwasser gerieten. Wir fuhren gegen den Wind, der Wind war stark, die Wellen hoch. Wir wussten, dass wir einige Lecke hatten und schöpften alle paar Stunden Wasser aus dem Boot. Während des Ausschöpfens hörten wir ein lautes Geräusch – es war kein Knall, sondern ein Knacken. Wir wussten, dass der Rumpf brüchig war. Das Problem lösten wir dann mit einem Teil eines wasserdichten Schutzwalls, einigen Schwimmwesten und Teilen des Tauwerks.

Michel Desjoyeaux nimmt am Route du Rhum teil.
Am Start des Rhoute du Rhum © Getty Images

Wie bereitet ihr euch auf die längeren Etappen beim VOR vor?
Die zwei längsten Etappen dauern jeweils 35 Tage. Auch wenn der Bereich klein ist, in dem unser Büro, die Küche und der Schlafraum liegen – 40 Quadratmeter für neun Personen – ist der Wettkampf wichtiger als persönliche Meinungsverschiedenheiten. Für die langen Etappen nehmen wir mehr Vorräte und mehr Ersatzteile mit. Alles ist solide designed – selbst wenn wir an die Grenzen gehen, bei einer korrekten Nutzung sollten keine Probleme auftreten. Das Boot ist nicht nur für hohes Tempo gebaut – es ist auch so gebaut, dass es stark und zuverlässig ist. Aber wir sind keine Roboter, sondern Menschen – und Menschen machen Fehler! Daher müssen wir Ersatzteile für den Motor, die Segel und die Seile mitnehmen. Das sind die wichigsten Dinge, an die wir denken müssen.

Welches sind beim bevorstehenden Rennen die größten Gefahren?
Etwas bei maximaler Geschwindigkeit zu rammen – einen Transportcontainer, oder einen Wal, mit 30 km/h. Sicher, ein Wal ist weicher – aber das ist dennoch eine ganze Menge Fleisch im Wasser! Nein, ehrlich, das Schlimmste ist, wenn ein Mann über Bord geht. Wenn so etwas passiert, dann sind die Bedingungen nicht einfach – wir segeln schnell, oft ist es dunkel. So etwas wünscht sich keiner!

Welche Art des Segelns gefällt dir am meisten?
Alle Arten. Stell dir vor, du spielst gerne mit einem Ball – du kannst mit den Füßen, mit den Händen, mit Netzen, mit Toren spielen. Segeln ist genauso – es gibt viele verschiedene Weisen zu segeln. Aber mir gefällt einfach Segeln an sich – egal, ob One-Design oder offene Klasse.

Wie gehst du mit Problemen um?
Der Vorteil daran, dass ich ein alter Kerl bin, ist, dass ich schon viele Probleme erlebt habe. Wenn also wieder eins auftritt, dann weißt du, es ist nur ein weiteres Problem, für das du eine Lösung finden wirst.

Dies gehört zu unserer Serie #Explorer. Unten findet ihr weitere ausführliche Profile von weltbekannten Abenteurern.

Michel Desjoyeaux posiert für ein Portrait.
Desjoyaux hat wirklich die Erde umrundet © Pauce
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