Sasha DiGiulian macht die Reise der Wahnsinnigen

Trotz persönlicher Verluste besteigt Sasha DiGiulian als erste Frau diese große Felswand.
Von Andrew Bisharat

Die meisten College-Studenten verbringen den Sommer mit Partys, aber Sasha DiGiulian, eine professionelle Kletterin von der Columbia University, wollte unbedingt eine der härtesten und längsten Routen in den Alpen erklimmen: Ein 300 Meter langer Abschnitt eines Felsens namens Zahir Plus.

Die amerikanische Kletterin Sasha DiGiulian klettert zum ersten Mal die Viaje de Los Locos in Sardinien in Italien
Sasha konzentriert sich auf ihren nächsten Move © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

DiGiulian wandte sich an einen der Kletterpartner, denen sie am meisten vertraut, Edu Marin, und zusammen planten sie ihr Abenteuer am Zahir Plus – ein toller Weg, um den Sommer ausklingen zu lassen.

Allerdings lief bei Zahir Plus nichts nach Plan. Das Leben verlief nicht nach Plan.

„Mein Vater war vollkommen gesund und zwei Wochen später ist er plötzlich verstorben“, sagt DiGiulian in dem Video, was ihr euch oben ansehen könnt. John DiGiulian wurde plötzlich krank und starb am 29. Juni. Er hinterlässt Sasha, seine Frau Andrea und seinen Sohn Charlie.

Edu Marin klettert die Viaje de Los Locos in Sardinien, Italien.
Edu sucht den passenden Griff © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

„Mein Vater war ein Träumer“, sagt Sasha. „Er hat davon geträumt, Dinge zu erreichen, die größer waren, als er selbst. Er hat mir beigebracht, meinem Herzen zu folgen, und meinen Leidenschaften im Leben nachzugehen.“

Mit Zahir Plus wollte sie das Andenken an ihren Vater ehren, der sie immer dazu angetrieben hatte, ihre Ziele zu erreichen. Als DiGiulian und Marin allerdings in der Schweiz ankamen, wurde das ganze Land von unermüdlichen Regenfällen heimgesucht. Die Strecke war klatschnass. Hier lief das Wasser wie bei einem Wasserfall.

Die amerikanische Kletterin Sasha DiGiulian klettert als erste Frau die Viaje de Los Locos in Sardinien, Italien
Ein Einblick auf die Größe der Felswand © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

„Edu und ich haben miteinander gesprochen und erkannt, dass wir hier kaum klettern und auch kein anderes Projekt finden würden“, erklärt DiGiulian.

Also wandten sie sich an Dani Andrada, ein hervorragender Routenentwickler und Kletter, um von ihm einige Vorschläge zu bekommen. Andrada erwähnte eine Strecke, die er vor einigen Jahren auf Sardinien geklettert war. Sie war etwa 300 Meter lang, sehr schwer und zog sich wirklich lang hin. Und sie war seit 2002 nicht mehr geklettert worden. Der Name der Route:

„Viaje de los Locos“, sagte Andrada kichernd. Die Reise der Wahnsinnigen.

„Und der Name war wirklich zutreffend“, meinte Sasha. Marin und sie buchten am nächsten Tag die Tickets für Sardinien. Das einzige Problem war, dass die Viaje de los Locos größer, härter und mächtiger war und dazu noch über viel mehr Moves verfügte, bei denen es auf die Reichweite ankam. Und sie war Furcht einflößender. Das würde kein Zuckerschlecken werden.

Die amerikanische Kletterin Sasha DiGiulian klettert als erste Frau die Viaje de Los Locos in Sardinien, Italien
Nur ein weiterer Tag an der Wand © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Um eine harte Big-Wall-Route zu überwinden, braucht man Kraft, Ausdauer, perfekte Durchführung und einen kühlen Kopf, um in 300 Metern Höhe auch die beste Leistung abrufen zu können. Nachdem sie alle Gefälle trainiert hatten, fühlten sich DiGiulian und Marvin bereit, um sich an der Route zu versuchen, und sie in einem Stück vom Boden an zu meistern.

„Ich dachte nur: Okay, ich mache das jetzt einfach“, sagte DiGiulian. „Ich hatte diesen Moment der Klarheit, wo mir bewusst wurde, dass ich nicht fallen würde. Beim Klettern ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Ich war wie gelähmt vor Angst.“

Sasha DiGiulian und Edu Marin bereiten ihre Ausrüstung für die Viaje de Los Locos in Sardinien, Italien vor.
Energie tanken und Spaß haben © Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Während des Ausflugs dachte DiGiulian häufig an ihren Vater, der seine Wurzeln in Italien hatte. Sie hat seine Gegenwart gespürt und seine Stärke mit hierher genommen. Ihr war klar, dass ihr Vater genau das von ihr gewollte hätte, dass sie genau hier ist und einen ihrer Träume verwirklicht.

„Sardinien war schon fast Schicksal. Ich war so verunsichert was das Klettern angeht. Ich habe mich gefragt, ob ich das überhaupt schaffen kann. Als ich dort ankam, wusste ich nicht, ob ich die Route schaffen könnte. Und jetzt habe ich es geschafft.

„So wie der Ausflug gelaufen ist – weil ich gedacht habe, dass ich es nicht schaffen würde, und weil mein Vater bei diesem Aufstieg bei mir war – war es für mich das beste Klettererlebnis meines Lebens. “

Wenn ihr weitere Informationen wollt, dann folgt Sasha DiGiulian auf Instagram und Twitter.

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