Highline Weltrekord! 375 m im Kalk & Dschungel

Alex Schulz bricht in China den Highline-Weltrekord – ans Maximum mit massivem Macheten-Einsatz.
Von Sissi Pärsch

Zwischen Kalkfelsen in China verlängerte Slackline-Pro Alexander Schulz von der One Inch Dreams Crew den Highline Weltrekord von Jerry Miszewski um 70 m auf unglaubliche 375 m! Der 23-Jährige Rosenheimer mag’s lang und spektakulär: Er hält bereits den Waterline-Rekord mit 271 m und lief u.a. zwischen zwei Gletscherbahnkabinen der Zugspitzbahn. Frisch aus China zurück erzählt er uns von den guten Schwingungen im dichtem Dschungel.

© Oneinchdreams⁄Olszewski

Alex, herzlichen Glückwunsch! Anstrengend?
Brutal – die Bedingungen waren nicht optimal und zwischenrein.

China! Wie kam’s?
Klingt komisch, aber wir sind tatsächlich gefragt worden. Rio Zhang ist der beste Slackliner Chinas und er hat uns zu einem ein Highline-Event im Nationalpark Shenxian Ju eingeladen. Der ist tatsächlich von der Tourismusbehörde angestoßen worden, um die Region touristisch anzukurbeln. Wir haben sofort zugesagt und sofort war uns klar: Wir wollen eine längere Reise daraus machen. Fünf Wochen waren wir insgesamt unterwegs.

Rekordmarsch zwischen Kalktürmen © Oneinchdreams⁄Olszewski

Wie kam der Event an?
Es war das Staatsfernsehen da und jeden Tag Hunderte von Leuten, die Autogramme und Fotos wollten. Am Anfang war das absolut okay – vor allem bei hübschen Mädels –, aber irgendwann ist das Posieren nur noch stressig. Wir waren natürlich Exoten im doppelten Sinne: Slackliner und Europäer...

Und wie hat China auf Dich gewirkt?
Ganz unglaublich. Ein Land der Kontraste, ein Land im Umbruch. Du hast diese surrealen, lauten Riesenmetropolen, wo dir der Atem wegen dem Smog stockt – und dann kommst du raus und dir rauben die Landschaften, die wunderschöne Natur den Atem. Fremd und faszinierend war es für mich. Ich will unbedingt wieder hin.

Kein gängiges Highline-Instrument: Die Machete. © Oneinchdreams⁄Olszewski

Zum Rekord ging’s dann ins Klettermekka Yangshuo...
...ein unglaublich faszinierender Landstrich. Eine Städtchen mitten im Dschungel, umringt von diesen einzigartigen Kalkfelsen – die perfekte Szenerie für einen Highline-Weltrekord. Wir haben tagelang nach dem richtigen Spot gesucht. Zur Einrichtung der Fixseile ging es dann vollgepackt bei Hitze auf einer Mehrseillängentour zum höheren Felsen und mit Machete durch den dichten Dschungel zum anderen Kalkberg...

Klingt als wäre das Spannen der Line der eigentliche Kraftakt gewesen.
Das war brutal. Wir hatten die Distanz zwischen den Hügeln schon einmal falsch eingeschätzt. 350 Meter war unser Maximum. Ich dachte nicht, dass sich darüber was realisieren lässt. Es stellte sich dann als ein gutes Stück länger raus. Dann das Legen der Verbindungen durch Dornen-Dschungel, einen Bambuswald, über Hausdächer. Verrückt.

Abhängen im Kalk. © Oneinchdreams⁄Olszewski

So viel Aufwand, so viel Anstrengung – und dann musst Du abschalten und diese immense Strecke laufen!
Ja, das war enorm. Wir hatten unsere Flüge noch einmal umgebucht und der Druck war groß. Mein bester Freund, Kollege, Fotograf Johannes hatte was Falsches gegessen und übergab sich – und ich wusste „Du musst jetzt ruhig werden.“

Hat anscheinend geklappt.
Ja, ich konnte umschalten, zum Teil sogar die Umgebung bewusst genießen. Man konzentriert sich auf das Wesentliche, tiefe Atmung, langsames Gehen. Bloß keine Versagensängste. Je weiter ich kam, desto leichter schweiften meine Gedanken ab. Dann kam im letzten Drittel der Wind und brachte die Line sauber zum Schwingen. Als der dann so 30 m vor Ziel weg war, kam mein Kopf samt Angst: „Jetzt bloß nicht fallen...“

Sonnenuntergangslauf im Nationalpark Shenxian Ju. © Oneinchdreams⁄Olszewski

Du bist nicht gefallen. 40 Minuten, 375 Meter, Weltrekord. Wie happy bist Du?
Unglaublich natürlich. Aber China war generell so intensiv. Ich habe gelernt, mir Zeit zu nehmen, mich nicht so sehr von Ängsten beeinflussen zu lassen, ein Stückchen entspannter und glücklicher zu sein. Ich muss auch unbedingt den größten Dank aussprechen an die Leute drumrum: Rio, Gert, Alejandro, Rex, den Bike-Verleih und alle anderen Menschen, die uns so grandios unterstützt haben! Auch an unsere Sponsoren Elephant Slacklines und HD+.

Viel Spaß beim Feiern, Alex!

...und einem Bayern auf Rekordmarsch. © Oneinchdreams⁄Olszewski

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