Chris Sharma bezwingt einen riesigen Mammutbaum

Der erfahrene Felskletterer kehrt zu seinen Wurzeln zurück und klettert auf einen alten Sequoia.
Kletterer Chris Sharma besteigt einen riesigen Mammutbaum
Eine Bewegung nach der anderen © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool
Von Andrew Bisharat

Wie die meisten Kids in seinem Alter, wurde Chris Sharma damit groß, auf Bäume zu klettern. Geboren und aufgewachsen in Santa Cruz, Kalifornien, sammelte Sharmas seine ersten Klettererfahrungen auf den Baumästen im Garten seiner Eltern.

Nachdem er 1992 in einer der ersten Indoor-Kletterhallen der USA das Klettern entdeckt hatte, tauschte der 12-jährige die Bäume gegen das Indoor- und Outdoor-Felsklettern ein. Sehr schnell wurde er zu einem den besten Felskletterer der Welt, gewann als Jugendlicher nationale und internationale Kletter-Wettkämpfe und setzte die globalen Standards auf einen neuen Höchstwert von Schwierigkeitsgraden über 5.15 (wenn du eine Einführung in Schwierigkeitsgrade und die Terminologie bekommen möchtest, dann kannst du hier klicken).

Sein legendärer ersten Anstiege der Routen, namens Realization (5.15a) und Jumbo Love (5.15b), waren die weltweit ersten mit so einem hohen Schwierigkeitsgrad und ein Meilenstein in diesem Sport.

Hier siehst du, wie Chris Sharma den riesigen Mammutbaum bewältigt

Seit 2006 lebt Sharma in Catalunya, Spanien, bekannt für seine Fülle an extrem schweren Kletterrouten. Der legendäre Kalkstein in dieser Region ist sehr hoch, sehr steil und sehr blank und hat sich die Schwierigkeitsgrade von 5.15 und höher verdient.

Das dort vorkommende Kalktuff ist eine Art von Kalkstein – vertikale Felsformationen, die vor tausenden Jahren aus Mineral-Rückständen aus sickerndem Wasser entstanden sind. Kalktuff eignet sich perfekt zum Freeclimbing, da der Kletterer den Tuff mit Händen und Füßen sehr gut greifen kann.

„Nachdem ich in Spanien gelebt habe und dort die Kalktuffs geklettert bin, kam ich nach Hause und schaute auf die Rinde dieses berühmten riesigen Mammutbaums in Kalifornien,“ erzählt Sharma. „Ich stellte mir vor, auf riesigen Wände Kalktuff zu schauen. Ich begann nachzudenken, „Wie cool wäre das denn?"

Wäre Freeclimbing auf diesen riesigen Mammutbaum möglich, nur mit Händen und Füßen, ohne Hilfsmittel?

Kletterer Chris Sharma besteigt einen riesigen Mammutbaum
Chris Sharma auf dem Weg nach oben © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool

„Mit dem Klettern lebte ich meine spielerische Seite aus," sagt er. „Doch es kann auch ernst werden. Du bist mit Herz und Seele in diese schwierigen Fels-Projekte involviert. Aber manchmal ist es auch gut, einen Schritt zurückzugehen und dich daran zu erinnern, dass es Spaß machen sollte."

Gemeinsam mit seinem Team von Red Bull kontaktierte Sharma die zwei Wissenschaftler und Mammutbaum-Experten, Dr. Anthony Ambrose und Wendy Baxter von der University of California, Berkeley, um herauszufinden, ob das Projekt überhaupt realisierbar ist.

Teil der Forschung von Ambrose und Baxter besteht darin, Taktiken und Techniken zu entwickeln, um an Proben der Baumkrone zu kommen, ohne dabei die Ökologie zu stören. Ambrose und Baxter, beide selber begeisterte Kletterer, waren sofort Feuer und Flamme, als sie von der Idee hörten – zweifelten jedoch daran, das er es schaffen würde.

„Ich gebe zu, ich war ziemlich skeptisch,” sagt Baxter.

„Ich habe noch nie jemanden gesehen oder von einem Freeclimber gehört, der jemals versucht hat, an einer Mammutbaum-Rinde hochzuklettern," sagt Ambrose. „Ich hielt es für unmöglich, nicht weil ich die Fähigkeiten von Chris in Frage stellte, aber ich war nicht sicher, ob die Rinde seinem Gewicht stand halten würde."

Kletterer Chris Sharma besteigt einen riesigen Mammutbaum
Chris Sharma bezwingt einen riesigen Mammutbaum © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool

Für dieses Projekt holten sie sich die Genehmigung von Eureka City und der Humboldt County Film Commission ein. Das Team suchte einen Standort aus, wo bereits viele gut bereiste Wege vorhanden waren. Alles was noch übrig blieb, war die perfekte Kletter-Linie zu finden.

Sharma fand die Linie: einen 77 m hohen Baum, mit 50 m purer Rinde, bevor es mit dem ersten Ast losgeht. Ein wenig mit Überhang. Und ein relativ sauberer, kunstvoller Baumstamm.

“Der spezielle Baum, den Chris sich ausgesucht hat, war besonders gut, da er bereits vom Feuer vernarbt war,” sagt Ambrose, der das Alter des Baums auf 600 oder 700 Jahre schätzte. „Auf dem Baumstamm wuchs nicht viel Flechte und Moos. Und der Stamm war stabil. Allerdings waren die Spalten und Rillen in der Rinde nicht besonders tief. Er war außerdem überhängend. Das machte den Anstieg besonders schwer für ihn. Er war total aufgeregt."

Kletterer Chris Sharma besteigt einen riesigen Mammutbaum
Chris Sharma bezwingt einen riesigen Mammutbaum © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool

Drei Tage lang arbeitete Sharma an seinem Projekt, dass er „Jumbo Wood" nannte. "Es war ungelogen einfach nur richtiges Klettern," sagt er. „Wahrscheinlich wenigstens eine 9a!”

Sharma hatte Schwierigkeiten damit, sich an die Beta zu erinnern (Information über den Anstieg, wo der beste Halt für Hände und Füße ist) „Es ist überwältigend," sagt er. „Als Felskletterer sind wir darauf trainiert, die Klippen anzuschauen und den Ablauf vor Augen zu haben. Auf dem Mammutbaum hatte ich ein Blackout. Die ganzen Muster und Strukturen nahmen mir die Orientierung. Das war sicherlich eine sehr spezifische Abfolge.

Sharma markierte sich die Stellen an der Rinde, an denen er den besten Halt hatte, mit ein wenig Kreide. Doch der Nebel, der jeden Morgen über den Wald zieht, wischte die Markierungen am nächsten Tag wieder weg.

“In den ersten 15 Metern konnte ich kontinuierlich klettern", sagt er. „Ich hatte zwischen der Rinde mit meinen Händen und Füßen guten Halt. Dann gingen die Fußhalterungen aus und von da an waren es pure, komprimierte Bewegungen."

„Ich war wirklich beeindruckt, das er sich an die Bewegungen und Abfolge erinnern konnte,” sagt Ambrose. „Dafür hat er sehr hart gearbeitet."

Kletterer Chris Sharma besteigt einen riesigen Mammutbaum
Chris Sharma hängt in der Baumkrone © Keith Ladzinski/Red Bull Content Pool

Sharma konnte am Ende zwar keine Rotpunkt-Begehung aufweisen, (die gesamte Route in einem Rutsch durchklettern, nachdem man es vorher geübt hat) aber das war nicht der ausschlaggebende Punkt.

„Mir war es mit der Rotpunkt-Begehung nicht sehr ernst. Es ist ja nicht so, als ob ich das Felsklettern aufgebe und mich nur noch auf Mammutbäume konzentriere," sagt Sharma lachend. „Es war nur eine ganz abgefahrene Sache. Manchmal nimmt man das Felsklettern zu ernst. Für mich ist es gut, einen Schritt zurückzugehen und nur zu klettern, Spaß zu haben und sich wieder wie ein kleiner Junge fühlen.”

Hier kannst du dir Chris Sharmas außergewöhnliche Kletteraktion auf You Tube anschauen. Jedesmal wenn sich eine Person das Video anschaut, spendet Red Bull $.10, bis maximal $10,000, um die Mammtbaum-Forschung zu unterstützen.

Die Aktion läuft bis zum 31. Juli oder so lange bis 100,000 Personen sich das Video angeschaut haben.

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