Wintersport ganz exzentrisch – sieben Beispiele

Wie wär’s mit Yukigassen? Oder Skikjöring? Diese kaum bekannten Sportarten sind einen Versuch wert.
Von Pierre Steyn

Für die meisten Menschen sind Wintersportarten wie Skifahren und Snowboarden aufregend genug. Doch für diejenigen, die neugierig sind und gerne auf ausgefallenen, wilden und absolut verrückten Wegen wandeln, haben wir genau die Sportarten gefunden, die auch im Winter für die richtige Dosis Adrenalin sorgen.

Seht euch diese einfallsreichen Schnee- und Eissportarten an, die ohne Lifts auskommen – allerdings aber wohl einen ernsthaften Hüttenkoller voraussetzen, bevor man es selbst mal ausprobiert.

Skijöring
 

Ein Skifahrer wird von einem Pferd gezogen.
Die jährlichen Skijöring-Spiele von Leadville © THE DENVER POST

Ort: Norwegen , USA und Russland
Schwierigkeitsgrad: 6
Höchstgeschwindigkeit: bis zu 80km/h, abhängig von deinem Ross
Amateurfreundlichkeit: machbar

Ursprünglich war Skijöring eine durch Pferdestärke angetriebene Transportweise in Alaska und Skandinavien. Seit neustem ist es eine sportliche Art und Weise, mit dem Hund (oder Pferd) Gassi zu gehen. Grundsätzlich besteht dieses Abenteuer darin, sich von seinem bevorzugten Ross bei einer höheren als der bevorzugten Geschwindigkeit auf einem Paar Skier durchs Gelände ziehen zu lassen. Sonst braucht man als Extra nur eine positive Einstellung und Gurtzeug mit Schnellverschluss für den Fall, dass dein dem Schnee trotzendes Ross sich austoben will.

Yukigassen

Die Teilnehmer im Zweikampf beim Yukigassen-Event.
Ich sehe, was du da gemacht hast © Yukigassen

Ort: Japan, Finnland, Norwegen, Alaska und Kanada
Schwierigkeitsgrad: 3
Höchstgeschwindigkeit: N/A
Amateurfreundlichkeit: sehr machbar

Ein verrückter Name, ein einfaches Konzept. Im Prinzip ist Yukigassen eine einzige riesige Schneeballschlacht. Der Sport wurde von ein paar Leuten in Japan erfunden und wird auf einem begrenzten Spielfeld ausgetragen. Zwei Teams mit jeweils sieben Spielern treten gegeneinander an. Der Sieger wird durch das gleiche Prinzip wie beim Spiel „Capture the Flag“ ermittelt – ein Spieler scheidet aus, sobald er von einem Schneeball auf der Suche nach Wärme getroffen wird. Auch wenn die Spieler spezielle Helme mit Gesichtsschutz tragen müssen, ist Yukigassen ein ziemlich unterhaltsamer Winter-Zeitvertreib.

Wok-Rennen
 

Christian Clerici rast eine Eisbahn auf einer WOK-Pfanne hinunter - 19. März 2010 in Oberhof (Deutschland)
Wok-and-Roll, Baby! © Getty Images

Ort: Österreich, Deutschland
Schwierigkeitsgrad: 8
Höchstgeschwindigkeit: 105km/h
Amateurfreundlichkeit: riskant

Wok-Rennen ist bemerkenswerter Weise ein Sport, dessen Name genau das beschreibt, was man als Sportler macht. Man setzt sich auf eine Wok-Pfanne und rast eine Eisbahn hinunter. Die Wok-Rennen wurden vom deutschen Fernsehmoderator und Entertainer Stefan Raab entwickelt, und wahnsinnige Geschwindigkeitsfanatiker fahren mit einem leicht modifizierten chinesischen Wok eine olympische Bobbahn hinunter. Die Fahrer erreichen oft Geschwindigkeiten von über 100km/h – wenn also etwas schief geht, dann geht es gehörig schief. Ein heißes Süppchen aus der Pfanne wäre vielleicht eine bessere Alternative!

Schneekajaken
 

Ein Teilnehmer wagt sich mit seinem Kajak den Schneehang hinunter.
Ein Paddle braucht man immer noch zum Steuern © Jaanus Ree/Red Bull Content Pool

Ort: Österreich, USA, Polen
Schwierigkeitsgrad: 7
Höchstgeschwindigkeit: 60km/h
Amateurfreundlichkeit: mittel

Die Schneekajaker von Red Bull haben nicht viel mehr als ein Paddel, ein Kajak und eine gesunde Portion Schneid, wenn sie sich regelmäßig auf die steilsten Abhänge der Welt wagen und diese hinunter „paddeln“, als seien sie gefrorene Stromschnellen. Interessant? Keine Frage. Aber wenn man in einem gewachsten Kajak sitzt und sich irgendeine vereiste Piste hinab stürzt, kann man verdammt schnell ein Tempo von mehr als 60km/h erreichen. Viel Glück dabei!

Schneesurfen
 

Polnische Athleten beim Schnee-Segeln bei der Weltmeisterschaft 2009.
Wind braucht man, Wasser nicht unbedingt. © AFP/Getty Images

Ort: Überall, wo es Wind und Schnee gibt
Schwierigkeitsgrad: 7
Höchstgeschwindigkeit: unbekannt
Amateurfreundlichkeit: man braucht eine Krankenversicherung

Schneesurfen ist ein enger Verwandter vom Windsurfen. Doch anstatt über Wellen zu jagen, kann man beim Schneesurfen mit dem Board über gefrorene Seen, verschneite Waldlichtungen und, ja, Berge „fliegen“. Bei dieser rasant schnellen Fortbewegungsform kann man sogar bergauf fahren und viele beeindruckende Freestyle-Tricks durchführen, wie beispielsweise den „Power Jibe, „Duck Jibe“ und „Heli Tack“.

Ice Cross-Downhill
 

Gut, dass sie Helme tragen.
Ja, es kann gefährlich eng werden. © Samo Vidic/Red Bull Content Pool

Ort: Kanada, USA, Finnland und Nordirland
Schwierigkeitsgrad: 8
Höchstgeschwindigkeit: 70km/h
Amateurfreundlichkeit: bleib zu Hause

Wir übernehmen für dieses Ding die Verantwortung. Red Bull Crashed Ice, auch Ice Cross Downhill, ist das, was geschieht, wenn man einige der härtesten Eisschnelläufer der Welt mit Tonnen von Stahl, einem gigantischen Kühlungssystem und Tausenden von Quadratmetern gefrorenem Wasser kombiniert. Die Rider jagen in Vierergruppen einen steilen Eiskanal hinunter, der mit Schikanen, Sprüngen und Rollen gespickt ist. Sie kämpfen dabei um ihre Position bei Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h. Rempeln, Rutschen und Schubsen sind nicht nur erlaubt, sondern werden erwartet. Der Letzte, der unten ankommt, gibt eine Runde aus.

Cresta Run

Cresta-Run im schweizerischen St. Moritz.
Kopfüber, anders geht es wohl nicht © Popperfoto/Getty Images

Ort: Schweiz
Schwierigkeitsgrad: 8
Höchstgeschwindigkeit: 128km/h
Amateurfreundlichkeit: machbar, je nach Trunkenheitsgrad

Der Cresta Run wurde Anfang 1870 von einer Gruppe betrunkener Briten im Winter erfunden. Es handelt sich um einen Sport der Alten Schule, wo die Teilnehmer sich auf einem Toboggan kopfüber eine natürliche Eisbahn hinunter stürzen, und zum Bremsen und Steuern lediglich die Spikes ihrer Schuhe nutzen.

Von Anfang an fand das 1,2km lange Rennen im Wintersportort St. Moritz in der Schweiz statt – einer der wenige Spots der Welt, der sich ausschließlich dem Skeleton-Rennen widmet. Für die Zuschauer liegt der Reiz des Sports einerseits in seiner Tradition, und andererseits in der sehr realen Aussicht, dass die Sportler die Kontrolle verlieren und aus der Bahn fliegen. Falls noch Zweifel bestehen – zur Sicherheitseinweisung vor dem Rennen gehört auch die Präsentation einer Röntgenbild-Montage von Knochenbrüchen.

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