Dieser Astronaut verbrachte 6 Monate im Weltall

Wie ist das Leben an Bord einer Weltraumstation über der Erde? Astronaut Reid Wiseman verrät es.
Reid Wiseman arbeitet außerhalb der Weltraumstation.
Reid Wiseman arbeitet im Weltraum © NASA
Von Tarquin Cooper

In den Weltraum abzuheben, an Bord einer internationalen Weltraumstation leben und dabei die Aussicht auf die Erde genießen - dies alles geschah für den NASA Astronaut, Kommandant Reid Wiseman, an nur einem Tag. Erst vor kurzem kehrte er von seiner sechsmonatigen Pflichtprogramm-Tour durchs Weltall zurück. Vom Fitness-Training zur Beobachtung von Fischen - wir bekommen einen Einblick in sein schwereloses Leben.

Paris und London leuchtet bei Nacht.
Paris und London leuchtet bei Nacht © NASA/Reid Wiseman, Twitter @Astro_Reid

Was ist das Beste an dem Leben im Weltraum?
Die Aussicht! Schweben ist natürlich auch fantastisch, aber das Gefühl auf die Erde runter zu schauen ist unbeschreiblich! Ich habe so viel gelernt. Es ist ein unglaublicher Apparat. Unser Planet ist in jeglicher Hinsicht voller Leben. Für uns sind es nur Felsen und Erde und Bäume. Aber wenn du vom Weltall aus auf die Erde schaust, realisierst du, dass es ein lebendes, atmendes Wesen ist, genau wie die Menschen, die sie bewohnen.

Und was ist das Schlimmste?
Es hört sich zwar komisch an, aber ohne Schwerkraft kann man sich nicht einfach mal hinsetzen. Man kann sich nicht mal ausruhen. Ich wollte das Gefühl haben, dass mich die Erdanziehung ins Bett runter drückt.

Wie hast du deine „Eintrittskarte" für die Weltraumstation bekommen?
Ich ging auf eine Ingenieurschule, schloss mich anschließend der Navy an und wurde Pilot. Ich flog mit der F14 und F18 von Flugzeugträgern. Dann besuchte ich die Test-Piloten Schule und machte meinen Master. Ich bewarb mich 2008 für die NASA und wurde ein Jahr später genommen. Von da an durchlief ich ein zweijähriges Grundtraining und ein zweieinhalb Jahre langes Missions-Training.

Mit einem F18-Bomber von einem Flugzeugträger mitten im Ozean zu fliegen, ist die größte Freiheit, die ich jemals in meinem Leben gespürt habe.

Von Flugzeugträgern zu fliegen oder in den Weltraum zu düsen. Was macht mehr Spaß?
Beide Jobs sind unglaublich und machen wahnsinnig Spaß, jeder auf seine Weise. Mit einem F18-Bomber von einem Flugzeugträger mitten im Ozean zu fliegen, ist die größte Freiheit, die ich jemals in meinem Leben gespürt habe. Auf der anderen Seite ist es schon ziemlich unschlagbar sich mit einer Rakete in die Umlaufbahn abschießen zu lassen.

Die Al-Jubail Küste vom Weltraum aus gesehen.
Al-Jubail Küste, Saudi Arabien vom Weltraum aus © NASA/Reid Wiseman, Twitter @Astro_Reid

Wie sieht ein typischer Tag im Weltraum aus?
Es gibt drei wichtige Dinge, die man da oben zu erledigen hat. Die primäre Mission unseres täglichen Lebens ist wissenschaftliche Versuche durchzuführen. Am Ende der Mission war es wie im Zoo. Wir hatten Fruchtfliegen, Fische, Schnecken und Mäuse. Am liebsten habe ich mir die Fische angeschaut. Sie sahen recht glücklich aus, obwohl es für sie sicher auch total verrückt war.

Gleichermaßen wichtig ist es die Raumfahrstation in Schuss zu halten. Bei dieser gigantischen Maschine bedeutet dies viel Arbeit. Ein Drittel vom Tag geht für Routine Instandhaltungsarbeiten und die Reparatur von defekten Teilen drauf.

Zu guter Letzt müssen wir uns um unsere Körper kümmern, schließlich sind wir in einer mikro-schwerelosen Umgebung. Dazu gehört Essen, Entspannung, Stress-Abbau und das instand halten der Knochen- und Muskelmasse.

Wir trainieren zwei bis zweieinhalb Stunden jeden Tag. Ein Mix aus High-Intense-Cardio auf einem Fahrrad oder Laufband, an das wir uns festschnallen, aber auch Widerstandstraining. So bleiben wir gesund.

Reid Wiseman trainiert schwerelos auf dem Laufband.
Reid Wiseman trainiert in der Weltraumstation © NASA

Wie war die restliche Besatzung?
Es befindet sich permanent eine internationale Besatzung dort oben: immer ein Amerikaner und ein Russe. Normalerweise besteht eine Belegschaft aus sechs Personen. Außer mir gab es noch drei Russen, zwei Amerikaner und einen Deutschen. Das Besondere: nach unserer Ankunft ging die Fußballweltmeisterschaften los. Es gab einen TV-Sender, der mit der Bodenkontrolle verbunden war. Jeden Tag nach dem Abendessen kamen die Russen vorbei und wir schauten uns die Spiele an. Es war toll einen Deutschen bei uns zu haben, als Deutschland gewann. Das gab während der ganzen Mission den Ton an.

War das Essen genießbar?
Ich habe seltsamerweise zugenommen. Wir essen keine Salate, aber wir essen schon Gemüse, ob nun rehydriert oder Lasagne in Form von MRE (Astronautennahrung in Plastikbeutel verpackt). Wir hatten außerdem Kekse, Schokoladenriegel und Schokoladenkuchen, mit unheimlich viel Kalorien. Ich liebe das Zeug.

Eine afrikanischer Vulkan vom Weltraum aus gesehen.
Vulkan in Afrika © NASA/Reid Wiseman, Twitter @Astro_Reid

Wir war das Leben zurück auf der Erde?
Mich plagen immer noch Rückenschmerzen. Meine Rückenmuskulatur quält sich damit ab, meinen Kopf zu halten. Alles fühlt sich so wahnsinnig schwer in den ersten Minuten an, besonders der Kopf. Es war wirklich ein Schock, wie schwer sich der Kopf anfühlte.

Das Erste, was du gegessen hast?
Eigentlich wollte ich Pizza essen. Doch dann sah ich einen frischen Salat mit Tomaten, auf den ich mich sofort gestürzt habe. Er war so unglaublich lecker!

Daumen hoch für Reid Wiseman in der Kapsel.
Daumen hoch für Reid Wiseman © NASA/Bill Ingalls

Ist dies momentan eine besonders spannende Zeit für eine Weltraum-Erkundung?
Ich denke, wir sind im goldenen Zeitalter der Weltraumflüge angelangt. Wir entwickeln gerade drei bemannte Raumfahrzeuge, um den fernen Weltraum zu erkunden. Im Moment ist es total aufregend. Mit Orian (NASA Fahrzeug) können wir Menschen hinter den Mond schicken, vielleicht sogar in den nächsten 15–20 Jahren bis auf den Mars. Die Zeichen stehen sehr gut, das die nächsten 15–20 Jahre unglaublich spannend werden.

Das Mars One Project? Beeindruckende Entdecker oder verrückte Spinner?
Das wäre zwar nichts für mich, aber warum nicht? Im 15. und 16. Jahrhundert gab es viele Expeditionen, die eine One-Way Misson waren. Wenn wir wirklich auf den Mars wollen, brauchen wir jemanden der aufsteht und sagt: „Ich mache es und komme wahrscheinlich nie wieder zurück."

Bester Weltraum-Film?
Gute Frage! Apollo 13 ist sehr gut. Die visuellen Effekte in Gravity sind ausgesprochen beeindruckend gemacht, aber die Geschichte…sie hatte einige Löcher.

Was ist als nächstes dran?
Hoffentlich bekomme ich in fünf Jahren nochmal die Chance zurückzukehren. Ich will es nochmal machen. Aber bis dahin, hüte ich den Bürostuhl.

Reid Wiseman arbeitet außerhalb der Weltraumstation.
Reid Wiseman arbeitet im Weltraum © NASA

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