Dies ist der verrückteste Flugapparat aller Zeiten

Stephane Roussoun wird von Nizza nach Korsika fliegen – an der Unterseite eines Zeppelins.
Stephane Rousson testet sein "Aerosail" hoch oben in der Luft.
Ein Abenteuer ganz besonderer Art © VALERY HACHE/AFP/Getty Images
Von Dominique Granger

Was haben die Gebrüder Wright, Leonardo Da Vinci und Ferdinand von Zeppelin gemeinsam? Sie alle erfanden Flugmaschinen. Der Liste muss ein weiterer Name hinzugefügt werden: Stephane Roussoun, Erfinder des Aerosail, eines motorlosen Zeppelins, das über das Wasser fliegt und mit einem Tragflächenboot verbunden ist. In der Luft getragen wird das Aerosail durch Gas, gesteuert durch Wind. Sein Ziel? Eine über 200km lange Überquerung mit Start im französischen Nizza und Ankunft in Calvi, auf der Insel Korsika. Verrückt? Vielleicht. Beeindruckend? Absolut.

Stephane, erzähl uns ein bisschen von deinem Werdegang...
Ich hab schon fast alles gemacht: Ich fuhr viele Skirennen, als ich jünger war, begann später, als Vertreter in der Snowboard-Industrie zu arbeiten, entwickelte dann neue Techniken und Produkte. Ich bin außerdem Privat- und Verkehrspilot.

Stephane Rousson vor dem Aerosail
Stephane Rousson - Portrait © AFP/Getty Images

Wie hast du gelernt, ein Zeppelin zu fliegen? Es gibt bestimmt nicht viele Schulen dafür…
Zwischen 1999 und 2001 habe ich meine Lizenzen zum Privatpiloten und Verkehrspiloten gemacht, also so ziemlich in der ungünstigsten Zeit, um Pilot zu werden. Damals beschloss ich zu lernen, wie man ein Zeppelin fliegt, das wollte ich schon immer lernen.

In Frankreich muss man sich das im Prinzip alleine beibringen. Man lernt Leute kennen, die ihr Wissen an dich weitergeben, und man gewinnt durch die Teilnahme an Projekten an Glaubwürdigkeit. Ich hatte von einem Projekt gehört, ein Zeppelin mit einem Tragflächenboot zu kombinieren, und hielt das für eine geniale Idee. Getestet wurde es 1992. Das Team war damals eine erste gerade Fluglinie geflogen und ich dachte mir: Wir müssen einen Weg finden, dieses Ding tatsächlich zu steuern und das Abenteuer zu verlängern.

Stephane Rousson testet sein "Aerosail" über dem Wasser.
Im Wasser sieht man das Steuerruder © AFP/Getty Images

Dies ist ein echtes Abenteuer, echte Innovation: Wir wissen nicht, wie es ausgehen wird… das ist das Tolle daran!

– Stephane Roussoun

Stephane Rousson fliegt sein "Aerosail".
Beim Test des pedalbetriebenen Zeppelins © Stephane Rousson

Ist das Aerosail deine einzige Erfindung? Was motiviert dich zu erfinden?
Ich mag Sport und Dinge, die anders sind. Ich wollte etwas tun, was vorher noch niemand getan hat: den Ärmelkanal in einem Zeppelin mit Pedalantrieb überqueren. In das Projekt habe ich fünf Jahre investiert, für den Bau des Apparats und um zu lernen, wie man das Ding fliegt. 2008 habe ich zwei Überquerungen versucht, aber wegen des schlechten Wetters nicht genau den Zielort erreicht. 2001 bekam ich dann einen Innovationspreis für das Scubster, ein muskelbetriebenes U-Boot, das auf dem gleichen Prinzip beruht...

Stephane Rousson testet sein "Aerosail" in der Luft.
Das Aerosail sieht von hinten viel schmaler aus © AFP/Getty Images

Wie kam dir die Idee zu der Überquerung?
Ich lebe in Nizza, Korsika ist ein herrlicher Ort, also warum nicht eine Überquerung versuchen? Wenn wir wollen, dass diese Erfindung eines Tages einen Nutzen hat, müssen wir beweisen, dass eine echte Überquerung möglich ist: Das ist die einzige Möglichkeit. In der Zukunft können wir vielleicht Passagiere auf einer Überquerung mitnehmen, oder daraus einen Sport machen… wer weiß! Für mich ist es eine Frage der persönlichen Befriedigung, und es ist auch aufregend, ein Pionier zu sein, es macht Spaß und ich genieße den Adrenalin-Kick. Aber ich brauche auch ein größeres, weiterreichendes Ziel!
 

Stephane Rousson testet sein "Aerosail" in der Luft.
Wer das vom Boot aus sieht, wird Augen machen... © AFP/Getty Images

Bisher konntest du die Überquerung nicht versuchen – was fehlt?
Sponsoren und finanzielle Mittel natürlich: Die Logistik ist sehr aufwändig! All die Versuche und die Übungen kosten viel Geld. Wir müssen auch beweisen, dass wir seriös sind, dass wir Erfahrung haben, dass wir mit Ingenieuren und Technikern arbeiten und dass wir die ganze Sache gut überlegt haben! Wir müssen die Bevölkerung überzeugen, dass wir alles geplant und die Risiken in Betracht gezogen haben und es für alles festgelegte Prozeduren gibt. Außerdem kann es sein, dass die Behörden von uns verlangen, ein oder zwei Sicherheitsboote einzusetzen und eine gewisse Anzahl von Leuten an Land dabei sein muss, falls es Probleme gibt… das erhöht die Kosten des gesamten Projekts!

Stephane Rousson testet sein "Aerosail" in der Luft.
Stephane Rousson testet sein "Aerosail" © AFP/Getty Images

Was genau nimmt bei einer solchen Herausforderung am meisten Zeit in Anspruch?
Man muss wirklich winzige Schritte machen und jeden einzelnen prüfen, um Glaubwürdigkeit und Selbstvertrauen zu gewinnen. Das dauert natürlich länger und kostet mehr. Aber je mehr finanzielle Mittel wir haben, umso schneller kommt die F&E voran. Wir haben schon einige Mittel, aber es läuft nicht so schnell, wie es laufen könnte. Doch dies ist ein echtes Abenteuer, echte Innovation: Wir wissen nicht, wie es ausgehen wird… das ist das Tolle daran!

Wollt ihr jederzeit das Beste von Red Bull Adventure erleben? Dann folgt uns auf Facebook.

read more about
Zur nächsten Story