Aniol Serrasolses' gefährlichster Wasserfall-Drop

Der Kajak-Desperado wagt sich ans "Keyhole" - einen bisher unbefahrenen 35-Meter-Wasserfall.
Von Josh Sampiero

Die Keyhole Falls sind nicht wie andere Wasserfälle. 3000 Kubikmeter Wasser pro Minute stürzen aus einer massiven Steinwand am Lillooet River im kanadischen British Columbia. Der Wasserstand ist dank der Schneeschmelze des Küstengebirges stets hoch, und deshalb ist es sehr schwer, etwas zu sehen und die Bedingungen vorher auszukundschaften. Den Wasserfall überhaupt zu erreichen, ist schon eine Herausforderung – man kann nicht hineinpaddeln, denn der Fluss ist oberhalb der Keyhole Falls unpassierbar. Um in den Drop zu starten, muss man sich von 100 Meter oberhalb abseilen.

Vor dem Drop, von oben gesehen © Eric Parker/Red Bull Content Pool

Der Wasserfall verdankt seinen Namen der Form eines altmodischen, riesigen Schlüssellochs, das das Wasser über die Jahrhunderte in den Fels gegraben hat. „Unter Kajakfahrern ist der Wasserfall sehr bekannt“, sagt der Spanier Aniol Serrasolses. „Aber niemand hat das hier zuvor probiert.“ Auch wenn der Wasserfall unter Kajak-Fans in British Columbia kein Geheimtipp ist, hat aus den oben genannten Gründen noch niemand den Drop gewagt.

Im Weißwasser des Stikine River © Eric Parker/Red Bull Content Pool

Der Wasserfall verlockte Serrasolses, als er während der letzten zwei Jahre auf dem nahen Stikine River trainiert, der bei vielen als der „Everest des Kajakfahrens“ gilt. Das sprudelnde Weißwasser des Stikine, kleinere Wasserfälle und gefährliche Stromschnellen bieten jede Menge Spaß und Unterhaltung – aber trotzdem konnte Serrasolses der Verlockung der Keyhole Falls nicht wiederstehen.

Weißwasser gibt's genug © Eric Parker/Red Bull Content Pool

Der erste Versuch musste abgebrochen werden, bevor er richtig begann. „Als wir zum ersten Mal an den Wasserfall kamen, war der Wasserstand zu hoch“, sagt Serrasolses. Der enorme Wasserdruck – die Fließgeschwindigkeit wird durch den schmalen Spalt, durch den Wasserfall strömt, noch erhöht – machte schon den Gedanken an den Drop zunichte. „Wir brachen die Mission ab und fuhren zurück nach Spanien.“

Der Wasserfall im Weitwinkel © Eric Parker/Red Bull Content Pool

Aber nur einige Wochen später bot sich eine erneute Möglichkeit: Der Wasserspiegel sollte sinken. Serrasolses und sein Team flogen zurück nach Kanada – aber es tauchte ein neues Problem auf, denn es war nicht klar, ob die das Wasser in der Landezone tief genug war.

Einige Tests bestätigte die Befürchtungen – aber es gab keinen Sichtkontakt zwischen Aniol und seinem Team, die Walkie-Talkies versagten, sodass eine Kommunikation kaum möglich war. Aniol wollte es trotzdem wagen – und dann wurde es spannend.

Beim Paddeln durch die Öffnung © Eric Parker/Red Bull Content Pool

Serrasolses stieg in sein Boot, sprach schnell in die Kamera und machte sich an den Drop von einem der begehrtesten Wasserfälle der Kajak-Szene.

Und er schaffte es. Er paddelte um die Kurve und über die Kante des rasenden Wasserfalls und wagte den Sprung seines Lebens – und er öffnete das Schlüsselloch. Das war einer der Höhepunkte in seinem Leben. „Meine Motivation besteht darin, Dinge zu tun, die noch nie jemand gemacht hat“, sagt er. Mission erfüllt! Und wie fühlte es sich an? „Ich war noch nie so glücklich unter einem Wasserfall!“

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