Allein um die Welt in einem Strandkatamaran

Die Welt zu umsegeln, ist eine Sache. Aber es allein in einem Katamaran zu wagen, eine ganz andere!
© Pauce
Von Will Gray

Ist das der extremste Segeltörn aller Zeiten? Der Schweizer Segler Yvan Bourgnon tauschte seinen Hochgeschwindigkeits-Katamaran gegen einen kleinen, offenen Strandkatamaran, um damit um die Welt zu segeln. Er plante, die 50.000 Kilometer Seeweg in etwa einem Jahr zu bewältigen. Außerdem war Bourgnon ohne GPS und computergestützte Navigation unterwegs und verließ sich ganz klassisch auf Sextant und Kompass: „Segeln nach Gefühl“, wie er es beschreibt.

Wo befindet er sich jetzt? Nach einem verheerenden Unfall in Sri Lanka, dessen emotionale Folgen ihr oben im Video nachempfinden könnt, muss er gerade eine Zwangspause einlegen. Er wird den letzten Abschnitt Ende des Jahres fortsetzen. Yvan Bourgnons Boot liegt momentan in Sri Lanka und er sammelt Geld für die Reparatur, um seine Reise beenden zu können. Ihr könnt ihn auf seiner Crowdfunding-Seite unterstützen.

Eine Frage: Warum?
Ich wollte herausfinden, ob jemand unter so harten Bedingungen eine so lange Zeit ohne Schutz überleben kann. Bei den meisten Abenteuern haben die Leute etwas, das ihnen Schutz bietet, Zelt, Iglu, Hütte, was auch immer. Mein winziger Strandkatamaran hat keine Verkleidung. Mir sind jede Nacht beim Schlafen die Wellen ins Gesicht gekracht, und das über Monate.

Du bist bereits zu Beginn einmal im Atlantik gekentert. War das ein Weckruf für dich?
Ja. Da wäre ich fast abgesoffen. Das Boot lag auf der Seite und fuhr etwa zehn Knoten schnell. Die Sicherheitsleine zog mich unter Wasser. Das war schrecklich, denn ich wusste nicht, ob ich das Boot wieder aufrichten könnte. Wir hatten es zwei Tage vor dem Start umgebaut, weil ich es nicht aufrichten konnte. Aber ich hatte es danach nicht mehr getestet.

Der Schweizer Segler Yvan Bourgnon segelt im offenen Katamaran allein ohne GPS-Unterstürzung um die Welt
Yvan Bourgnon erlebt "Waterworld" ganz real © Yvan Bourgnon

Du hast den Atlantik, den Pazifik und den Indischen Ozean überquert, das Boot dann aber in ruhigem Wasser vor Sri Lanka auf den Strand gesetzt. Wie ist das passiert?
Ich hatte seit vier Tagen nicht geschlafen und war zwei Stunden vom Hafen entfernt. Ich war in sehr schlechter Verfassung, hatte Halluzinationen und wäre fast mit einem Frachter kollidiert. Ich wusste, dass ich dringend Schlaf brauchte, sonst wäre ich im Hafen irgendwo gegengefahren.

Ich schaltete den Autopilot an, doch als ich aufwachte, war ich mitten in der Brandung und das Boot knallte auf die Felsen. Ich wurde herausgeschleudert und steckte unter dem Boot fest. Ich dachte, ich würde unter meinem Boot sterben. Ich bekam keine Luft. Mein Boot war völlig zerstört, doch ich überlebte. Das war eine sehr emotionale Situation!

Der Schweizer Segler und Abenteurer Yvan Bourgnon am Ruder seines offenen Katamarans, mit dem er allein und ohne GPS die Welt umsegeln will
On-board-Selfie © Yvan Bourgnon

Wie schläfst du auf dem Boot?
Selten mehr als 15 Minuten am Stück! Meistens sind es fünf, sechs, sieben, höchstens zehn Minuten, aufwachen, wieder einschlafen – und das über fast ein gesamtes Jahr! Ich lernte, mit dem Schot unter Spannung in der Hand zu schlafen. Das ist ein Grund, warum ich selten gekentert bin, denn so konnte ich das Segel in kürzester Zeit stabilisieren.

Der Schweizer Segler und Abenteurer Yvan Bourgnon verkleidet als der Ferdinand Magellan, der portugiesische Entdecker aus dem 15. Jahrhundert
Bourgnon – ein moderner Magellan! © Pauce

Was war der schlimmste Sturm, den du erlebt hast?
Der Monsun im Indischen Ozean vor der Küste Sumatras war heftig. Ich hatte noch nie so starken Regen erlebt, 15 Stunden ohne Unterbrechung. Der Wind blies mit bis zu 120 km/h. Da kann man mit einem leichten, kleinen Strandkatamaran locker abheben. Selbst ohne Segel war ich bis zu 25 Knoten schnell! Die Windrichtung drehte sich innerhalb von Sekunden um 180 Grad, aber der Himmel war so dunkel, dass man das nicht einschätzen konnte. In der Nacht bin ich fast 30 Mal gekentert.

Porträt des Schweizer Seglers Yvan Bourgnon, der als erster Segler die Welt in einem Katamaran ohne GPS-Unterstützung umsegeln will
Bourgnon ist es gewohnt, nass zu werden © Pauce

Wie gehst du mit lebensbedrohlichen Situationen um?
Man darf nicht in Panik verfallen. Ich habe mir immer gesagt: Sobald du in Panik gerätst und etwas machst, dass du nicht beherrscht oder kontrollieren kannst, hörst du auf. Es gab vier, fünf Situationen, die ich nicht überlebt hätte, wenn ich nur ein bisschen in Panik geraten wäre.

Welcher Augenblick hat dich bisher am meisten überwältigt?
Als ich Vanuatu verließ, hatte ich ein Problem mit dem Ruder und musste anhalten. Es gab nur einen Ort in der Nähe, eine kleine Sandinsel, 400 Meter breit und einen Meter hoch. Sonst gab es im Umkreis von 3000 Kilometern nichts. Ich verbrachte anderthalb Tage dort. Das war überwältigend.

Der Schweizer Yvan Bourgnon segelt im offenen Katamaran allein ohne GPS-Unterstürzung um die Welt
Für Bourgnon ist das ruhiges Wasser © Yvan Bourgnon

Du bist jetzt wieder seit längerem an Land. Wie ist das bisher?
Schrecklich! Der Trip hat meinen Geist und meinen Körper verändert. Ich bin zu einem Wilden geworden. Als ich nach Paris zurückkam, war ich völlig desorientiert. Ich verlor meine Tasche, ließ meine Schuhe im Restaurant stehen und verlor viele Dinge.

Ich weiß heute mehr denn je, dass ich nicht an Land leben möchte.

Im November geht es zurück aufs Wasser. Geht der Rest der Strecke durch eher ruhige Gewässer?
Nein! Das erste größere Hindernis ist der Monsun, dann die Piraten im Arabischen Golf. Dort sind seit sechs Jahren keine kleinen Segelbooten mehr gewesen, wir wissen also nicht, wie problematisch das sein wird. Aber ich bin schnell und bei mir gibt es nichts zu holen. So komme ich da hoffentlich durch!

Yvan Bourgnon: Segler und Forscher
Bei starkem Wind heißt es: Fliegen! © Yvan Bourgnon

Nehmen wir mal an, dass alles glatt geht. Was machst du als nächstes?
Ich glaube wirklich, dass es möglich ist, die Antarktis in einem Strandkatamaran zu umsegeln. Die Strecke ist kürzer, dafür ist es sehr kalt. Viel Eis, viele Stürme. Allein würde ich das nicht schaffen, aber mit einem neuen Boot, einer Crew und mehr Vorhersagen könnte es klappen...

Cool, oder? Finden wir auch! Mehr gibt es auf unserer Facebook-Seite.

read more about
Zur nächsten Story