Neuer Weltrekord im Klippenspringen!

VIDEO: Laso Schaller springt in Maggia in der Schweiz 58,8 Meter in die Tiefe.
Von Josh Sampiero

Von unten sieht man einfach einen schönen großen Wasserfall, von oben gefriert dir der Puls und du fragst dich, ob du einen Sprung überhaupt überleben würdest - auch wenn du nach den 58,8 Metern in einen 8 Meter tiefen See schießt! Laso Schaller hatte sicher die einen oder anderen Bedenken, bevor er sich in die Tiefe stürzte. Trotzdem hat er es getan und ganz nebenbei einen neuen Weltrekord aufgestellt.
 

Weltrekord in Wasserfallspringen

Laso's Weltrekord-Sprung, der in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehsender SRF gefilmt wurde, war eine der weit verbreitetsten Nachrichten im August. 

Der in Brasilien geborene und in der Schweiz aufgewachsene Canyoning-Experte ist bekannt dafür, in Flüssen mit ungewöhnlichem Zubehör baden zu gehen. Mit Seilen, Rigging und Geschirrren bewaffnet, hat er schon einige Wasser bezwungen. Zum Runterkommen gibt es natürlich im Canyoning auch eine Methode, bei der man keine Seile braucht: Man springt einfach! Schaller hat sich hier einen besonderen Namen gemacht. Er springt aus 25, 30 und sogar 35 Metern Höhe ohne mit der Wimper zu zucken.
Was er sich aber an diesem Tag vorgenommen hat, grenzt an Wahnsinn: Fast 60 Meter, das ist höher als jemals ein Mensch beim Canyoning gesprungen ist. Da denkt man dann doch schon zweimal darüber nach.
 

So hoch und eindrucksvoll ist der Cascata del Salto

Cascada del Salto, Maggia, Schweiz:  Hier findet der höchste Klippensprung der Welt statt.
Cascada del Salto, Maggia, Schweiz © Lukas Pilz

Im italienischen Teil der Schweiz liegt Ticino. Und in Ticino gibt es über 150 Canyons mit unzähligen Wasserfällen, die man bezwingen kann. Der Cassata del Salto ist der König von ihnen. Er thront über den kleinen Ort Maggia, eineinhalb Stunden nördlich von Lugano. Nach einem Sommerregen erwacht er zum Leben und füttert einen Gebirgspool mit glasklarem Wasser. Ein wunderschönes Naturspektakel und natürliches Amphitheater!
 

Der Jump auf Repeat!

Laso Schaller im animierten Gif bei seinem Jump in der Schweiz
Gif-elstürmer: Laso springt in die Tiefe! © Lukas Pilz

So ein Sprung bedarf allerdings etwas mehr Vorbereitung als der Standard-Jump beim Canyoning. Bei strahlend blauem Himmel bauten Schaller und seine Leute eine Plattform, von der aus er einen kalten Sprung in die Tiefe wagen konnte. Dann machten sie sich daran, das Gewässer abzutauchen. Mit sechs Tanks belüfteten sie das Wasserbasin und sorgten so dafür, dass Schaller ein weicheres Eintauchen hat. Dann wurde mit großen Steinbrocken die Fluglinie ausgetestet.

Laso war dennoch relaxt wie immer: "Ab 25 Metern sieht alles gleich aus und fühlt sich auch ähnlich an. Den einzigen Unterschied macht die Flugzeit!" Na dann!
 

In der Galerie haben wir noch mehr Bilder

Schaller, den man als Brasilianer wohl eher auf dem Surfbrett vermuten würde, ist während der Vorbereitungen entspannt, aber dennoch sorgfältig. Wie er Eintauchen wird, malt er sich im Kopf aus: Füße zuerst, etwas nach vorne gelehnt, den Körper angespannt und seine Hände vor den Hüften gekreuzt - so kann er den Wasseraufprall auf sein Gesicht etwas abwenden. Er weiß, dass er nach wenigen Millisekunden Fall, 120 Km/h in ein paar Metern Wasser auffangen muss.

Und wenn wir beim Thema sind: Reichen 8 Meter Wassertiefe überhaupt? Interessanterweise sind Sprünge aus großen Höhe nicht schwieriger als aus niedrigen. Von 10 Metern brauchst du ungefähr 3 Meter Tiefe, aber aus 50 Metern reichen dir auch 4 Meter! Schaller hat seine eigene Wissenschaft: "Ich wärme mich etwas auf, aber bin nicht zu entspannt, sonst schaffe ich es nicht meine Körperspannung beim Eintauchen zu halten."
 

Arme außer Kontrolle

Laso Schaller Millisekunden nach dem Absprung am Cascata del Salto near Maggia
Millisekunden nach dem Absprung © Josh Sampiero

Eigentlich ist Laso für ein Leben im Canyon gemacht: Seine Mutter war Turnerin und der kleine Laso war auf den blauen Matten und am Pool zuhause. Er nimmt schon jeher an Wettkämpfen im Klippenspringen teil, wo er schon mal bis zu 20 Sprünge aus 25 Metern Höhe am Tag meistert.

Fast zwölf Kameras waren auf Schaller gerichtet, als es dann am Dienstag, den 4. August so weit war. Natürlich gab es noch die passende Szenerie für den dramatischen Sprung, der potentiell auch ein schlimmes Ende nehmen konnte: Der blaue Sommerhimmel verdunkelte sich nämlich und ein Sturm zog auf! Im Hintergrund kündigte schon ein tiefer Donner das drohende Unwetter an, während sich die Zuschauer schon die Jacken anzogen und die Filmcrews ihr teures Gear mit Plastiktüten versuchten zu schützen. Doch dann geschah es:  Laso kam, sah und sprang!
 

Wer genau hinschaut, entdeckt ihn…

Gif: Laso Schaller springt den Cascata di Salto in der Schweiz runter.
Hier geht es hinab in die Tiefe! © Lukas Pilz

Als er ins Wasser eintauchte, klang es wie ein Kanonenschuss. Weil Schaller über das belüftete Wasser hinausschoss, kam er härter als gedacht in der Mitte des Basins auf. Seine Canyoning Partnerin Ines Riepl war schnell zu Stelle, aber nach nur wenigen Sekunden tauchte Laso triumphierend aus den Fluten. Trotzdem er eine saubere Landung hatte, sah es am Anfang so aus, als ob er seine Hüfte verdreht hatte. Laso schwamm zum medizinischen Check und kurz darauf konnte er sich entspannen: Alles war gut. Nicht nur, dass er einen neuen Weltrekord aufgestellt hat - er hat es heil überstanden. Und das sollte immer das Wichtigste sein.

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