Der erste Eisschwimmweltmeister der Welt

Du hast Lust auf Schwimmen? Christof Wandratsch auch - obwohl es schneit. Das findet er sogar besser
Von Josh Sampiero

Murmansk – im extremen Nordwesten Russlands, die einzige Stadt oberhalb des nördlichen Polarkreises, mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von -1°C. Es war die perfekte Location für den weltbekannten Langstreckenschwimmer Christof Wandratsch, um sich den Titel des Eisschwimmweltmeisters zu holen.

Die erste Eisschwimmweltmeisterschaft der Welt

Um sich den Titel zu holen, musste Wandratsch einen ganzen Kilometer in (im wahrsten Sinne des Wortes) eiskaltem Wasser schwimmen – und dabei noch schneller als alle anderen sein, die verrückt genug sind, das gleiche wie er zu tun. Schwimmzug für Schwimmzug kämpften sich die Schwimmer durch den Pool im Eis. Ihr Körper transportiert das Blut von den Gliedmaßen in die Körpermitte, um sich zu schützen. So sank die Kontrolle über Arme und Beine unglaublich schnell!

Bereit zur Wende

Der kälteste Schwimmort der Welt: Murmansk
Bereit zur Wende © Shamil Tanna

Diese Challenge ist anders als alle Herausforderungen der Welt – die Schwimmer müssen praktisch üben, die natürliche Reaktion ihres Körpers auf extrem kaltes Wetter abzustellen. Wenn ein Mensch in null Grad kaltes Wasser steigt, hyperventiliert er normalerweise, d.h. er atmet schnell ein und aus. Wenn man die erste Minute einmal geschafft hat, beginnt der Körper wieder, normal zu funktionieren.

Ein Pool, der in der Tat aus dem Eis geschnitten wurde

Der kälteste Schwimmort der Welt: Murmansk
Mit jedem Atemzug strömt eisige Luft in die Lunge © Shamil Tanna

Doch die Zeit ist begrenzt. Es gibt einen guten Grund dafür, dass das Rennen nur einen Kilometer lang ist – ein Eisschwimmer kann nur ein paar Minuten schwimmen, bevor die Unbeweglichkeit einsetzt und er aus dem Pool muss. Genau dafür ist Christofs Coach auch verantwortlich: Er muss Wandratsch dabei helfen, sich den Titel zu holen, aber auch, am Leben zu bleiben.

Zum Glück hat er viel trainiert, sowohl im Bodensee als auch, nunja, an kälteren Orten – wie auf einem Gletscher. „Ich habe eine Sondergenehmigung, dass ich im See auf dem Hintertuxer Gletscher schwimmen darf“, sagt er. „Ich bin der einzige, der das darf. Zuerst mache ich eine Skitour auf den Gletscher und dann gehe ich ins Wasser, um zu trainieren.“

Training für die Qualen

Während die Werkzeuge eines Schwimmers einfach sind, ist es das Training nicht. Hier werden Dinge wie Hautsensoren verwendet, die biometrische Informationen im Training in Echtzeit liefern – Wandratsch muss ständig alles im Blick haben, wie beispielsweise seinen Puls, seine Geschwindigkeit und Hauttemperatur, um Sicherheit gewährleisten und seine Leistung verbessern zu können.

Im Eisschwimmen geht es nur um Fortschritt – das heißt, er bleibt Stück für Stück immer ein bisschen länger im Wasser. Laut Wandratsch würde es ein durchschnittlicher Olympiaschwimmer ohne Training nicht länger als eine Minute im Eiswasser aushalten. Die besten Eisschwimmer sind komplett anders als der durchschnittliche Olympiaschwimmer.

Der kälteste Schwimmort der Welt: Murmansk
Aufwärmen nach dem Schwimmen © Shamil Tanna

In der Tat ist Eisschwimmen eine der wenigen Sportarten, bei der eine Fettschicht hilfreich ist – sie isoliert den Körper und hält die Wärme – eine gute Sache in Murmansk, wo die Temperaturen noch brutaler als sonst waren. „Das Wasser ist da sogar noch kälter – es ist unter einer 40 bis 50 Zentimeter dicken Eisschicht. Das Wasser hat normalerweise um die 7°C – und wenn du rauskommst, wird es durch die Luft und den Wind noch kälter. Es fühlt sich dann an wie -15°C.“

Training in Murmansk

Nach dem Schwimmen werden die Teilnehmer schnellstmöglich nach drinnen gebracht und ihre Lebenszeichen werden sofort von Ärzten untersucht. Aber wofür das Ganze? Wandratsch sagt: „Eigentlich ist alles ziemlich sicher. Ich habe eine Tochter. Ich mache nur sichere Dinge im Training und schwimme nie alleine – es gibt eine Rettungsboje und jemanden, der die ganze Zeit aufpasst.“

Und sein Ziel? Er will nicht nur überleben – er will gewinnen. “Ich gehe nie zu einem Wettkampf und sage, dass ich mit Platz 2 zufrieden bin”, sagt er. „Ich wollte die Weltmeisterschaft gewinnen.“ Es ging los und Wandratsch lieferte ab. Mit seiner Zeit von 13:00 Minuten holte er sich den Titel und wurde zum ersten Eisschwimmweltmeister der Welt – und das ist schon ziemlich cool.

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